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Politik beauftragt Verwaltung mit Erstellung einer Mustersatzung

Werden in Hameln bald alle wildlebenden Katzen zwangskastriert?

Hameln (HW). Die Verwaltung ist zwar der Meinung, dass die Rattenfängerstadt von einer Katzenplage weit entfernt ist, doch geht es nach Darstellung der Politik, bedrohen gerade die in freier Wildbahn lebenden Tiere Flora und Fauna. Und das sollen nicht wenige sein. „Die Population ist beängstigend“, erklärte Waltraud Mehring jetzt vor dem Ausschuss für Recht und Sicherheit. Die Sozialdemokratin begründete damit einen Antrag ihrer Fraktion zur Erarbeitung einer Satzung, die eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für wildlebende Katzen zum Ziel haben soll. „Auch Tierschutz- und Katzenschutzorganisationen sehen dringenden Handlungsbedarf zum Schutz von Tier und Mensch“, erläuterte die Afferderin das SPD-Papier.

veröffentlicht am 10.11.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 05:41 Uhr

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„Wir haben uns schon eine Mustersatzung besorgt, die wir auf Hameln umschreiben werden“, erklärte Dieter Schur und versicherte, dass das mit wenig Verwaltungsaufwand verbunden sei. Allerdings betonte der Fachbereichsleiter Recht und Sicherheit, dass diese Verordnung nur Sinn mache, wenn auch andere Kommunen über eine solche Satzung verfügten. Deshalb sei angedacht, im Jahr 2013 einen gleichlautenden Vertrag mit allen Städten und Gemeinden des Landkreises Hameln-Pyrmont zu schließen. Allerdings sei das dann auch mit Kosten verbunden. Die Zahl der in Hameln in freier Wildbahn lebenden Katzen vermochte Schur nicht zu nennen. „Wer soll die denn zählen“, fragte er in Richtung Politik zurück. Auch auf die Frage, was denn die Kastration einer herrenlosen Katze koste, konnte der Fachbereichsleiter keine Antwort geben. Er betonte jedoch, dass es für die Stadt keinerlei Chancen gebe, das verauslagte Geld zurückzubekommen: „Von wem denn auch? Die Katzen gehören ja niemandem, und wenn sie Besitzer hätten, wären sie ja nicht wild.“ Laut Schur sei es aber nur noch eine Frage der Zeit, dass auch Katzen erfasst und mit einem Chip ausgestattet werden.

Wenngleich Julia Maulhardt die Kastration wildlebender Katzen „moralisch bejaht“, hegt die Grünen-Politikerin Zweifel an der Umsetzbarkeit. „Fast jede Katze läuft mal frei rum. Müssen die Besitzer dann damit rechnen, dass das Tier weggefangen und kastriert wird?“, wollte sie wissen. Doch auch auf diese Frage weiß die Verwaltung noch keine Antwort. „Heute geht es lediglich darum, über den Antrag auf eine Satzung abzustimmen und die Zahl dieser Tiere in Erfahrung zu bringen. Alles andere muss dann zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden“, erinnerte Stadträtin Gaby Willamowius an den Ursprung der Diskussion. Die Politik beauftragte letztlich bei einer Gegenstimme die Verwaltung, zunächst einmal eine entsprechende Mustersatzung auszuarbeiten und dann dem Ausschuss zwecks weiterer Beratung vorzulegen. Nicht erörtert wurde, warum wildlebende Katzen überhaupt kastriert werden müssen und was für Schäden sie eigentlich anrichten. Antworten auf diese Fragen gab gestern auf Anfrage Christine Barner. „Katzen sind Jäger. Sie jagen nicht nur Mäuse, sondern auch Siebenschläfer oder andere Tiere und rauben Nester aus. Folge: Die Zahl der Kleinnager und Singvögel geht zurück“, begründete dies die Leiterin Ordnung und Straßenverkehr im Hamelner Rathaus. Und weil sich wildlebende Katzen auch unzureichend um den eigenen Nachwuchs kümmerten, müsste dieser oft elendig und qualvoll verenden.

Die Zahl der in Hameln verwildert lebenden ehemaligen Stubentiger beziffert Barner unter Verweis auf das Veterinäramt des Landkreises mit „etwa 50“. Sie weiß auch zu berichten, dass Eigentümer von weiblichen Katzen ihre Tiere in aller Regel kastrieren lassen, um nicht mit Nachwuchs überschüttet zu werden. „Besitzern von Katern ist es hingegen oft egal, wie viele Kinder ihre Tiere in die Welt setzen“, weiß die Verwaltungsangestellte, die Hamelnern dringend abrät, wild lebende Katzen zu füttern. „Die oft schimmeligen Essensreste ziehen Ratten und andere Schädlinge an“, begründet sei.

Ob Hamelner Katzenbesitzer, die ihre Tiere auch mal frei in die Gegend ziehen lassen, künftig damit rechnen müssen, dass sie seitens der Stadt eingefangen und zwangskastriert werden, vermag Barner nicht zu sagen: „Über die Praxis haben wir uns im Rathaus noch keine Gedanken gemacht.“

Wildlebenden Katzen soll es an den Kragen gehen: Die Politik erwägt eine Zwangskastration dieser Tiere.

Foto: Bilderbox



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