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Bestechungsvorwürfe um den Hamelner Weihnachtsmarkt machen die Runde / Stadt verteidigt sich

Wie groß ist der Imageschaden für Hameln?

Hameln. Die Stadt Hameln macht von sich reden – weltweit nachzulesen. Mit dem Rattenfänger ist sie immer präsent, jetzt ist sie’s auch mit der Razzia im Rathaus und den Untersuchungen der Staatsanwaltschaft Hannover im Zusammenhang mit der Platzvergabe auf dem Weihnachtsmarkt. T-Online und Bild.de, der NDR haben ihre Berichte im Internet, Radio und Fernsehen veröffentlicht, in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, der Neuen Presse und der Süddeutschen Zeitung ist ebenfalls von den image schädigenden Vorfällen die Rede. „Man wünscht sich natürlich bessere Presse“, sagt Hamelns Tourismuschef Harald Wanger, macht aber sogar noch Witze über die unliebsamen bad news: „Manchen sage ich, dass das eine ausgeklügelte Marketingstrategie ist.“

veröffentlicht am 19.11.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 15:21 Uhr

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Autor:

Ulrich Behmannund Birte Hansen
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Jetzt gelte es Ruhe zu bewahren, entgegnet Wanger auf die Frage, ob die Nachrichten der Beliebtheit des Weihnachtsmarktes einen Abbruch tun könnten. Irritierten Anfragen von außen, die dieser Tage an die Tourist-Info gestellt würden – „Was ist denn bei euch los? Passiert denn da überhaupt was?“ – begegneten die Mitarbeiter mit Gelassenheit und werbender Zunge. „Hameln ist immer noch eine sehr attraktive Stadt mit einem sehr attraktiven Weihnachtsmarkt“, so Wanger. Zwar gebe es in diesem Jahr keine Pyramide, aber der Markt sei natürlich trotzdem schön. An eine spontane Kampagne jedenfalls, die Hamelns Image jetzt stärken könnte, denkt Wanger nicht. Das, was getan werden konnte, sei getan worden.

So ruhig wie die Touristiker betrachtet die Verwaltung das Geschehen nicht. Die Stadt fühlt sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. Erstmals äußert sich die Ordnungsabteilung in der Dewezet zu den Aussagen der Staatsanwaltschaft Hannover und den Vorwürfen von Altbeschickern. Bei der Staatsanwaltschaft haben sich der leitende Beamte und der Sachbearbeiter aus dem Fachbereich Recht und Sicherheit bislang noch „nicht zur Sache eingelassen“. Gegen beide wird wegen Verdachts der Bestechlichkeit ermittelt. Aus Sicht der Stadt könne von „Auffälligkeiten“ keine Rede sein und „wir wehren uns gegen den Vorwurf, dass in einem bestimmten Fall vorab Zusagen über eine Standvergabe erfolgten“, heißt es zu den im Raum stehenden Anschuldigungen.

Auch darin, dass eine Familie, deren Mitglieder aus Springe und Lemgo stammen, acht Stände in bester Lage genehmigt bekommen hat, sieht die Stadt nichts Verwerfliches. „Mehrfachbewerbungen sind nach der Gewerbeordnung zulässig. Jeder Beschicker darf sich mit so vielen Ständen bewerben, wie er möchte. Im Übrigen wäre es von uns gar nicht zu kontrollieren, inwieweit und bis zu welchem Grad Verwandtschaftsverhältnisse bestehen.“ Auch einige Altbeschicker seien schließlich mit mehreren Ständen vertreten.

Im vergangenen Jahr, so hatte Peter Ehlerding von der IG Weihnachtsmarkt moniert, habe ein Betreiber seinen Fischstand wieder abbauen dürfen, während der Weihnachtsmarkt schon lief. „Der Stand war wirtschaftlich nicht tragbar“, erklärt die Stadt, und „es ist nicht im Interesse des Gesamtmarktes, einen toten Punkt zu schaffen. Außerdem wollen wir keinen Beschicker in den Ruin treiben.“ Der Abbau sei möglich gewesen, ohne eine Lücke entstehen zu lassen. Hätte sich die Bude inmitten des Marktes befunden, wäre das aus Sicht der Stadt „nicht vertretbar gewesen“.

Die neuen Beschicker hätten die größten Stände und die besten Plätze erhalten – auch diesen Vorwurf will die Verwaltung nicht gelten lassen. Wenn ein neuer Bewerber nach der Punkteskala dabei ist, werde versucht, einen passenden Platz zu finden und dabei die Plätze der Altbeschicker unangetastet zu lassen. Georg Stiller, Geschäftsführer von „Stillers Partyservice“ sieht das anders. Seine lukrative Fläche vor dem Hochzeitshaus, die er 25 Jahre belegt hatte, nutzt in diesem Jahr ein Betreiber, der von den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft betroffen ist. Bei der Genehmigung eines von Stiller beantragten Grill-Imbisses räumt die Verwaltung Fehler ein. „Für den Stand Pfannengerichte hatte Herr Stiller eine Zusage erhalten, in der falsche Maße angegeben waren. Die Stadt bedauert sehr, dass erst nach cirka acht Wochen ein korrigierter Bescheid erstellt werden konnte.“ Allerdings habe es damals kurzfristig ein Gespräch gegeben, in dem die Stadt eine Berichtigung zugesagt hatte. „Darauf hätte sich Herr Stiller verlassen können – es wäre dann auch nicht zu einer zeitlichen Verzögerung beim Bau des neuen Standes gekommen.“ Stiller wollte angesichts einer Investitionssumme von 100 000 Euro etwas Schriftliches. Als das kam, war es seinen Angaben zufolge zu spät, einen neuen Stand für den Weihnachtsmarkt 2010 bauen zu lassen. Den Ersatzplatz lehnte er ab, weil er dort starke Umsatzeinbußen gehabt hätte, sagt er. Die Stadt: „Es gab zu diesem Zeitpunkt keine Möglichkeit mehr, Herrn Stiller für den gemieteten Stand einen anderen Platz anzubieten.“

Die Kritik der Gastronomin Gabriele Güse, die geklagt und recht bekommen hatte, kann die Stadt nicht nachvollziehen: „Die Firma Güse hatte einen Platz vor dem Museumscafé erhalten, allerdings hätte der Durchgang innerhalb des Standes kleiner ausfallen müssen“ als von Güse vorgesehen. Aufgrund der knappen Zeit nach Eingang des Beschlusses des Verwaltungsgerichts Hannover wäre der Stand nicht rechtzeitig fertig geworden, weshalb Herr Güse den Platz zurückgegeben habe, heißt es aus der Ordnungsabteilung.

Während die Staatsanwaltschaft Akten wälzt, sich Beschicker ärgern, die Stadt sich verteidigt, versucht der Touristiker Harald Wanger zu besänftigen: „Wir alle haben doch nur ein Ziel. Dass der Weihnachtsmarkt wieder schön wird.“

Ausschnitt aus der Presselandschaft. Mehrere Medien berichten über die Vorfälle in der Rattenfängerstadt.

Montage: Wal



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