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Pianistin Magdalena Müllerperth spielt zur Einweihung des neuen Instruments

Wie das Theater „beflügelt“ wird

Hameln. Man sagt, er habe 100 Jahre auf dem Buckel gehabt. Fest steht jedenfalls, dass die Jahre nicht spurlos an ihm vorübergegangen waren. Gerissener Resonanzboden, klemmende Tasten und viele andere Macken ließen den Ruf nach Ersatz für den alten Bechstein-Flügel im Theater immer lauter werden. Schon lange war er ausgelagert worden und wurde durch geliehene „Kollegen“ aus Hannover kostenträchtig ersetzt. Ein eigens angeschafftes E-Piano erwies sich als nur unzureichender Ersatz.

veröffentlicht am 09.12.2013 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 12:41 Uhr

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Autor:

Ernst August Wolf
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„Wir müssen das Theater neu beflügeln“, das war der Wunsch der Intendantin Dorothee Starke. „Ein Flügel gehört einfach zur Grundausstattung eines Theaters. Bei uns in Hameln allemal, denn er wird für zahlreiche Veranstaltungen benötigt; von den großen Klavier-Solokonzerten über Cross-Over-Veranstaltungen wie ,Classic meets Cuba‘ bis hin zu Traute Römisch oder den Pädagogian Harmonists. Also: guter Flügel, gutes Haus. Ganz einfach.“

Vor drei Jahren fasste Starke dann den nötigen Mut und fand im Vorstand der Freunde des Theaters Unterstützung für ihre Pläne. Zusammen mit dem Vorsitzenden der Theaterfreunde, Norbert Esser, und unterstützt durch die Werbeagentur von Kathrein Bönsch wurde eine Strategie entwickelt, wie durch diverse Aktionen das Geld für den „Neuen“ aufgebracht werden könnte. Esser erinnert sich: „Das reichte von Hämmerchen und Tasten, die verkauft wurden, über Flyer und Broschüren bis zu einem ,Spend-o-Meter‘, an dem die Besucher den Fortschritt der Flügelsammelaktion verfolgen konnten.“

Über die Bereitschaft vieler Hamelner, ihr Theater zu „beflügeln“, ist Starke überaus glücklich. „Einfach großartig. Natürlich gab es auch Phasen, in denen es kaum voranging, aber dann kamen immer wieder neue Ideen und Aktionen wie die von Traute Römisch, die neues Geld in die Kasse spülten.“ Starke: „Rund zwei Drittel des Kaufpreises von 59 000 Euro sind durch Spenden auf diese Weisen zusammengekommen, die Stadt hat nun dem restlichen Drittel zugestimmt.“ Die Anschaffung sei eine „Zukunftsinvestition“, so die Theaterchefin.

Beim „Neuen“ handelt es sich um ein Ausstellungsstück aus der weltbekannten Firma Grotrian Steinweg aus Braunschweig, die den Hundertjährigen in Zahlung genommen hat. Starke stellt klar: „Das ist kein Gebrauchtflügel, sondern das Instrument ist erst ein halbes Jahr alt. Man muss sich darüber klar sein, dass wir so ein hochwertiges Instrument für diesen Preis nicht bekommen konnten. Ein nagelneuer hätte 88 000 Euro gekostet.“

Am 20. Februar besuchten der Freundeskreis und Gäste die „Grotrian-Steinweg Pianofortefabrikanten“. Esser: „Ein echtes Highlight. Bei der Führung durch das Werk konnte man sehen, dass alles wirklich Handarbeit ist. Jede Saite wird von Hand mit Kupfer umwickelt, jedes Hämmerchen mit Nadeln aufgepickt, der Lack tagelang poliert. Da merkt man, woher der Preis kommt.“

Vor drei Jahren hatten die 120 Mitglieder des Vereins der Theaterfreunde als Finanzierungsziel einen Betrag von 15 000 Euro plus X ins Auge gefasst. Esser: „Vor wenigen Wochen konnten wir als Verein dem Theater nun den stolzen Betrag von 36 000 Euro zur Verfügung stellen und haben damit unser selbst gesetztes Ziel deutlich übertroffen. Darauf sind wir mit Recht stolz.“

Grund für die Theaterleute, das neue gute Stück mit allergrößter Sorgfalt zu behandeln. Die beiden Theatertechniker Stefan Greve und Thorsten Melchert haben eigens eine „Flügelgarage“ auf der rechten Seitenbühne gebaut. Einen stabilen, verschweißten Rahmen mit einem abschließbaren doppelflügeligen Tor und einem massiven Holzgehäuse. Wie in einem Humidor wird sogar die Luftfeuchte mit einem entsprechenden Instrument regelmäßig kontrolliert.

Am kommenden Sonntag um 18 Uhr kann der neuen Flügel dann vom Hamelner Publikum begrüßt werden. Die 1992 in Pforzheim geborene Pianistin Magdalena Müllerperth, mit über 35 nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet, wird das Instrument mit einem Solokonzert feierlich einweihen. Auch dann aber gibt es für Spender natürlich noch einmal die Möglichkeit, die Finanzierung des Theaterflügels zu unterstützen.

Bühnentechniker Felix Schocke bringt den neuen Flügel des Theaters auf Hochglanz. Am Sonntag wird er eingeweiht.Wal



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