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Wie Hameln Fachkräfte halten und anziehen könnte

HAMELN. Was kann Hameln für Fachkräfte attraktiver machen und womit könnte die Stadt junge Absolventen wieder zurück locken? Studierende der Hochschule Weserbergland haben 217 Hamelner Schülerinnen und Schüler, 47 Absolventen sowie 219 Fachkräfte aus sechs Unternehmen befragt und mehrere Kritik-, aber auch Pluspunkte für Hameln erfahren. Aus diesen leiten sie schließlich Empfehlungen für die Stadt ab.

veröffentlicht am 06.05.2019 um 17:46 Uhr
aktualisiert am 06.05.2019 um 19:10 Uhr

Rucksack gepackt und „Tschüs, Hameln“? Viele junge Leute wollen nach dem Schulabschluss erst einmal weg aus der Kleinstadt. Sie zurückzugewinnen, stellt die Stadt vor eine große Aufgabe. Foto: dana
Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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Die Krux: Wer als Stadt Unternehmen halten und anziehen will, muss etwas bieten. Und wer als Unternehmen Fachkräfte braucht, muss mit guten Arbeitsbedingungen und Gehältern locken – die Fachkräfte wiederum wollen oft dorthin, wo es sich neben gut arbeiten auch gut leben lässt. Die englische Bezeichnung „war for talents“ (übersetzt „Krieg/Kampf um Talente“), den die Unternehmensberatung McKinsey Ende der 90er Jahre geprägt hat, macht den Ernst der Lage deutlich. Kaum eine Branche klagt zurzeit nicht darüber, dass es an Fachkräften mangelt. Um Lösungen zu entwickeln, hat die Stadtverwaltung ein weiteres Mal auf die Studierenden der Hochschule Weserbergland gesetzt und sie im Rahmen eines Projektstudiums forschen lassen.

Befragt wurden 217 Hamelner Schülerinnen und Schüler, 47 Absolventen, 219 Fachkräfte aus sechs Unternehmen. Kernthema: Was hält sie hier, warum gehen sie weg, unter welchen Umständen würden sie zurückkommen? Eine längst belegte These konnte auch für Hameln bestätigt werden: je Doktor, desto weg – je höher also der Ausbildungsgrad, desto eher sind die hier lebenden Fachkräfte grundsätzlich bereit, Hameln zu verlassen, was unter dem Begriff „Brain Drain“ (Abzug von Hirn) zusammengefasst wird.

Allerdings haben nur 14 Prozent der befragten Fachkräfte angegeben, das in Erwägung zu ziehen, die übrigen 86 Prozent tun dies nicht.

Das Drachenbootrennen – ein Event, mit dem Hameln noch mehr punkten könnte. Foto: Dana

Bei den Schülern sieht es anders aus: 66,7 Prozent planen, nach dem Schulabschluss wegzuziehen. Sie möchten Neues erleben, zum Studium und sehen die „Kleinstadt Hameln“ als eher negativen Faktor an. Auch die Abendgestaltung und der ÖPNV schlagen als Negativfaktoren zu Buche, während die Altstadt, die ländliche Idylle und die Einkaufsmöglichkeiten von den Schülern positiv bewertet werden. Die (älteren) Absolventen dagegen nennen denselben Faktor „Kleinstadt Hameln“ als Pluspunkt für die Stadt. Positiv werten auch sie die Altstadt und das soziale Umfeld.

Die Fachkräfte, die einen Wegzug erwägen, nennen neben anderen diese Kritikpunkte:

  • Langsames Internet im Landkreis, am Arbeitsplatz.
  • Das Weserufer ist so gut wie tot / Die Gebiete an der Weser müssten viel mehr in das Stadtbild einbezogen werden.
  • Es müsste eine Umgehungsstraße geben – vor allem für den Fernlastverkehr, damit die Innenstadt beruhigt wird.

Was für Hameln spricht, nennen die Fachkräfte, die bleiben wollen:

  • Hameln ist überschaubar, hat alles Notwendige, Hannover ist nicht weit weg. Auch das kulturelle Angebot reicht.
  • Eine schöne gepflegte Stadt mit Potenzial.
  • Schulen und Kinderbetreuung sind ausreichend vorhanden.
  • Natur und Industrie im gesunden Verhältnis; kurze Autobahnanbindung (zumindest in Ost-West-Richtung – Anmerkung der Stadt Hameln).
  • Hameln deckt viele Bedürfnisse ab.

