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Erstmals ist auf der Studiobühne ein Schauspiel für Anderthalbjährige aufgeführt worden – und es soll mehr davon geben

Wie das Theater seine Pampers-Premiere feiert

Hameln. Vier- und Fünfjährige, die im Programmheft des Theaters Hameln blättern, könnten durchaus fündig werden – wenn sie denn lesen könnten. Durchschnittlich zweimal im Monat stehen Kindertheaterstücke auf dem Programm von Hamelns Bühne. Dass nun sogar schon anderthalbjährige Kinder auf dem roten Besucherteppich im TAB zwischen bunten Kissen und Kita-Kumpels hocken, ist allerdings neu. Am Donnerstagvormittag ist mit „Tür auf, Tür zu“ die Premiere für die jüngsten Hamelner Theaterbesucher aller Zeiten über die Bühne gegangen. Aber wie sieht so ein Theaterstück, das fast ohne Sprache auskommt, eigentlich aus?

veröffentlicht am 17.11.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 04:41 Uhr

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Autor:

Julia Marre
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Michael Nöck Gebhardt-Seele vom Braunschweiger Theater Fadenschein hat für das 40-minütige Schauspiel tatsächlich nicht viel Text zu lernen. „Oh“ – „Aha“ – „Da“ – „Ja“, sagt er, während er einen roten Ballon aufbläst und die Luft mit lautem Heulen und Jaulen wieder herauslässt. „Ah“, „Ja“ und „So“, als er die Türen öffnet und Bühnengeheimnisse lüftet. Das finden nicht nur die 40 Kinder zum Quietschen lustig. Auch manch eine Mutter amüsiert sich. Denn der Schauspieler hat immer das richtige Timing – und darauf kommt es in diesem Stück an.

Spielerisch sollen die Kleinkinder ans Theater herangeführt werden. Zu Musik und Geräuschen vom Band erkundet der Spieler das Bühnenbild. Und, genau, er öffnet und schließt Türen – wie es der Titel ankündigt. Nahezu 20-mal gehen die blaue, die grüne und die orangefarbene Tür auf und wieder zu. Die Inszenierung von Edelgard Hansen spielt mit der Illusion.

Die Reaktionen auf das Experiment, windeltragende Zuschauer zu unterhalten, sind indes rundum positiv – „angefangen bei den Kollegen, die natürlich die Kleinen total süß fanden, über die Erzieherinnen, die Kinder und Berufsschüler, die die Vorstellung besucht haben, bis hin zum Schauspieler“, sagt Katja Dittmann, Dramaturgin am Theater Hameln. Die Nachfrage nach Karten für die beiden Aufführungen sei groß gewesen. So groß, dass schon jetzt darüber nachgedacht wird, „in der nächsten Spielzeit wieder ein Stück für Kinder ab anderthalb Jahren ins Programm zu nehmen“. Dann auch mit einer Nachmittagsvorstellung für die Familien. Der Versuch am Theater ist geglückt. Auch wenn einiges anders war als sonst: Zum Beispiel wurde mit den Erzieherinnen der Krippen vorab geklärt, wie die Vorstellung abläuft und dass die Kinder auch währenddessen leise sprechen dürfen.

Darüber, dass es eine „neue und ausgesprochen spannende Aufgabe“ ist, Theater für diese Altersgruppe zu machen, ist man sich auch am Braunschweiger Theater Fadenschein einig. Gelohnt hat sich das Wagnis für das Ensemble: Unter 61 freien Theatern ist es für „Tür auf, Tür zu“ von der Stiftung Niedersachsen ausgezeichnet worden. „Die Produktion besticht durch einfache und entschiedene Situationen, der auch kleinste Zuschauer gut folgen können“, heißt es in der Jury-Begründung.

Knapp 20-mal öffnet Michael Nöck Gebhardt-Seele Türen – und lüftet Geheimnisse. Foto: Theater



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