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Mann merkt nicht, dass er die ganze Zeit gefilmt wird / Auszubildende fordert energisch Beute zurück

Wie dumm ist das denn? Dieb weist sich aus

Hameln. Er hat gute Chancen, als Deutschlands dümmster Dieb in die Kriminalgeschichte einzugehen, denn er hat sich am Tatort mit seinem eigenen Reisepass ausgewiesen. Und sie wird von ihrem Chef für den Zivilcourage-Preis vorgeschlagen, denn „sie hat Mut bewiesen und ist couragiert eingeschritten“.

veröffentlicht am 26.08.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 08.11.2016 um 03:41 Uhr

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Autor:

Ulrich Behmann
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Er ist 26 und wohl ein Trickdieb. Sie ist 28 und angehende Goldschmiedin. Der Tatverdächtige betrat am Nachmittag gegen 16 Uhr die Galerie Unique an der Wendenstraße. Er wolle einen Verlobungsring abholen, sagte der angebliche Stammkunde zu der Auszubildenden Sarah Ergezinger, die zu diesem Zeitpunkt allein im Laden war. Den Abholschein könne er nicht finden. Zeitweise wild gestikulierend versuchte der 26-Jährige, die junge Frau dazu zu bewegen, in das Hinterzimmer zu gehen. Er brauche das gute Stück ganz dringend. Ihr Chef habe es bestimmt irgendwo da hinten deponiert.

Sarah Ergezinger kam das Verhalten des Kunden „höchst seltsam“ vor. „Der war ganz komisch drauf, schien völlig durch den Wind zu sein und versuchte, mich mit seinem Getue und Gerede unter Druck zu setzen“, meint sie. Die Hamelnerin blieb ruhig, sie schaute, ob unter dem von dem Mann angegebenen Namen ein Auftrag vorlag. „Das war nicht der Fall.“ Was die Auszubildende nicht mitbekam: Immer, wenn sie „dem Hektiker“ kurz den Rücken zudrehte, schnappte der sich einen goldenen Manschettenknopf von der Werkbank, an der sie für einen Kunden zwei wertvolle Schmuckstücke zu einer Halskette mit Anhänger umarbeiten wollte. Die Beute steckte sich der Dieb in eine Hosentasche. Was er nicht wusste: Eine Überwachungskamera war direkt auf ihn gerichtet – sie zeichnete die Tat auf.

Plötzlich stellte Sarah Ergezinger fest, dass die beiden Manschettenknöpfe fehlten. „Ich suche erst weiter, wenn ich weiß, wo die Manschettenknöpfe sind“, sagte die 1,66 Meter große und nur 50 Kilogramm schwere Frau zu dem etwa 1,80 Meter großen und kräftig wirkenden Mann. „Ich dachte in diesem Moment nur: ,Oh Gott, der hat die eingesteckt. Das kann doch nicht wahr sein.‘ “ Der auffallend braun gebrannte Mann ignorierte die Worte der aufgebrachten Frau zunächst, kramte weiter in seinen Taschen herum und tat so, als suche er immer noch nach dem Abholschein. Da sah Sarah Ergezinger etwas in der Hand des Mannes funkeln. Blitzschnell griff sie zu und nahm dem mutmaßlichen Dieb einen der fehlenden Manschettenknöpfe weg. „Los, geben Sie mir sofort den anderen“, forderte Sarah Ergezinger den Mann auf. Doch der Tatverdächtige dachte gar nicht daran. Er sagte, er habe den einen Manschettenknopf nur an sich genommen, „weil ich dachte, es sei der Ring“. Es wurde laut im Laden. Die Auszubildende pochte energisch darauf, den Manschettenknopf zurückzubekommen. „Ich habe mir den Videofilm von der Tat angeschaut“, sagt Goldschmiedemeister Günther Meyer (54). „Sie hat um das Eigentum unseres Kunden gekämpft wie eine Löwin. Ich finde das sehr lobenswert.“

Im benachbarten Kosmetikstudio hörte Martina Ellmers laute Stimmen. „Ich dachte, das junge Mädchen steckt vielleicht in Schwierigkeiten. Da bin ich rübergegangen, um ihr zu helfen.“ Martina Ellmers blieb im Türrahmen stehen, versperrte dem vermeintlichen Dieb den Fluchtweg. „Wir rufen jetzt die Polizei“, schlug die Kosmetikerin vor. Während Martina Ellmers auf den suspekten Mann aufpasste, wählte Sarah Ergezinger vom Büro aus den Notruf 110. „Ich habe nur ein Besetztzeichen gehört“, sagt sie. Auch der Versuch, ihren Chef telefonisch in Hannover zu erreichen, schlug fehl.

Als die Angestellte zurück in den Verkaufsraum ging, nutzte der Täter einen unbeobachteten Moment aus, um das zweite Schmuckstück zurück auf den Werktisch zu legen. „Als wir den Manschettenknopf entdeckt haben, hat der Mann mich böse beschimpft und beleidigt. Ich wäre zu dämlich, meine Augen aufzumachen“, hat er gesagt. Mit einem Fahrrad suchte der gescheiterte Trickdieb das Weite.

Noch hat Günther Meyer die Tat nicht bei der Polizei angezeigt. Ermittler des für Diebstahl und Raub zuständigen 2. Fachkommissariats, die heute den Dewezet-Bericht lesen, werden sich aber sicher von Amts wegen um den Mann kümmern. Vielleicht ist er ja sogar polizeibekannt.

Tatort Galerie Unique: Der mutmaßliche Trickdieb hat sich goldene Manschettenknöpfe in die Hosentaschen gesteckt – Auszubildende Sarah Ergezinger stellt ihn zur Rede. Die Tat wurde von einer Überwachungskamera aufgezeichnet.



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