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Stadt beerdigtTourismus-Konzept

Wie geht es weiter auf dem Klüt?

HAMELN. Die Stadt muss damals schon sehr begeistert gewesen sein von den Plänen der Gebrüder Fard. Sonst hätte sie den Cemag-Chefs wohl kaum die Genehmigung erteilt, auf dem Hamelner Hausberg nicht nur ein neues Restaurant, sondern auch ein Hotel errichten zu dürfen. Denn dies wäre heute wohl so nicht mehr möglich. Derweil wird immer noch ein Käufer gesucht.

veröffentlicht am 05.09.2018 um 19:30 Uhr

Hotel und Restaurant stehen seit dreieinhalb Jahren leer. Für 2,1 Millionen Euro wird beides angeboten. Foto: dana
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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„Das ist eine riesige Ausnahme gewesen“, sagt Isabella Gifhorn, Leiterin der Fachabteilung Planen und Bauen. Denn eigentlich sei ein Hotelbau im Wald, also im sogenannten Außenbereich, nach Paragraf 35 des Baugesetzbuchs „abzulehnen“.

Gifhorn war damals noch nicht im Amt. Die Motivation der Stadt, eine solche Riesenausnahme zu machen, werde darin bestanden haben, den Standort auf dem Klüt als „wichtigen touristischen Punkt erkannt“ zu haben, in dem Anspruch, die „Qualität“ zu erhalten – ein Klüt-Restaurant gab es dort bereits lange zuvor und die Pläne der Fard-Brüder „als Gewinn für die Stadt gesehen“ zu haben, nimmt Gifhorn an.

Pläne, die über das bis dahin bestehende Angebot auf dem Klüt über den Dächern der Stadt weit hinausgingen: Aus dem besonderen, aber in die Jahre gekommenen Restaurant mit gehobener Küche in exponierter Lage der Familie Nietsche wurde nun ein Luxusbau mit extravaganter Innenausstattung.

Das ist eine riesige Ausnahme gewesen.

Isabella Gifhorn, Leiterin Fachabteilung Planen und Bauen, über das Klüt-Hotel

Der Fard-Komplex besteht aus einem Restaurant, ehemals: „La Résidence“, das sich über zwei Etagen erstreckt und 160 Sitzplätze hat, und einem integrierten Hotel mit sieben Zimmern und zwei Suiten. Dieses Konzept hat die Stadtväter und -mütter damals überzeugt. 2008 wurde das bis dahin in städtischem Besitz befindliche Klütrestaurant an die Fards verkauft – in Höhe einer unbekannten Summe. Gleichwohl habe es sich damals sicher nicht um eine, so Gifhorn, „Gefälligkeitsplanung“ gehandelt. Die Verwaltung habe sich seinerzeit bei der übergeordneten Behörde – damals Region Hannover, heute Umweltministerium – rückversichert. Demnach habe die Stadt die Genehmigung zwar erteilen dürfen. Allerdings mit der Auflage, einen Bebauungsplan zu erstellen. Eine Frist für die Erstellung dieses Plans sei in diesem Zuge nicht gesetzt worden. Und weil dieses Verfahren bis heute nicht abgeschlossen ist, steht es nun erneut in der Politik zur Diskussion.

Einen aktuellen Anlass, wie etwa Pläne eines neuen Investors, gebe es nicht. „Es geht darum, den jetzigen Zustand zu sichern“, sagt Gifhorn. Tatsächlich zeigt sich beim Blick in die Beschlussvorlage für den „Bebauungsplan Klütkuppe“, die am Donnerstag (6.9.) im Stadtentwicklungsausschuss zur Debatte steht, dass im Grunde alles beim Alten bleiben soll. Eine Erweiterung des Gebäudekomplexes ist nicht vorgesehen.

Dies bedeutet jedoch auch eine endgültige Absage an das zwischen 2010 und 2012 im Auftrag der Politik erstellte Konzept, die vorhandenen Naherholungs- und Tourismusangebote auf dem Klüt, also dem Bereich zwischen Klütturm und Finkenborn, behutsam auszubauen.

Ideen für Aussichtsplattformen rund um die einstige Festungsanlage am Klütturm und eine Minigolf-Anlage aus Natursteinen am Finkenborn standen im Raum, wurden von der Politik mit der Begründung, dafür fehle es an Geld, aber bereits wieder verworfen. Auch einer artenschutzrechtlichen Prüfung hielt das Konzept nicht stand (wir berichteten).

Unterdessen steht der eindrucksvolle Gebäudekomplex auf der Klütkuppe weiterhin zum Verkauf. Inzwischen ist der Eigentümer, der Immobilieninvestor und Bauunternehmer aus dem fernen Sankt Petersburg Dr. Sergei Elsakov, ein wenig mit dem Preis runtergegangen. Wollte er wie berichtet, im Januar noch 2,45 Millionen Euro für die Immobilie bekommen, sind es inzwischen 2,1 Millionen Euro.

Doch Schlange stehen die Interessenten nach wie vor nicht, wie Makler Michael Ernst aus Neustadt am Rübenberge auf Anfrage bestätigt. „Die Schlange fehlt uns“, sagt er. „Aber wir sind ständig in Gesprächen.“ Kurz vor dem Abschluss stehe aber keines dieser Gespräche.



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