Die Studie wurde in zwei Teilprojekte gegliedert: Zum einen wurde der Fachkräftemangel beleuchtet, zum anderen ermittelt, wie ein erfolgreiches, die Stadt nennt es „Rückkehrmanagement“ aussehen kann. Svenja-Annkristin Kreft, die aufseiten der Stadt das Projekt begleitet hat, ist selbst bestes Beispiel dafür: Hier aufgewachsen, zum Studieren weggegangen, danach zurückgekommen – und jetzt will sie bleiben, sagt sie. Damit es auch andere wieder Richtung Heimat zieht und Fachkräfte gerne hier landen und bleiben, haben die Studierenden einen ganzen Katalog mit Maßnahmen entwickelt, der im Rathaus gerne entgegengenommen wurde.

Grundsätzliche Handlungsempfehlungen: Hameln müsse seinen Bewohnern die eigene Attraktivität nahelegen, also in Sachen Kommunikation einen draufsatteln. Die als wichtig empfundenen Standortfaktoren müssten weiterentwickelt werden – dazu zählen für die Jüngeren Sport-Angebote, für die Älteren auch die Infrastruktur. Daneben können auch die Faktoren Kinderbetreuung und Kulturangebot weiterentwickelt werden.

„Wir können nicht alles umsetzen, nicht alles lässt sich von uns lenken“, sagt Thomas Wahmes von der Abteilung Strategische Grundsatzfragen, Wirtschaftsförderung und Öffentlichkeitsarbeit, „einiges ist aber auch schon angestoßen“. Sämtliche Vorschläge wurden genau angesehen und über mögliche Umsetzungen nachgedacht.

Klar sei: Hameln kann das nicht alleine, sondern in Kooperation mit anderen Akteuren.

Information

Was die Kleinstadt bieten muss – das schlagen die Studierenden vor

Um für Fachkräfte attraktiver zu werden, sollte die Stadt Hameln (inklusive anderer Akteure) an den Standortfaktoren arbeiten. Unter anderem diese Vorschläge machen die Studierenden:

Kultur: Art Night in verschiedenen Veranstaltungsräumen; Hameln leuchtet; Hefehof-Termine mehr bewerben.

Sport: das Drachenbootrennen mehr bewerben, Internetseiten der Sportvereine auf der Hameln-Homepage verlinken, bisherige Sportangebote stärker bewerben und erhalten.

Infrastruktur: CarSharing, Radwege ausbauen, Sprinterzüge; Bezuschussung Reisekosten durch den Arbeitgeber; Ortsumgehung.

Kinderbetreuung: Betreuungsbörse; Spielplätze, Betriebskindergärten, flexiblere Arbeitszeiten; Nachmittagsbetreuung mit Programm

Die Studierenden empfehlen eine stärkere Bedienung von Social Media wie Instagram und Facebook, um den Hamelnern zu zeigen, wie schön ihre Stadt ist. Als Antwort auf den Brain-Drain liefern die Projektteilnehmer das Schlagwort „Cluster-Bildung“ – dahinter verbirgt sich der Zusammenschluss verschiedener Akteure im Bereich Wirtschaft. Empfohlen wird eine Wirtschaftsschau, Tag der offenen Tür, gemeinsame Broschüren, Praktikums-Börse, Radio-Spots, in denen die Unternehmen gemeinsam für sich und die Wirtschaftsregion Hameln werben.

Um für Absolventen und junge Fachkräfte attraktiv zu bleiben (und sie wieder anzulocken) sollten Reize zur Rückkehr geschaffen werden, wie Jobmessen über Weihnachten (wenn eh alle bei ihren Familien sind), mit Vorteilen für junge Familien werben, Stellenbörsen auf der Hameln-Seite verknüpfen, Werkstudententätigkeiten und Stellen zum Schreiben von Abschlussarbeiten bei Unternehmen und der Stadt bewerben; um das Bleiben attraktiver zu gestalten: Ausbau der Weserpromenade, Grillplätze schaffen, Promenadenuferfeste, mehr öffentliche Abendveranstaltungen speziell für junge Leute, ÖPNV ausbauen; Kooperationen mit anderen Unis, Abschlussjahrgänge besser über duale Studiengänge vor Ort informieren.bha



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