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Studentin untersucht Belastung von Schwarzwild / Köder in Hamelner Stadtwald ausgelegt

Wie gestresst sind Hamelns Wildschweine?

HAMELN. Seit mehreren Jahren machen sich die Wildschweine besonders breit – und sorgen für Stress bei der Jägerschaft. Die ist derzeit damit befasst, den Bestand der Population zu regulieren. Aber auch die Schwarzkittel selbst sollen unter Stress stehen. Wie, wodurch und wann sollen nun Hamelner Wildschweine Wissenschaftlern aufzeigen. Die Hamelner Bachen und Co. sind Versuchstiere bei einer Masterarbeit. Das bekommen die Tiere aber absolut nicht nicht.

veröffentlicht am 10.05.2019 um 17:59 Uhr

Foto: dpa
Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
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Justine Güldenpfennig hebt im Stadtwald eine geräumige Plastikbox aus einem Landrover. Deren Inhalt: Wildtierkameras, Bodenhülsen, Drahtseile und jede Menge bunte mit Sirup bestrichene Kunststoffteile. „Kauseile“, wie die Biologie-Studentin sie nennt. Die Düfte, die von den etwa zehn Zentimeter langen Seilen ausgehen, können sogar Menschennasen erschnuppern. Und bei Aromen von Trüffelöl, Mais, Mandeln oder Räucherfischöl sollte eigentlich jedes Wildschwein genüsslich zubeißen – und dabei seinen Speichel zurücklassen. Denn an den will die Forscherin gelangen.

„Stressbelastung von Wildschweinen ist der Titel meiner Masterarbeit. Später möchte ich das mit anderen Tieren weiterführen“, erzählt die 23-Jährige. Stress bei Menschen und Haustieren sei schon sehr gut erforscht worden, meint die junge Frau. „Aber unsere Wildtiere wurden bislang vergessen“, so Güldenpfennig. In ihrer Studie gehe es darum, den Stress zu messen und eine perfekte Methode hierzu zu finden.

Von Hegeringleiter Michael Kocea gab es zuvor einen Tipp, wo sie ihre Versuchsanordnung platzieren kann: Eine gut besuchte Suhle mitten im Hamelner Stadtwald. „Die Schweine sollen kauen, dann fangen sie an zu speicheln. Das ist für uns praktisch, so kommen wir leicht an den Speichel heran und müssen die Tiere nicht animieren, erklärt Güldenpfennig ihren Kniff .

Justine Güldenpfennig zeigt Hegeringleiter Michael Kocea Kauseile, die die Studentin an einer Suhle auslegt. Foto: fn

Der Speichel werde später in einem Labor der Rinderklinik in der Tierärztlichen Hochschule Hannover untersucht und dabei Stressbelastungen sichtbar gemacht, so Güldenpfennig. Ein geeigneter Laborparameter sei dabei die Messung des Hormons Cortisol.

Dass die Wildschweine zu Drückjagdzeiten besonders unter Druck stehen, dürfte nicht verwundern. Um das zu wissen, bedarf sicherlich keiner Untersuchung. Was will die angehende Wissenschaftlerin herausfinden? „Wir haben den Stress bei Wildtieren auf hormoneller Ebene noch nie untersucht. Stress kann einen Einfluss auf die Reproduktion habe. Ein gestresstes Wildtier verbraucht mehr Energie, muss mehr fressen und es entstehen Wildschäden. Mit gezielten Stressreduzierungen kann man unter Umständen die Schäden vermeiden. Das sind Hypothesen, die wir testen wollen“, erklärt Justine Güldenpfennig ihre Arbeit.

Momentaufnahmen wie im Stadtwald helfen dabei nicht. Später sollen Langzeitmessungen durchgeführt werden, um auch akuten von chronischem Stress unterscheiden zu können. Letzterer trete immer wieder auf, so Güldenpfennig. „Beispielsweise durch Irritationen nach Abforstungen oder wenn Habitate zerstört werden“, meint die Studentin.

Den Kontakt zur Hamelner Jägerschaft stellte Dr. Oliver Keuling vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung in Hannover her. Keuling befasst sich schon 20 Jahre mit Schwarzwild und unterstützt die Masterkandidatin bei ihrer Arbeit. „Wildschweine sind günstige Untersuchungsobjekte, über die man zuverlässig und leicht an Proben herankommt, um über das ganze Jahr Stresshormone messen zu können“, erklärt der Biologe. Stressforschung sei momentan „hip“ und werde auch finanziell gefördert, so Keuling. Dass die Tiere durch die Jagd gestresst sind, glaubt der Forscher allerdings nicht so sehr.

Der Appetit der borstigen Alllesfresser hielt sich in Grenzen. So oft, wie sich es die Studentin erhofft hatte, bissen die Hamelner Wildschweine aber nicht zu. Blieben am ersten Versuchstag die Kauseile unangetastet liegen, konnte Güldenpfennig danach zumindest einige Proben ins Labor schicken. Sie hofft, dass die Ergebnisse im August vorliegen. Bei Stadtforstamtsleiter Ottmar Heise findet die Arbeit des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung Unterstützung. „Das Ergebnis kann ja später für uns relevant sein“, sagt der Förster.



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