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Schulprojekt von SAM könnte landesweit Schule machen / Ein Verein und die Ganztagsbetreuung

Wenn’s keiner macht, macht’s SAM

HAMELN. Schule ist längst nicht mehr nur Lernort, sondern Lebensort. Mehr denn je wird erwartet, dass sie junge Menschen auf die Leistungsgesellschaft vorbereitet. Doch verlässliche Schulkonzepte und ausreichend Personal für die teilgebundene Ganztagsbetreuung, die Inklusion und die Integration von Flüchtlingskindern fehlen seit Jahren. Der Verein SAM wollte nicht warten, bis der Staat seinen Pflichten angemessen nachkommt und hat die Sache selbst in die Hand genommen. Herausgekommen ist ein Modell, dass landesweit Schule machen könnte.

veröffentlicht am 17.08.2018 um 11:51 Uhr
aktualisiert am 17.08.2018 um 18:20 Uhr

Wird an der Klütschule gebraucht: die Pädagogische Mitarbeiterin Katarzyna Armbrecht. Foto: wal
Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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Über einen Zeitraum von zweieinhalb Jahren wird das Schulprojekt von SAM von einem Team der Universität Hildesheim begleitet. In Kooperation mit neun von 44 SAM-Schulen und der Uni hat der Verein das Pilotprojekt „Multiprofessionalität in Schule“ ins Leben gerufen. Es geht also um die Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen in der Schule. Sie soll bewusster gestaltet und erweitert werden.

„Die Schulen sind zu den Pädagogischen Mitarbeitern gekommen, wie die Jungfrau zum Kinde“, sagt Wolfgang Schröer, Professor für Sozial- und Organisationspädagogik an der Uni Hildesheim. Schröer ist in Hameln kein Unbekannter, er hat bereits den Aufbau des FiZ wissenschaftlich begleitet. Multiprofessionalität müsse in deutschen Schulen erst gelernt werden, sagt Schröer.

„Sie ist nicht Teil der Ausbildung, andere Länder gehen da anders ran.“ Neben der Unterrichtszentrierung brauchen wir das Zusammenspiel mit anderen“, sagt der Professor.

Durchgeführt hat die Uni schon eine Befragung zur Zusammenarbeit, an der alle involvierten Berufsgruppen teilgenommen haben. Das wohl wichtigste Ergebnis: Multiprofessionelle Teams sind unumstritten bedeutsam und eine zentrale Aufgabe für die Zukunft. Demnächst folgen drei Workshops und am 19. Oktober kommt dann der Kultusminister Grant Hendrik Tonne in die Grundschule Rohrsen, um sich das Projekt vorstellen zu lassen.

Dahinter steht die Hoffnung auf eine Förderung des Projekts durch das Land Niedersachsen. Die Chancen stehen nicht schlecht: „So ein schulformübereifendes regionales Format hat in Deutschland Seltenheitswert“, sagt Schröer. Die wissenschaftliche Begleitung wird vom Landkreis, der Stadt, den Kommunen und Spendern mit insgesamt 50 000 Euro finanziert.

Und was genau macht nun eigentlich SAM? Am ehesten kann man den Verein vielleicht als eine Art Optimierer von Ressourcen bezeichnen. Während sich Unternehmensberater eine solche Tätigkeit teuer bezahlen lassen, arbeitet der Verein allerdings ehrenamtlich. Herzstück des Schulprojekts ist der passgenaue Einsatz Pädagogischer Mitarbeiter auf der einen, und die Vernetzung der Schulen auf der anderen Seite. SAM hat es geschafft, dass die Schulleitungen aller Schulformen, von der Grundschule bis zum Gymnasium, auf Augenhöhe zusammenarbeiten.

Praktisch heißt das: Auch die Grundschulen profitieren von Fördertöpfen für die Ganztagsbetreuung, an die sonst nur die weiterführenden Schulen kommen. Die Großen sind also für die Kleinen da.

Alle Schulen zusammen profitieren von dem Pool an 140 Pädagogischen Mitarbeitern, die keiner bestimmten Schule vertraglich zugeordnet sind und über die SAM den Überblick hat. Anders als sonst werden sie Schulen nicht einfach zugeteilt.

„Die pädagogischen Mitarbeiter kommen aus verschiedenen Berufen“, sagt Gabriele Brakemeier, zweite Vorsitzende des Vereins und die zugleich Teamleiterin der pädagogischen Mitarbeiter bei der Impuls GmbH, die die Mitarbeiter ausbildet. Da gibt es Erzieher, Lehrer aus den ehemaligen Ostblockstaaten, Logopäden, IT-Mitarbeiter oder Köche. Durch die gute Organisation kann SAM den Schulen sehr schnell das liefern, was sie gerade brauchen.

Und noch einen Vorteil hat die Zusammenarbeit von SAM und Impuls: Es gibt keinen Mangel an Pädagogischen Mitarbeitern. Eine Situation, um die Hameln-Pyrmont von anderen Landkreisen beneidet wird.

Information

Finanzielle Entwicklung von SAM

Der Verein SAM _ Sozial-Aktiv-Menschlich hat sich 2010 gegründet, um Probleme in Schulen und ihrem Umfeld etwas entgegenzusetzen. Er betreibt Netzwerkarbeit, aquiriert Gelder und setzt sich mit Politik auf der Bildungsebene auseinander. Die Etablierung neuer Berufsgruppen in der Schule war die bisher größte Herausforderung für den Verein, der weitere Projekte betreut. Die Anschubfinanzierung für anfangs acht Pädagogische Mitarbeiter leistete die Stadt 2006. Mit Spenden von 30 000 Euro konnten die Mitarbeiter danach weiterbezahlt werden, sonst wäre SAM 2010 pleite gewesen. Doch der Bedarf wuchs und das Einwerben von Geldern war auf Dauer unzureichend. Aufwind bekam SAM durch Landrat Rüdiger Butte, der Unterstützungshilfen aus dem sogenannten SANA-Topf anbot. Als der Bedarf weiter stieg, entwickelte der Verein ein aufwendiges Konzept, mit dem Gelder aus dem Bildungs- und Teilhabegesetz für die umfänglichen Projekte von Lernförderung und sprachlichen wie sozialen Fördermaßnahmen genutzt werden können. Hier leisteten die Schulen viel Aufklärungsarbeit bei den Eltern.



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