weather-image
12°
Stadt stellt Auslobungstext für Linsingen-Projekt vor

Wettbewerb: So könnte der Quartierspark gestaltet sein

HAMELN. Das Kasernengelände bietet reichlich Platz für Ideen – in einigen Jahren soll dort neben Schulen und anderen Gebäuden ein Quartierspark entstehen, der die verschiedenen Ziele auf dem Areal miteinander verbindet und es durch Wege durchlässig macht. Die Stadt will deshalb einen Wettbewerb ausloben, an dessen Ende ein Konzept für eine vielfältige Nutzung steht.

veröffentlicht am 07.08.2018 um 16:28 Uhr
aktualisiert am 07.08.2018 um 19:00 Uhr

Schattige Plätze unter altem Baumbestand, Flächen zum Lernen, Liegen, Miteinanderreden, Sein, Klettern und gärtnern. Das Konzept für die Linsingen-Kaserne soll möglichst vielen Ansprüchen gerecht werden. Vor allem soll es ein lebendiges Areal werden.
Birte Hansen

Autor

Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Zu Fuß durch den Quartierspark auf dem einstigen Kasernengelände zu schlendern oder mit dem Fahrrad oder einem Rollstuhl durchzufahren – natürlich geht das. Alles barrierefrei, mit Blick auf den demografischen Wandel und Inklusion. Doch neben den dafür vorgesehenen, selbstverständlichen Wegeverbindungen zwischen den verschiedenen Gebäuden soll es auch besondere Angebote für Sportskanonen geben: Hindernisse für Parkour und Stationen für Calisthenics (ausgesprochen Kälis-thänics mit englischem th), an denen fitte Schüler, Anwohner, Passanten trainieren und über die sie springen und klettern können.

Diese Elemente möchte die Hamelner Stadtverwaltung neben vielen anderen für das Herzstück des Linsingen-Geländes umgesetzt wissen – wie genau das aussehen könnte, steht am Ende eines Wettbewerbs, für den jetzt die Auslobungsunterlagen vorliegen.

20 Teilnehmer können die Herausforderung annehmen, die fast 23 500 Quadratmeter zwischen Süntel-, Basberg-, Mollerstraße und Löhner Bahn zu überplanen. Fünf Landschaftsarchitekten möchte die Verwaltung selbst setzen, so dass noch Platz für 15 weitere Planungsbüros ist. Das ausgelobte Preisgeld beträgt 22 500 Euro für den ersten Platz, 13 500 für den zweiten, 10 000 Euro für den dritten Platz. Daneben stellt die Stadt 9000 Euro für Anerkennungen zur Verfügung.

Das Offiziersgebäude ist eines von drei Kasernenbauten, das der British German Club erhalten möchte. Foto: Dana
  • Das Offiziersgebäude ist eines von drei Kasernenbauten, das der British German Club erhalten möchte. Foto: Dana

Die Aufgabe lautet im Kern: „Diesen Quartierspark so zu entwerfen, dass er für die künftigen Nutzer im Quartier aber auch die Bewohner angrenzender Wohnquartiere ein im Alltag intensiv nutzbarer Lebensort wird.“ Schattige Plätze unter altem Baumbestand, Flächen zum Lernen, Liegen, Miteinanderreden, Sein – klingt fast wie ein zweiter Bürgergarten, der auf dem noch weitgehend versiegelten Gelände der Nordstadt entstehen kann.

„Der Baumbestand soll möglichst erhalten bleiben“, schreiben die Stadtplaner vor: Von den 36 Bäumen, die auf dem Gelände entlang der Süntelstraße und rund um den Exerzier- und den Sportplatz wachsen, wurden 22 als erhaltenswert, teils sehr erhaltenswert und „gleichzeitig verkehrssicher“ eingestuft. Ein Dogma ist der Erhalt der Bäume aber nicht, wie der Auslobungstext offenbart: „Wenn ein Baum entwurfsbedingt nicht erhalten werden kann, soll eine Ersatzpflanzung vorgesehen sein.“ Welche Pflanzen zum Zuge kommen sollen, ist grob definiert: robust und pflegearm, „Vegetation im Sinne der Klimaanpassung“.

