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Der Dewezet-Test zeigt: Warme Mahlzeiten der Hamelner Mensen sind nicht gerade beliebt

Wenn’s nicht sein muss …

Hameln. Mensen? Finden die meisten Schüler uncool. Nur selten befriedigt das Angebot die Bedürfnisse von Teenager-Mägen. Pizza, Döner & Co. schon. Für Bringdienste und diverse Imbisse in der Stadt sind hungrige Schüler zur Mittagszeit ein einträgliches Geschäft, während sich in den Hamelner Schulkantinen hauptsächlich die kontrollierten unteren Jahrgänge tummeln. Soweit die Hypothese für unsere Dewezet-Testgeschichte, in der wir prüfen, wie stark die Mensen der Gymnasien wirklich genutzt werden. Interessant ist die Frequenz schon vor dem Hintergrund des kostentreibenden Baukonzeptes für das Schulzentrum Nord, das eine weitere Mensa für die IGS vorsieht. Die Frage, wie sinnvoll diese Investition ist, nachdem in den letzten Jahren mehr als drei Millionen Euro für drei Mensen an drei Hamelner Gymnasien verbaut wurden, drängt sich auf.

veröffentlicht am 22.10.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 05:41 Uhr

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Autor:

Hanna Brinkmann, Carolin grope, Christoph Graetsch und Doro thee balzereit
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Hanna Brinkmann, Carolin Grope und Christoph Graetsch haben sich deshalb an fünf Tagen jeweils zwischen 13 und 14 in den Mensen des Vikilu, am Schiller- und Albert-Einstein-Gymnasium umgeschaut. Stichprobenmäßig geprüft wurde zudem, was sich die Schüler in der Mensa kaufen und wie alt sie im Schnitt sind. Schüler, die Alternativangebote bevorzugen, wurden nach Gründen gefragt. Und last, but not least haben unsere Reporter den Realitäts-Check im Papierkorb gemacht: Die Anzahl der Pizza- und Döner-Verpackungen ist ein verlässlicher Indikator dafür, was von den Schülern wirklich gegessen wird.

Schiller-Gymnasium:

An einem Freitag betreten wir um 13.15 die Mensa des Schillers. Zu rund zwei Dritteln ist sie besetzt. Im Verlauf der folgenden Tage bietet sich immer wieder das gleiche Bild: Auf den ersten Blick scheint das Angebot gut genutzt zu werden, allerdings befinden sich in der Mensa hauptsächlich Fünft- bis Siebtklässler. Uns fällt sofort auf, dass nur wenige der jungen Schüler wirklich zu Mittag essen. Die meisten verzehren Mitgebrachtes oder Süßigkeiten aus der Mensa. Viele spielen auf ihrem Handy und machen Hausaufgaben mit ihren Freunden. Diejenigen Schüler, die vom Mensaangebot Gebrauch machen, erzählen, dass sie die Qualität und die Auswahl in Ordnung finden. Wenn das jeweilige Angebot ihrem Geschmack mal nicht entspreche, würden sie sich Pizza oder Döner bestellen. Andere erzählen, dass sie in so einem Fall gar nichts essen. Selten gehen die jüngeren Schüler in die Stadt, zumal dies bis zur zehnten Klasse verboten ist. Zwei Tische in der Mensa sind mit Elft- und Zwölftklässlern besetzt. Die Oberstufenschüler verspeisen fast ausschließlich belegte Brötchen aus der Mensa oder Mitgebrachtes. Die Mensa wird von ihnen mehr als Treffpunkt genutzt, wie auch andere Oberstufenschüler bestätigen. Das Verhältnis stimme in der Mensa nicht. Das Essen schmecke nicht und sei dafür einfach zu teuer. Der zentrale Standort des Schiller-Gymnasiums macht es außerdem möglich, einfach in die Stadt zu gehen und sich dort nach Lust und Laune preiswertes Mittagessen zu kaufen. Ab der achten Klasse wird die Stadt aufgrund des vielfältigen Angebots immer attraktiver. Auch der Reiz, etwas Verbotenes zu tun, spielt in dieser Altersgruppe eine Rolle. Eine Schülerin aus der achten Klasse erzählt, dass sie entweder in der Stadt ihre Mahlzeit zu sich nimmt oder ganz darauf verzichtet, weil sie die Auswahl in der Stadt nicht missen möchte.

