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Rekordspritpreise in Hameln / Heizöl-Kunden warten mit Bestellungen

Wer heizt, zahlt: Im Auto und im Haus

Hameln. Die Autofahrer müssen weiter Rekordpreise fürs Benzin bezahlen. Nach den Höchstwerten vom Wochenende kostete auch gestern ein Liter Super E10 im bundesweiten Durchschnitt 1,691 Euro und damit kaum weniger als am Rekordsamstag, wie der ADAC gestern erklärte. Wie so oft in der Ferienzeit entflammt das Thema auch den politischen Streit neu. Während Verbraucher, Politiker und Autoklubs den Mineralölkonzernen Abzocke und Preisabsprachen vorwerfen, verweist die Branche auf den hohen Ölpreis, den schwachen Euro, Spekulanten am Ölmarkt, die im Sommer höhere Nachfrage und den hohen Steueranteil am Benzinpreis. Ein Tankstellenpächter, der nicht namentlich genannt werden möchte, sagte: „Unser Finanzminister Schäuble freut sich doch insgeheim über solche Preisentwicklungen.“ Der Steueranteil am Verkaufspreis eines Liters Superbenzin liegt derzeit bei 90 bis 92 Cent.

veröffentlicht am 22.08.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 17:21 Uhr

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Autor:

Thomas Thimmund Catherine Holdefehr
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Die Preissprünge an den Zapfsäulen in Hameln sind besonders ausgeprägt, da es hier eine relativ hohe Dichte an Tankstellen gibt und die Konkurrenz entsprechend hoch ist. Deshalb kann es passieren, dass der hiesige Spritmarkt extremer reagiert als etwa der in Hannover. Preissprünge von 7 bis 12 Cent pro Liter innerhalb weniger Stunden sind daher keine Seltenheit. Seit einem halben Jahr erhöhen die zu den Multis Aral, Shell, Total und Esso gehörenden Tankstellen nur noch einmal pro Tag: In der Regel fängt der Erste gegen 18 Uhr damit an, die anderen ziehen dann in den folgenden drei, vier Stunden nach. Tankstellenpächter Andreas Zimmer von der Aral an Hamelns Deisterstraße sagt: „Man darf dabei allerdings nicht vergessen, dass die Preise zwischendurch auch immer wieder sinken.“ Die Debatte um die hohen Spritpreise findet Zimmer übrigens „ungerecht“: „Die Gesellschaft muss das Gesamtkonzept Auto auf den Prüfstand stellen. Leasingraten steigen, Autoreifen werden auch immer teurer, aber alle Welt diskutiert immer nur den Spritpreis.“ Im Übrigen könne jeder, der die 500 Meter morgens zum Bäcker nicht mit dem Auto, sondern mit dem Fahrrad fährt und bei Autofahrten sinnig schaltet und spritsparend fährt, dem hohen Benzinpreis entgegenwirken.

An etlichen Tankstellen liegt der Benzinpreis weiter deutlich über der Marke von 1,70 Euro je Liter. Diesel kostete 1,538 Euro. Zwar seien der hohe Rohölpreis und der schwache Euro richtige Argumente für die derzeit hohen Spritpreise, sagte ein ADAC-Sprecher. Dennoch sei der Benzinpreis ganz klar überhöht. „Da ist Luft nach unten.“ Die Autofahrer würden wie so oft während der Urlaubszeit oder an Feiertagen zusätzlich zur Kasse gebeten.

Doch nicht nur der Sprit, sondern auch das Heizöl wird immer teurer. Die Kosten für Heizöl sind im bundesweiten Durchschnitt aktuell so hoch wie seit vier Jahren nicht. Im Jahr 2009 zahlten Hauseigentümer für ein Einfamilienhaus mit Ölheizung und 120 Quadratmetern Wohnfläche im Schnitt rund 830 Euro Heizkosten. Aktuell sind es 1710 Euro jährlich. Damit sind die Heizkosten um 882 Euro gestiegen und haben sich seit 2009 mehr als verdoppelt. Der durschnittliche Heizölpreis in der Region bewegte sich gestern bei 1500 bis 2500 Liter pro 100 Liter zwischen 99,60 und 100,79 Euro.

„Die meisten Kunden rufen zurzeit nur an, um den aktuellen Preis zu erfahren und warten dann ab“, sagt Birgit Ruiello von der Schwekendiek GmbH in Aerzen. Die meisten würden jetzt eher kleine Mengen bestellen, in der Hoffnung, dass der Preis rechtzeitig wieder fällt. Ebenso wie die Energie-Direkt Hameln GmbH (EDi) liefert das Unternehmen ab 500 Liter aus, bei noch kleineren Mengen wäre der Literpreis zu hoch. Den Kunden rät sie, mit dem Kauf zu warten. „Wir empfehlen unseren Kunden nichts“, sagt hingegen Detlev Lachmann von EDi. Zu schwer sei derzeit abzusehen, ob sich der Preis weiter nach oben entwickeln werde oder wann er wieder heruntergehen würde. Die Preise ändern sich von Tag zu Tag, manchmal sogar mehrmals täglich.

Eine Möglichkeit, Heizöl günstiger zu bestellen, sind Sammelbestellungen. Zwischen zwei und drei Cent könne man beispielsweise sparen, wenn man statt 1000 Liter 10 000 Liter bestelle, sagt Ruiello. Private Gruppen, ganze Straßenzüge oder Siedlergemeinschaften bestellen gemeinsam, wie beispielsweise die Siedlergemeinschaft Barksen. „Ein paar Cent pro Liter kann jeder einzelne dadurch sparen“, sagt der Vorsitzende der Siedlergemeinschaft, Günter Zuttermeister. Schon seit Jahren bestellen die Mitglieder gemeinsam, haben damit gute Erfahrungen gemacht.

Beim Preis ist immer der Tag der Bestellung bindend, die meisten Kunden bestellen darum nur kleine Mengen in der Hoffnung, dass der Preis bald wieder fällt. „Wir haben einen 10 000-Liter-Tank, aber ich bestelle nur noch 1000 Liter“, sagt Ernst van Aaken. Er hat gerade Öl bestellt, der Tank war leer, abwarten konnte er nicht mehr. Den Preis beobachtet er trotzdem regelmäßig, in der Hoffnung, dass er wieder ein bisschen runtergeht.



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