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Hamelns Secondhandkaufhäuser bieten Gebrauchtes für den schmalen Geldbeutel

„Wie ein kleines Schatzkästchen“

Es gibt immer Dinge, die nicht mehr gebraucht werden. Jeder kann darüber nachdenken, ob der einstige Lieblings-Teddy nicht ein neues Leben bei einem Kind verdient hat, das ihn genauso lieb haben wird wie man selbst. Oder ob das schicke Abendkleid, das irgendwie schon immer eine Spur zu eng war, wirklich noch zum Einsatz kommt. So oder so ähnlich steht es mit vielen Gegenständen in der Wohnung. Es gibt Vereine in Hameln und im Weserbergland, die sich zur Aufgabe gemacht haben, solchen Sachen ein neues Leben zu geben und damit Menschen zu helfen. Sei es durch die Dinge selbst, die gut gebraucht werden können, oder durch die Verkaufserlöse, die dazu dienen, soziale Projekte zu finanzieren.

veröffentlicht am 09.09.2014 um 11:09 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:21 Uhr

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Autor:

maike schaper
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Hamelns Sozialkaufhäuser sind Fundgruben für Erwerbsschwache und Schnäppchenjäger gleichermaßen. Die Resonanz ist groß, das Angebot wird angenommen. Von Kleidung über Dekorationsartikeln bis hin zum Küchenschrank oder dem gebrauchten Fernseher ist dort fast alles zu finden.

Erst Anfang August hat der Shop des Vereins „Alle Gemeinsam e.V.“ Neueröffnung gefeiert. Es wurde umgebaut und mehr Platz geschaffen. Die gespendete Damen-, Herren- und Kinderbekleidung hat einen neuen Raum bekommen. Die Spenden kommen von Privatpersonen. Im Shop kann alles abgegeben werden, was zu Hause nicht mehr benötigt wird. Auch Firmen können ihr nicht mehr benötigtes Inventar spenden.

Neben Bekleidung gibt es Schuhe, Fernseher, Geschirr und allerlei weitere Haushaltsgegenstände gegen kleines Geld. Zum Einkaufen sei hier jeder willkommen, sagt Lutz Brockmann, erster Vorsitzender des Vereins. Getreu dem Motto: „Einkaufen für den guten Zweck.“ Es kämen allerdings hauptsächlich Senioren und nicht wie anfangs gedacht junge Hartz-IV-Familien.

Sabine Brockmann vom Verein „Alle Gemeinsam“ sortiert die gespendeten Gläser im Laden. Dana

Wer sich den Küchenschrank nicht direkt leisten kann, kann ihn auch in Kleinst-Raten abbezahlen. Mit den Einnahmen aus dem Shop muss vor allem die Ladenmiete refinanziert werden. Was danach noch übrig bleibt, erhalten sozial Schwächere. Dabei gibt es kein Bargeld, sondern Hilfeleistungen vom Verein. „Alle Gemeinsam“ arbeitet mit dem Jobcenter zusammen und hilft unter anderem bei Umzügen. Vereinsmitgliedern wird gegen einen Mitgliedschaftsbeitrag von 4 Euro monatlich auch beim Ausfüllen von Behördenanträgen geholfen. Ehrenamtliche Helfer für den Verein und Shop werden hängeringend gesucht. Den Laden gibt es bereits seit zwei Jahren. „Theoretisch müssten wir uns sogar noch vergrößern, um anständig arbeiten zu können“, erklärt Brockmann.

Das Secondhandkaufhaus „Der zweite Markt“ in Hameln gehört zum Verein „Arbeit und Integration Bad Pyrmont“. Auf 1500 Quadratmetern können Interessenten Kleidung, Hausrat und Elektroartikel bekommen. Seit diesem Jahr finden sich auch günstige Neumöbel im Angebot. Das Kaufhaus arbeitet ebenfalls mit dem Jobcenter zusammen und versorgt Empfänger von Arbeitslosengeld II und Grundsicherung mit gebrauchten Möbeln und Hausrat. Außerdem bietet es Umzüge, Haushaltsauflösungen und Entrümpelungen an. Der Verein betreibt auch „Das zweite Lädchen“ in Bad Pyrmont.

Die Shops des Deutschen Roten Kreuzes laden jedermann zum Einkaufen für den kleinen Preis ein. Im Laden werden hauptsächlich Kleidungsstücke angeboten, aber auch Haushaltstextilien, Deko, Spielsachen und auch mal ein Fernseher. Die Sachen kommen hier ebenfalls aus Spenden. Was in den vielerorts aufgestellten Containern des Deutschen Roten Kreuzes landet, wird zunächst einmal nach Brauchbarkeit sortiert. Die am besten erhaltenen Stücke wandern in den Verkauf.

Eine Fundgrube

für Sozialschwache und Schnäppchenjäger

„Die Qualität ist uns wichtig“, sagt Bettina Lindström vom DRK-Kreisverband Weserbergland. Der Rest wird weiterverkauft. Das eingenommene Geld wird zur Refinanzierung des Shops, der Container und deren Leerung gebraucht. Was übrig bleibt, geht an soziale Projekte des DRK in der Region. Das Rote Kreuz freut sich über Freiwillige, die ehrenamtlich im Shop und der Sortierung mithelfen möchten. „Der Bedarf für unseren Shop ist definitv da“, bestätigt Lindström. „Zu uns kommen auch Leute, die sich das Einkaufen woanders zu regulären Preisen leisten könnten. Secondhand kommt wieder in den Trend. Ich habe sogar Leute, die täglich vorbeischauen. Unser Laden ist wirklich wie ein kleines Schatzkästchen.“ Adeline Giebel besucht öfter den DRK-Shop in Hameln, um dort zu stöbern. „Irgendwas findet man immer.“ Weitere Läden befinden sich in Hessisch Oldendorf und Bad Pyrmont. Am 15. September wird ein neues Geschäft in Holzminden eröffnen.

Völlig kostenlos kann sich jeder Sachen aus der „Umsonst Boutique“ mitnehmen, die zum Verein „Freiraum Hameln“ gehört. Die Boutique im hinteren Teil der Walkemühle 1a bietet wie die anderen Läden Kleidung und Hausrat, den Privatleute in ihrem eigenen Haushalt nicht mehr gebrauchen konnten und den sozialen Einrichtungen gespendet haben. Hier wird kaputte Kleidung allerdings auch mal von einer Schneiderin wieder zusammengenäht. Größere Möbelstücke gibt es in der Boutique nicht vor Ort: Diese können über eine Pinnwand angeboten und gefunden werden.

Der Verein lebt wie die anderen von ehrenamtlichem Engagement. „Die ,Umsonst Boutique‘ läuft hier im Haus von allen Angeboten am besten. Wir haben auch noch eine Fahrrad- Selbsthilfewerkstatt und einen Nähkreis“, sagt Sara Mummert von Freiraum Hameln. „Das Angebot wird auf jeden Fall gebraucht, wir haben hier eine gute Resonanz. Die Sachen wechseln total schnell den Besitzer. Besonders Kinderkleidung und Spielzeug sind meist am gleichen Tag noch weg. Babykleidung können wir auch nie genug bekommen.“

Jeder, der also noch Sachen zu Hause hat, die er nicht mehr benötigt, über die sich andere aber noch freuen würden, kann sie bei einem der Secondhandläden abgeben. Auch Schreibtische oder Möblierung von Firmen und Büros können auf diese Weise ein zweites Leben erhalten. Wer mag, kann sich bei einem der Vereine sozial engagieren, im Laden oder bei anderen Projekten helfen. Oder einfach nur stöbern und schauen, ob nicht die neue Couch für das Wohnzimmer oder das Geschenk für die Schwiegermutter schon irgendwo in den Regalen warten. Der Flachbildfernseher wird allerdings nicht unbedingt darunter sein und auch der letzte Mode-Schrei wahrscheinlich nicht. Denn der Charme der meisten Sachen stammt aus vergangenen Zeiten. Vintage-Fans, Trödelliebhaber, Schnäppchenjäger, Umweltbewusste und Leute mit kleinerem Geldbeutel jedenfalls werden in den Läden auf ihre Kosten kommen und vielleicht den ein oder anderen persönlichen Schatz entdecken. Wer jedoch lieber den Geruch von verpackten Neugeräten mag, sollte bei seinen gewohnten Einkaufsvorlieben bleiben.

Eine gefütterte Herbstjacke für 4 Euro? Babysachen gar umsonst? Das gibt es alles im Weserbergland. Wer monatlich auf sein Geld achten muss, hat es manchmal schwer, Hausrat oder Kleidung zu ersetzen. Viele gemeinnützige Sozialkaufhäuser und Secondhandläden im Weserbergland bieten Gebrauchtes für den kleinen Geldbeutel.



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