Albert-Einstein-Gymnasium:

AEG, mittags 13.15 Uhr. Acht Schüler sitzen mit Pizza-Kartons auf den Knien neben dem Eingang. Die Schulmensa, nur ein paar Meter entfernt, ist nicht wirklich voll. An den Tischen sind viele Lücken, einige sind komplett leer. Wir fragen nach, warum so wenige Schüler dort sitzen. „Heute ist Freitag, da gibt es immer viel Ausfall!“, sagt uns ein Mädchen aus dem 12. Jahrgang. „An den anderen Tagen ist die Mensa immer richtig voll.“ Doch auch in der darauf folgenden Woche bestätigt sich die Aussage nicht. Die Mehrheit der Schüler ist der Meinung, dass das Essensangebot nur schwach genutzt werde. Ähnlich wie am Schiller ist auch hier eine lange Schlange vor der Essensausgabe, aber nur wenige kaufen sich eine warme Mahlzeit. Viele bringen sich ihr Essen mit. Es sind wieder hauptsächlich die Fünft- bis Siebtklässler, die wirklich in der Mensa essen. Doch auch unter den Kleinen herrscht bereits Uneinigkeit. Von zwei befragten Schülern hat einer sein Proviant schon mit dabei.

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Die Schulkantine am Donnerstag, 16. Oktober, um 13.14 Uhr am AEG ...

Die höheren Jahrgänge suchen sich Alternativen. Zwar ist die Möglichkeit, in die Stadt zu gehen, nicht gegeben, aber dieses Problem haben die Schüler gut im Griff. Mehrere Lieferanten, ob sie nun Pizza oder Döner bringen, stehen vor dem Schuleingang und jeweils mehr als zehn Schüler drum herum. Waren es am Freitag noch acht Jugendliche, so sind es am Mittwoch schon knapp 25, die sich von Fast Food ernähren. Die Folge sind überfüllte Mülleimer und verstreute Verpackungen auf dem Rasen. Die Behauptung einiger Schüler, dass der Bringdienst eine Ausnahme ist, bestätigt sich nicht. Beliebt ist übrigens auch der Kiosk am Schwimmbad nebenan „Die Schlange dort ist immer extrem lang!“, sagt eine Siebtklässlerin. Auch der Eindruck, dass die Mensa im Gegensatz zu den beiden anderen Schulkantinen besser genutzt wird, täuscht, denn sie ist im Verhältnis kleiner.

Viktoria-Luise-Gymnasium:

Die Mensa des Vikilu ist nur mäßig gefüllt. Das liege daran, dass die Qualität des Essens zu wünschen übrig lässt – das meint zumindest ein Teil der Schüler. In der Schulkantine sind viele Schüler der unteren Klassenstufen zu sehen. Die Elf- bis Dreizehnjährigen kommen nach Schulschluss von der Außenstelle zum Hauptgebäude, um dort zu Mittag zu essen. Sie finden die Qualität des Mensaessens in Ordnung und essen gerne dort. Die Älteren in der Mensa essen meist nichts, sondern machen Hausaufgaben oder unterhalten sich. Manchmal haben sie ein Brötchen oder ein Getränk vor sich. Draußen bietet sich ein anderes Bild. Schüler aus den höheren Klassenstufen sitzen dort und verspeisen ihre mitgebrachten Mahlzeiten wie zum Beispiel die Fünfminutenterrine, die sie sich zuvor aufgewärmt haben.

Das Verbot, das Schulgelände in der Mittagspause zu verlassen, wird strikter gehandhabt als am Schiller, dort reicht eine Elternerlaubnis, um in die Stadt gehen zu können. Am Vikilu werden zurückkehrende Schüler am Tor durch Lehrer kontrolliert.

Unsere Hypothese hat sich bestätigt – keine der Schulmensen wird von den Schülern so angenommen, wie Eltern und Lehrer es sich wünschen. Warme Mahlzeiten werden hauptsächlich von jüngeren Schülern bestellt, ein großer Teil der älteren verzichtet und versorgt sich über Mittag anderweitig.



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