Information

British German Club: „Offener Brief hat überragende Resonanz erfahren“

Der British German Club legt nach. Auf den offenen Brief, den der Hamelner Verein vor anderthalb Wochen für den teilweisen Erhalt der ehemaligen Linsingen-Kaserne an den Oberbürgermeister und den Rat der Stadt Hameln gerichtet hatte (wir berichteten), habe der Club „eine überragende Resonanz erfahren“. Die Angelegenheit sei nun „in aller Munde“. „Wir erhielten viele Rückmeldungen, alle durchweg positiv, sowie vielfach auch so ermunternd, dass wir uns für den Erhalt weiter stark machen mögen“, schreibt Vorstandsmitglied Thomas Haeckel in einer neuen Pressemitteilung. Der British German Club (BGC) habe daher eine Liste von Ideen zusammengestellt – darunter auch bereits im Vorfeld geäußerte –, die zur weiteren Diskussion gestellt werden sollen:

  • Für den Erhalt spreche, dass es sich um stadtteilprägende Gebäude handele.
  • Wie gehen Stadtverwaltung und Politik mit dem „Erbe der Stadtidentität“ um?
  • Kann ein „Gutachten zur Bewertung der Bausubstanz“ beitragen?
  • Wie groß ist der „Zeitraum für die Erarbeitung und Vorlage der Folgenutzung“?
  • Könnte „Öffentlich-private Partnerschaft“ eine Option sein?
  • Gibt es „Folgemieter/-nutzer“? Als Beispiele verweist der BGC etwa auf das ehemalige Kasernengelände „Europaviertel“ in Wiesbaden und die Nachnutzung eines Stabsgebäudes in Wentorf im Landkreis Gifhorn.

Wie angekündigt, hat inzwischen ein Treffen zwischen Oberbürgermeister Claudio Griese, Stadtbaurat Hermann Aden und Vertretern des Vorstands des BGC stattgefunden, das Thomas Haeckel auf Anfrage als „aufschlussreich“ und „produktiv“ bezeichnet. Der OB habe erneut darauf hingewiesen, dass es durchaus eine Option sei, die strittigen Gebäude zu erhalten, wenn denn die Politik so entscheidet. pk

Auch das Prädikat „essbare Stadt“ könnte auf dem Gelände Programm werden, zumindest schlägt die Verwaltung vor, Nutzpflanzen wie Kräuter, Beerensträucher und Obstbäume einzubinden. Wer sich vollgefuttert hat, kann im Anschluss sein persönliches Fitness-Training an den erwähnten Parkour- und Calisthenics-Stationen starten. Hinter Calisthenics verbergen sich Übungen, die nur mit Eigengewicht teils an Stangen absolviert werden, zum Beispiel Liegestütz und Klimmzüge. Beim Parkour springen, klettern und balancieren die Sportler (Traceure genannt) über Hindernisse. Vorgeschlagen werden von den Stadtplanern Mauern mit schrägen Winkeln, Kletterwände, Fenster zum Durchspringen.

Für Wege, offene Plätze, Fahrradstellplätze, Bänke, Poller – die Stadt hegt den Anspruch, dass die Landschaftsarchitekten auf „hochwertige Gestaltung“ und „möglichst wenig Pflegeaufwand“ setzen. Darüber, wer mit seinen Vorschlägen den Nagel auf den Kopf trifft, will am 5. März 2019 ein Preisgericht entscheiden, das sich aus neun Fach- und Sachpreisrichtern zusammensetzt. Hinzu kommt ein Sachverständiger als Berater.

Bevor die Unterlagen ab 11. Oktober an Planungsbüros verschickt werden, muss der Rat grünes Licht geben. Am Donnerstag, 9. August, befasst sich zunächst der Stadtentwicklungsausschuss damit. Er tagt ab 16 Uhr im Energietreff der Stadtwerke.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt