weather-image
22°
Stadtrat Aden zur geplanten Werder-Bebauung

Werderpläne stoßen auf Kritik

HAMELN. Kaum waren die Pläne für die Werderbebauung veröffentlicht, ließen die Kritiker ihrer Meinung freien Lauf: Vom „schlechten Scherz“ und von „hässlich“ ist in Online-Kommentaren die Rede. Davon, dass sich das Gebäude „harmonisch einfügt wie ein Holzhammer“, und einige User bedauern, dass dort „nur Büros“ entstehen statt eines Hauses, das der Öffentlichkeit nützt. Für die Eigentümerin des Geländes, die Stadtwerke, waren fünf Kriterien bei dem Investoren-Wettbewerb entscheidend.

veröffentlicht am 22.06.2018 um 10:31 Uhr
aktualisiert am 22.06.2018 um 16:10 Uhr

Wie sich die Einfahrt nach Hameln neben der Münsterbrücke künftig präsentieren könnte, gefällt nicht allen. Entwurf: fsvs-architekten
Birte Hansen

Autor

Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Außerdem wäre eine „Beachbar“ mit Zugang zur Weser schön gewesen oder auch einfach nichts und überhaupt ist „dafür noch Geld“ da. Die positiven Äußerungen bei Facebook sind an einer Hand abzählbar. Dass das nicht repräsentativ ist – unbestritten. Trotzdem gehen wir der von einigen implizit gestellten Frage nach „Wie kann Stadt nur…?“

Zunächst: Die Stadt in Form von „Stadtverwaltung“ einerseits und „Rat“ andererseits hatte mit diesem Grundstück, dem „Filetstück“, wie es einige nennen, nur bedingt zu tun. Eigentümerin sind die Stadtwerke, die einen Wettbewerb ausgelobt hatten, um einen Investor zu finden. Dabei wurden die Stadtwerke von den Stadtplanern begleitet. Fünf Kriterien waren bei dem Wettbewerb maßgebend:

  • Der Kaufpreis,
  • die Erschließung des Grundstückes musste sichergestellt sein,
  • der verbliebene Altbau sollte in den Entwurf einbezogen werden,
  • das Projekt sollte Arbeitsplätze sichern oder schaffen und innerstädtischen Wohnraum bereitstellen, und
  • der Entwurf musste sich nach „Art und Maß der Nutzung, der Bauweise und der überbaubaren Grundstücksfläche in die Eigenart der näheren Umgebung eingliedern“.

Allen voran der letzte Aspekt ist auch in Paragraf 34 des Baugesetzbuchs festgeschrieben. Dort ist geregelt, unter welchen Bedingungen ein Vorhaben auf einer Baulücke zulässig ist. Wenn für das entsprechende Grundstück kein Bebauungsplan vorliegt (und auch nicht aufgestellt werden soll), kann ein Entwurf einfach von der Bauaufsichtsbehörde genehmigt werden.

Im Fall der Werderbebauung hat die Verwaltung dem zuständigen Ausschuss im Oktober in nicht-öffentlicher Sitzung die Pläne des Unternehmers Christoph Kerstein vorgelegt. Die Frage „wollt ihr einen B-Plan aufstellen“ ist laut Stadtbaurat Hermann Aden von den Politikern verneint worden. Eine Notwendigkeit, einzugreifen, „wurde weder fachlich noch politisch gesehen“.

Wären die Pläne auf Widerstand gestoßen, weil das Gebäude den Kriterien nicht entsprochen hätte – weil viel zu hoch oder mit spiegelnder Glasfassade zum Beispiel –, dann hätten die gewählten Vertreter der Hamelner sich entscheiden können, einen Bebauungsplan aufstellen zu lassen, um ein Objekt, das völlig aus der Reihe tanzt, zu verhindern oder zu ermöglichen. Wäre es gewollt und über einen B-Plan abgesichert, „könnte dort auch der Eiffelturm stehen“, überspitzt Aden, was möglich wäre. Angesichts des vorgelegten Gebäudes haben sie sich für grünes Licht ohne B-Plan entschieden. Das war vor sechs Jahren anders.

Als Fritz-Eckard Sticher als potenzieller Investor seine Ideen für das Gelände des alten Turbinenhauses präsentierte, kündigte der Rat sinngemäß an: „Wenn das so kommen soll, dann wollen wir einen B-Plan!“ Sticher selbst warf letztlich das Handtuch und verfolgte seine Pläne nicht weiter.

Doch selbst, wenn die Art der Bebauung über einen entsprechenden B-Plan geregelt werden soll, der während des Verfahrens der Öffentlichkeit zum Mitsprechen und Einwirken vorgelegt wird, kann der nicht alles vorschreiben. „Gestalterische Elemente“ fallen raus, wie Aden sagt. Auch wird das Kriterium „schön“ im B-Plan nicht näher definiert und unterliegt somit stets dem subjektiven Empfinden. Mit Blick auf die Adresse Inselstraße 1 fragt Aden: „Was wäre denn die Alternative gewesen? Brache?“ Das wäre in seinen Augen die schlechtere Variante gewesen. Es halte sich zurück, es dominiere nicht, findet Aden. Die Stadt könne jetzt froh sein, dass Kerstein dort investiert.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Mehr Artikel zum Thema
Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare