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7000 Läufer mit viel Spaß auf dem Eis

Wer kalte Füße bekommt, nimmt einen Pinguin

Hameln. Konny steht reglos rum, Loredana-Blue gleitet erhobenen Hauptes dahin, Marvin rasselt im selben Moment gegen die Bande, bleibt mit starrem Gesicht stehen und glotzt mit großen Augen zu den anderen herüber. Ansonsten sind die rund ein Meter großen Pinguine zuverlässige Gefährten, denn ohne sie lägen die Kinder reihenweise auf der Nase.

veröffentlicht am 23.02.2011 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 02:41 Uhr

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Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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1200 bis 1500 Besucher schlittern an manchem Tag über die Eisfläche im Bürgergarten. Elegant, unsicher, kreischend, lachend. Egal, wie – wer sich auf dieses einbruchsichere Eis begibt, geht mit bester Laune wieder runter, nicht aber unbedingt trocken. Bei minus 8 Grad kommt nämlich jeder, der’s noch nicht kann, ins Schwitzen, jeder der’s kann, bei entsprechendem Tempo und Pirouettenversuchen oder gewagten Axel-Experimenten auch. Bis 13 Uhr gehören die 900 Quadratmeter Eis den Schulklassen der Umgebung, die begeistert sind von dieser ganz anderen Art des Sport- und Sozialunterrichts. Und selbst Lehrer sind von dem, was ihre Klassen ihnen präsentieren, überrascht.

„Klasse“ sei es, welches Sozialverhalten die Kinder untereinander an den Tag gelegt hätten, sagt Lehrerin Annika Henning von der Hamelner Theodor-Heuss-Realschule über den außergewöhnlichen Wandertag. So konnte Marius Gorzalka (11) bei Ankunft wohl Schlittschuh schreiben, aber noch keinen Meter fahren. Nach zwei Stunden sieht das völlig anders aus, dank Pinguin, den es für einen Euro pro Stunde gibt, und dank unentgeltlichem Begleitservice von Klassenkamerad Kevin Friesen (12). „Die Kinder haben sich alle gegenseitig geholfen“, erzählt Sportlehrerin Annika Henning. Ohne Druck, ohne Auslachen, ohne Hänseln. Berufskollege Dieter Kölkebeck, der früher an der Grundschule Kirchohsen unterrichtet hat, ist ebenfalls angetan von den Lernerfolgen: „In einer halben Stunde können die fahren!“ Von wegen, Kinder mutierten allesamt zu Bewegungsverweigerern …

Hand in Hand, rückwärts, langsam vorwärts, gekonnt im Sprung umgedreht – nicht schlecht, was die Elf- bis 14-Jährigen an diesem Vormittag präsentieren. „Wer Inlineskates fahren kann, kann auch Schlittschuhlaufen“, ist die Meinung. Die meisten laufen mit den blauen Leihschlittschuhen, nur vereinzelt sind die eigenen an die Füße geschnallt. „Am Wochenende hatten wir kein einziges Paar mehr“ in den Holzregalen stehen, erzählt Nils Hoffbauer von der Agentur interevent, die sich um den Betrieb der Eisbahn kümmert. Inzwischen wurde von 250 Paaren auf 300 Schlittschuhe aufgestockt. Die größte Eisbahn, für die Hoffbauer bislang gearbeitet hat, war in Magdeburg, die beliebteste offenbar in der Hansestadt Lübeck. „Da wurden täglich 2000 Leute durchgeschleust“, erzählt er. Stress hat Hoffbauer nicht, sagt er, auch nicht mit den geräuschreichen, tobenden Schulkindern. Nur ihnen hinterherzuräumen, sprich, ihren Müll einzusammeln, ist weniger schön. Andere Hinterlassenschaften dagegen werden aufgehängt.

Hand in Hand geht’s manchmal eben doch am besten. Das Eis wird mehrmals täglich abgefräst, damit es schön glatt bleibt. Wenn aber viele auf Kufen ihre Runden drehen, lassen sich die Rillen im Eis nicht vermeiden. Foto: Dana

Rund 20 Paar Handschuhe baumeln an einer Leine im Zelt, in dem die Schuhe an- und ausgezogen werden. „Vergessen“, sagt Hoffbauer über die bunte Reihe. Wieder abgeholt würde nichts. Nach dem 11. März, wenn die Schlittschuhsaison in Hameln endet und die Stadtwerke die Eisbahn wieder abbauen lassen, kommen die Handschuhe voraussichtlich dem DRK zu.

Hoffbauer passt auf, dass jeder Eintritt zahlt, für die treuen Pinguine Pfand da lässt und dass jeder seine Schlittschuhe wieder abgibt. Das Geschehen auf der Eisbahn selbst fällt nicht in seinen Verantwortungsbereich, einen Eisbahn-Meister am Rand gibt es nicht. „Jeder fährt auf eigenes Risiko“, so Hoffbauer. Passiert sei aber noch nicht viel. Nur von einem gebrochenen Arm habe er etwas mitbekommen, ansonsten hätten die Gäste wohl lediglich ein paar Prellungen und blaue Flecken als Andenken mit nach Hause genommen. So, wie Marius, der sich an die Außenseite des Knies fasst. Immer mal wieder legt sich jemand lang, „oh“, „aua“, „Mist“ gehören in diesen Tagen als Geräuschkulisse im Bürgergarten dazu. „Toll, spitze, klasse“, heißt das Fazit der Besucher, und auch die Mitarbeiter vom Catering-Service haben Spaß. „Schöne Arbeit – das ist mal was anderes“, sagt Ramona Kroker, die vor allem am Wochenende alle Hände voll zu tun hatte. „90 Kilogramm Pommes und 200 Liter Warmgetränke“ haben sie allein am Sonntag herausgegeben.

Auch Susanne Treptow ist zur Halbzeit sehr zufrieden mit der Resonanz auf das Bonbon der Stadtwerke an die Hameln-Pyrmonter. „Über 7000 waren schon da, aber das Wetter hat uns ja auch schön in die Hand gespielt“, sagt die GWS-Geschäftsführerin. Gerade die Schulen nähmen das Angebot gut an, und auch die Plätze fürs Eisstockschießen seien schnell weg gewesen. Im nächsten Jahr gibt’s also wieder eine Eisbahn im Bürgergarten? „Ja, wir wären schon bereit, das noch einmal zu machen, wenn sich andere Sponsoren daran beteiligen“, erklärt Treptow.

Dieter Kölkebeck würd’s freuen. Und Kevin. Und Marius. Und Issa, Ricarda, Hansa, Vanessa, Melanie, Sarah, Martin, Ferhard, Jacqueline … und alle, die gestern grinsend und zufrieden ihre Schlittschuhe wieder abgeschnallt und die Pinguine links liegen gelassen haben. Tipps für Anfänger, die doch etwas Angst haben: Nicht so schnell fahren und, macht Marius aus Hameln allen Mut, „sich unbedingt trauen!“

Schneller, Pinguin, schneller – selbst

die kleine Jolina (18

Monate) traut sich aufs Eis, wenn auch

ohne Schlittschuhe.

Die Pinguine geben den größeren Kindern

und Jugendlichen, die noch nicht so sicher auf dem Eis stehen, Halt. Foto: Dana.



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