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Trilogie von Stefan Nowicki

Wie ein Autor aus Bayern die Rattenfängersage interpretiert

HAMELN. Als Stefan Nowicki kürzlich durch Hameln zog, war das für ihn schon etwas seltsam. „Ich war an der Marktkirche und dachte: Hier muss das Zelt meines Protagonisten gestanden haben.“ Zwei Jahre lang hat der Autor aus Bayern an einer Trilogie über die Rattenfängersage gearbeitet und den Mythos neu interpretiert.

veröffentlicht am 16.08.2018 um 15:26 Uhr

Hat die Rattenfängersage in einer Trilogie verarbeitet: Schriftsteller Stefan Nowicki war vor ein paar Tagen zu Besuch in Hameln. Foto: WAL
Muschik, Moritz

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Es ist das Jahr 1284, die Stimmung in der Stadt ist aufgeheizt. „Die Familien und die Erben hatten nur begrenzte Aussichten. Es brodelte Unzufriedenheit“, sagt Autor Nowicki. In seiner Trilogie „Tochter des Gauklers“ geht es um eine Gruppe junger Leute um die Rattenfängerin Uta, denen es gelingt, aus Hameln zu fliehen. Sie wollen ihr Glück in der Ferne suchen. Gibt es ein Happy End?

Schriftsteller Nowicki kam nach einer TV-Dokumentation auf die Idee, das spurlose Verschwinden von 130 Hamelner Kindern neu zu erzählen. „In der Doku ging es um die Frage: Was geschah wirklich in Hameln?“ Was 1284 tatsächlich geschah, gibt Forschern Rätsel auf. Wie konnten die Kinder verschwinden? Waren es überhaupt Kinder? Eine Theorie ist die von Heimatforscher Hans Dobbertin. Er vermutete in einer Dewezet-Sonderausgabe zu 675 Jahren Rattenfängersage, dass der bunt gekleidete Graf Nikolaus von Spiegelberg die Hamelner nach Pommern lockte. Die Auswanderer aus dem Weserbergland kamen jedoch samt ihrem „Rattenfänger“ bei einem Schiffsunglück auf der Ostsee ums Leben.

„Der Gedanke des Siedlertrecks hat mich fasziniert“, sagt Nowicki. Also begann er, die Geschichte auf Grundlage der Überlegungen von Dobbertin zu entwickeln. Der Schriftsteller interpretiert die Sage in drei Einzelromanen, die bislang ausschließlich als eBooks erhältlich sind. Die Bände heißen „Die Tore von Hameln“, „Die Stadt der Lügen“ und „Die Stunde der Hoffnung“. Ob es für die Romanfiguren Hoffnung gibt? „Meine Protagonisten dürfen siedeln“, verrät der Autor.

Direkt nach Hameln wollte er für die Recherche allerdings nicht. „Während des Schreibens und davor habe ich mir versagt, nach Hameln zu fahren“, meint er. Und das hatte einen besonderen Grund: „Sonst hätte ich mir vielleicht das mittelalterliche Bild verdorben, das ich im Kopf hatte.“ Umso aufregender war es für ihn, zum ersten Mal durch die Stadt zu ziehen, in der sein Dreiteiler spielt. Mit seiner Frau war er vor ein paar Tagen in der Fußgängerzone unterwegs, um Gebäude und Orte zu fotografieren, die in seinem Werk eine Rolle spielen. „Es war irgendwie seltsam, aber auch sehr schön“, sagt der 55-Jährige.

Der Schriftsteller hat Kunstgeschichte und Germanistik studiert. „In den Semesterferien habe ich bei archäologischen Grabungen geholfen, durfte Skelette freipinseln“, erzählt er. Im Alter von 16 Jahren fing er mit dem Schreiben an, interessiert sich für historische Zusammenhänge. „Ich möchte wissen, wie Leute in ihrer Lebenssituation zurechtgekommen sind“, sagt er. „Wie ist der Mensch auf die Klingel gekommen? Wie ist er darauf gekommen, aus Metall Draht zu ziehen? In diese Bereiche begebe ich mich gern.“ Vor zwei Jahren hat ihn die Rattenfängersage gepackt – und nicht mehr losgelassen.



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