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Kirsten Wente arbeitet seit 20 Jahren daran, dass Frauen und Männer im Landkreis auf Augenhöhe kommen

Wie gleich ist gleich?

Hameln-Pyrmont. Kritisch beäugt hätten die Männer sie zu Beginn: „Denen musste ich erst mal klarmachen, dass ich Männer nicht hasse.“ Kirsten Wente ist seit über 20 Jahren für die Gleichstellung von Männern und Frauen im Landkreis zuständig. Am 1. September 1994 wurde die Sozialpädagogin Kreisfrauenbeauftragte, seit 2005 heißt sie Kreisgleichstellungsbeauftragte. Was hat sich seitdem verändert?

veröffentlicht am 23.10.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 05:41 Uhr

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Autor:

VON ANDREA TIEDEMANN
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Die Aufmerksamkeit für das Thema Gleichstellung hat zugenommen, das wird schon bei einem Blick in die Zeitung deutlich. Eine kurze formlose Ankündigung über die Entscheidung für Wente im Juni 1994, das musste damals reichen. Zum Dienstantritt? Da waren offenbar noch andere Themen wichtiger. „Ihr Busen mag Bananen – Fithalten ohne Hormone“ – so wurde die gemeine Leserin an jenem Tag noch auf der Dewezet-Seite „Für die Frau“ informiert.

Doch wie viele Frauen finden beispielsweise den Weg in die Politik? Derzeit sind zehn der 54 Kreistagsmitglieder Frauen – und damit statistisch stark unterrepräsentiert. Doch schaut man 20 Jahre zurück, erscheint das schon als enormer Erfolg: Nur zwei Grünen-Politikerinnen mischten sich damals unter die insgesamt 55 Kreistagsmitglieder. Doch wie ist die Entwicklung? „Über 13 sind wir nie hinausgekommen“, sagt Wente. Die Frauen-Quote der Kreispolitik habe sich in diesem Umfang eingependelt. Doch sie ist optimistisch: In zehn Jahren will sie eine Quote von 35 Prozent erreicht haben. Woher kommt der Optimismus? Wente setzt vor allem auf ein Mentoring-Programm des Landes, das Frauen in die Politik bringen soll. Was Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen aufs politische Gleis gesetzt hat, funktioniert offenbar auch in der Kreispolitik: Rosemarie Kreiensen (SPD) hat es auf diesem Weg in den Kreistag geschafft. Die 62-jährige Sozialdemokratin musste sich hineinkämpfen in die Männerdomäne – und ist mittlerweile selber Mentorin geworden. Leicht sei dies aber nicht, wendet sie ein, immer wieder stoße sie auf Widerstände. „Gerade im unteren Bereich gibt es immer noch viel Wadenbeißerei.“ Dass Kreiensen überhaupt politisch aktiv ist, sei zeitlich dadurch möglich geworden, dass sie nun in Altersteilzeit arbeite. Für Eltern, die kleine Kinder hätten, sei es schon sehr schwierig, sagt sie.

Sowohl in der Politik als auch in der Wirtschaft geht es daher immer um die zentrale Frage, wie Frauen Beruf und Familie vereinbaren können. Denn – daran kann auch die Gleichstellungsbeauftragte wenig rütteln – es sind noch immer meist Frauen, die die hauptsächliche Erziehungsarbeit leisten. Geht der Landkreis hier mit gutem Beispiel voran? Immerhin wurde ein Eltern-Kind-Büro eingerichtet, doch so richtig gut angenommen wurde es nicht. Mittlerweile gibt es nur noch einen Spielzeugschrank. Warum ist das Projekt gefloppt? „Wir haben ohnehin viele Einzelzimmer“, erklärt Wente, deshalb sei der Bedarf nicht allzu groß gewesen. Zudem habe es Begehrlichkeiten gegeben, den Raum anderweitig zu nutzen. Der Landkreis bemüht sich, Eltern die Chance zu geben, von zu Hause aus zu arbeiten. Doch nur „eine Handvoll“ Mitarbeiter hätten derzeit einen Telearbeitsplatz, sagt Wente – eine überschaubare Menge angesichts von rund 600 Mitarbeitern. Das Problem sei, so erklärt Wente, dass beispielsweise Mitarbeiter des Sozialamtes aus Gründen der Datensicherheit nicht einfach Akten mit nach Hause nehmen könnten – hier ist es die Bürokratie, die der Gleichstellung im Weg steht.

Doch es geht nicht nur darum, mit Kindern überhaupt im Job zu bleiben. Es geht auch darum, die Karriereleiter hochzuklettern. „Teilzeitkräfte haben dieselben Aufstiegschancen wie Vollzeitkräfte“, heißt es in Wentes Jubiläums-Flyer unter der Rubrik „Landkreis als Arbeitgeber“. Doch konkrete Fälle kann sie nicht nennen. Hier war also eher der Wunsch Vater des Gedankens. Sei eine Frau schon in einer Führungsposition, sei das mit der Teilzeit einfacher, sagt Wente. Beim Aufstieg hilft sie offenbar nicht gerade.

Von einer 50/50-Quote ist der Kreistag noch weit entfernt – doch immer mehr Frauen erkämpfen sich ihren Platz in der Politik.dpa



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