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Der stellvertretende Amtsgerichtsdirektor Scholz geht

„Wer richten will, muss zuhören können“

HAMELN. Rolf Scholz spricht leise, wirkt zurückhaltend und überhaupt nicht wie ein strenger Richter. Nach mehr als 30 Jahren am Hamelner Amtsgericht geht der Jurist Ende des Monats in den Ruhestand. Der Präsident des Landgerichts aus Hannover wird eigens zu diesem Anlass nach Hameln kommen, um Scholz die Urkunde persönlich zu überreichen. „Eine ganz besondere Geste der Anerkennung“, so Dr. Herbert Seutemann, der amtierende Direktor des Hamelner Amtsgerichts.

veröffentlicht am 23.06.2017 um 14:36 Uhr
aktualisiert am 24.06.2017 um 13:11 Uhr

Amtsrichter Rolf Scholz geht Ende des Monats in den Ruhestand. Foto: eaw
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Ernst August Wolf Reporter
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„Als Schüler habe ich Fremdsprachen besonders gerne gehabt“, erinnert sich Scholz, der 1973 sein Abitur am Schillergymnasium gemacht hat. Mit Sprache und logischen Argumenten zu Entscheidungen zu kommen, das habe ihn an der Juristerei besonders interessiert. 1980 legte Scholz dann nach der ersten Phase des zweiteiligen Studiums sein erstes Staatsexamen ab. Der Einstieg in eine bemerkenswerte juristische Karriere.

„Die war als Familien-, Betreuungs- und Zivilrichter überaus abwechslungsreich“, so Scholz rückblickend. Während sich die Streitfälle um die etwa durch Verkehrsunfälle verursachten Schadensausgleiche und Auseinandersetzungen um Mietsachen mitunter sehr komplex darstellten, griffen, so Scholz, „Familiensachen stärker ins Leben ein“. Gerade Sorgerechtsentscheidungen habe er „geistig oft mit nach Hause genommen“.

Richter seien heutzutage alles andere als einsame Entscheider. „Rolf Scholz ist ein Teamplayer durch und durch“, bestätigt auch Seutemann. Grundvoraussetzung sei es, zuhören zu können. „Wer richten und schlichten will, der muss zuhören und verstehen“, charakterisiert Scholz die Haupteigenschaften eines erfolgreichen Richters. Ein Beruf, der zwar viele Freiheiten und Unabhängigkeit biete, doch auch eine gewaltige Aktenlast, die es abzuarbeiten gelte. „Da kommen leicht 30 000 Akten zusammen“, rechnet Seutemann vor. In 30 Jahren hat sich Rolf Scholz jährlich durch mehr als 40 Aktenmeter durchgearbeitet. „1200 Meter in meiner Amtszeit“, schmunzelt er. Auf weniger als 40 Wochenstunden sei er dabei nie gekommen. Trotz Digitalisierung häufen sich bei Gericht noch immer die Aktenberge aus Papier. „Computereinsatz ja, auch Diktiergeräte und Spracherkennung, und ab dem kommenden Jahr wird auf elektronischen Rechtsverkehr umgestellt, die elektronische Akte aber wird erst 2020/21 kommen.“

Die personifizierte Bibliothek

Der Verfahrensablauf eines Zivilprozesses sei während seiner Amtszeit wesentlich kommunikativer geworden. „Wo früher nur Anwälte und Richter verhandelten, da werden heute die Parteien mit einbezogen“, erklärt Scholz.

Dass trotzdem Recht und Gerechtigkeit nicht immer vollständig zur Deckung gebracht werden können, ist Scholz und Seutemann bewusst. „Es gibt schon Einschränkungen durch Verfahrensregelungen wie Beweislast und Fristsetzung.“

Rolf Scholz ist die personifizierte Bibliothek des Hamelner Amtsgerichts. „Sein Wissen über Fälle und Entscheidungen ist enorm“, würdigt Seutemann seinen Kollegen. „Seine Erfahrungen und außergewöhnlichen Kenntnisse hat er uns immer gerne zur Verfügung gestellt. Ein neues juristisches Standardwerk allerdings hat der sich in den Ruhestand verabschiedende Scholz nicht ins Auge gefasst. „Urlaub, Freizeit, Reisen“, so lauten seine Pläne. Seine Kollegen aber sind sich sicher, dass Richter Rolf Scholz ihnen bei der einen oder anderen Entscheidung fehlen wird. Seine offizielle Entlassungsurkunde erhält Scholz am Donnerstag, 29. Juni.

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