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Wer Windkraft sät, wird Widerstand ernten

veröffentlicht am 11.03.2010 um 15:32 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:36 Uhr

Hameln (gro). Die Kraft des Windes erzeugt heutzutage nicht nur elektrische Energie, sondern zunehmend auch menschlichen Widerstand. Denn fast überall dort, wo die hohen Masten mit den riesigen Propellern aus dem Boden wachsen sollen, entsteht bei Anwohnern ein Sturm der Entrüstung. Das bemerkt auch Hamelns Stadtverwaltung. Nach gut einem Jahr, in dem 23 mögliche Standorte geprüft und diskutiert wurden, hat sie nun drei Flächen für die Windenergienutzung ausgewiesen. Es handelt sich um den „Lietberg“ nordwestlich von Hilligsfeld sowie Areale südwestlich und südöstlich von Haverbeck. Dort ist unter anderem das Vorkommen von Brutvögeln und Fledermäusen untersucht worden. „Aus artenschutzrechtlichen Gründen muss keiner der untersuchten Standorte herausfallen, auch wenn es durchaus Vorkommen gefährdeter Arten gibt“, heißt es hierzu in einem Papier der Stadt. Der Ausweisung der genannten Flächen liegt die Empfehlung eines Gutachters zugrunde. Die Windräder sind dort mindestens 750 Meter von der Wohnbebauung entfernt. Auf den Vorrangflächen dürfen Investoren Windkrafträder mit einer Höhe von mindestens 150 Metern errichten. „Außerhalb der im Flächennutzungsplan dargestellten Vorranggebiete sind andere Standorte für Windenergieanlagen im Stadtgebiet dann ausgeschlossen,“ heißt es in der Vorlage für die Kommunalpolitiker. In acht Ortsratssitzungen stand das Thema jetzt auf der Tagesordnung. Zumeist wurde der Sachstandsbericht „zur Kenntnis“ genommen – und dies nach Auflösung der infrage kommenden Flächen hier und da mit Erleichterung. Kontroversen über die Ausweisung der Flächen zur Windenergienutzung gab es in den letztlich betroffenen Orten Haverbeck, Halvestorf und Hilligsfeld. Mancher Politiker versuchte den Spagat zwischen der „selbstverständlich erwünschten umweltfreundlichen Energiegewinnung“ und der Ablehnung eines Standortes in der Nachbarschaft. „Warum weist die Stadt die Gebiete aus?“ fragten Bürger in Haverbeck. „Weil eine Windkraftanlage ein privilegiertes Bauvorhaben ist. Wenn wir die Flächen nicht ausweisen, ist der Bau überall möglich,“ erläuterte Stadtplanerin Michaela Klank. Werde ein Vorranggebiet „gekippt“, könne jeder Landbesitzer einen Einzelantrag auf Bau einer Windkraftanlage stellen; die Stadt habe dann keinerlei Einfluss mehr auf den Bau der „Windmühlen“ auf anderen Flächen. Dann reiche auch ein Abstand von 350 Metern zur Wohnbebauung. Ausdrücklich gegen Windräder in der Nähe von Haverbeck sprach sich Ortsratsmitglied Manfred Maihöfer (SPD) aus. Im Westen seien bereits die Anlagen bei Hemeringen gut auszumachen – „und dann hier auf dem Berge noch 150 Meter drauf – nein!“ Der Schlagschatten der Anlagen könne bis zu fünf Kilometer weit reichen, Geräuschbelästigungen seien auch zu befürchten. Maihöfer befürchtet, dass sich unter diesen Umständen niemand mehr für die ausgewiesenen Neubaugebiete interessieren wird. „Ich würde lieber hundert Windkrafträder als ein Atomkraftwerk bauen, aber in Haverbeck geht das gar nicht.“ Im Raum war zu hören: „Aha, wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass.“ In Halvestorf eröffnete Ortsbügermeister Hartmut Binder (SPD) die Sitzung im vollen Saal mit dem Satz: „Wir wären froh, wenn bei jeder Ortsratssitzung nur die Hälfte der heute anwesenden Bürger da wären.“ Am geplanten Standort würden die Windräder das Landschaftsbild wie Leuchttürme wesentlich beeinträchtigen, meinten die Politiker des Dorfes. Zudem würden das Waldbad und der Campingplatz an Attraktivität verlieren. Ortsratsmitglied Volker Brockmann (SPD) argumentierte. „An dem Standort haben wir Bedenken, obwohl wir auch einsehen, dass die Erneuerbaren Energien zu fördern und voranzubringen sind. Wir brauchen die Windenergie, aber mit und nicht gegen die Bevölkerung.“



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