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Friedhöfe und ihre Kosten: Stadt verfehlt Ziele / Gebührenerhöhung ab 2020?

Wenn weniger sterben, geht’s an die Steuern

HAMELN. Wer mit schwarzem Humor nichts am Hut hat, überspringe bitte den nächsten Satz und lese weiter beim dritten. Für die anderen: In Hameln wurde zu wenig gestorben. Weil die Sterbefälle in dem Jahr 2017 vergleichsweise stark zurückgegangen sind, hat die Stadt ein Problem, die Kosten für Bestattungen zu decken. Das hat sie oft, aber für das vergangene Jahr ist es größer als sonst.

veröffentlicht am 27.11.2018 um 13:38 Uhr
aktualisiert am 27.11.2018 um 19:40 Uhr

Alles rund ums Sterben kostet Geld: Grab, Bestattung, Grabstein oder Kreuz wie hier auf dem Friedhof Wehl. Die Gebühren, die die Stadt Hameln dafür erhebt, decken die Kosten nur selten. Foto: Dana
Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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Der Kostendeckungsgrad liegt bei gerade mal 88,2 Prozent und bleibt damit hinter dem gesetzten Ziel zurück. Weil es mal gelingt, mal nicht, die entstehenden Kosten vollständig zu decken, ist der Zielerreichungsgrad längst heruntergeschraubt worden: Statt mit 100 Prozent ist die Verwaltung zufrieden, wenn zwischen 90 und 95 Prozent der Kosten durch die Erlöse für Bestattungen gedeckt werden. Doch auch dieser Zielkorridor ist unterschritten worden.

Zum einen sanken die Erlöse für Bestattungen im Vergleich zum Vorjahr um 18 400 Euro – hier kommt die geringere Anzahl Verstorbener zum Tragen. Im selben Zeitraum stiegen jedoch auch die Kosten für die Bestattungen um fast 30 000 Euro. Insgesamt konnten so über 47 000 Euro nicht durch Erlöse gedeckt werden.

Ein Blick auf die Sterbefälle: 917 Menschen starben im Jahr 2017 – so wenige wie schon lange nicht mehr. Wird ein Zehnjahreszeitraum herangezogen, waren es nur im Jahr 2008 noch weniger: 906. Damals allerdings erreichte die Stadt bei den Bestattungen trotzdem einen Kostendeckungsgrad von 113,3 Prozent – die Kosten mit 73 000 Euro waren erheblich niedriger und die Erlöse höher.

Von den 530 Verstorbenen wurde nur ein Viertel, also nur 130, erdbestattet, die übrigen 400 wurden in Urnen beigesetzt – ein Trend, der seit Jahren beobachtet wird. Damit erreichten die Urnenbeisetzungen prozentual gesehen den höchsten Stand seit zehn Jahren. Was sich kaum erklären lässt: Während in Hameln 61 Menschen weniger gestorben sind als im Vorjahr, sind es sowohl bundes- als auch landesweit mehr.

Nicht nur der Bereich „Bestattungen“ bleibt hinter dem Zielkorridor zurück. In den Bereichen Friedhofsunterhaltung und Grabpflege sieht es nicht besser aus. Bei der Friedhofsunterhaltung sind zwar die Kosten auf 1,26 Millionen Euro gesunken – die Erlöse fielen aber ebenfalls niedriger aus. Hier hätte ein besseres Ergebnis erzielt werden können, wenn nicht ein Bagger kaputtgegangen wäre, wie aus dem Bericht der Abteilung hervorgeht. Unvorhergesehene Kosten in Höhe von gut 34 000 Euro sind demnach für Miete und Reparatur entstanden, die sich zum größten Teil auf die Bilanz für die Friedhofsunterhaltung ausgewirkt hätten. Letztlich wurden nur 87,6 Prozent der Kosten durch die Erlöse gedeckt (nach 89,6 Prozent im Vorjahr).

Die „Grabpflege“ durch städtische Mitarbeiter ist in den vergangenen Jahren bereits zurückgefahren worden. Neue Aufträge werden seit 2014 nicht mehr angenommen, erfüllt werden noch bestehende Verträge. Dort weiter zurückzuschrauben und Personal einzusparen, ist laut Abteilung „nicht möglich“, damit die verbleibenden Verträge noch gemäß vereinbarter Leistung erfüllt werden. Der Deckungsgrad betrug nur noch 83,6 Prozent – niedriger als in jedem anderen der vergangenen zehn Jahre. Im Rathaus rechnet offenbar keiner damit, dass „hier eine Verbesserung des Deckungsgrades erreicht werden kann“ aufgrund von fixen Umlagekosten für Werkstatt, Verwaltung, Gebäude- und Grundstückskosten.

Unterm Strich blieben 2017 knapp 240 000 Euro im Bereich „Friedhöfe“ ungedeckt – was, wenn sich die Entwicklung fortsetzt, zu höheren Gebühren führen könnte. Im kommenden Jahr soll auf Basis der Zahlen von 2018 eine Gebührenkalkulation vorgenommen werden, „die eine Gebührenanpassung zum 1. Januar 2020 zur Folge haben könnte“.

Der Weg unter die Erde kostet

Seit 2016 gelten laut der Hamelner Friedhofsgebührensatzung folgende Preise – ein Auszug.

  • Eine Erdgrabstätte kostet zwischen 350 und 3515 Euro auf einem bestimmten Grabfeld am Wehl (N VII) für Personen jüdischen Glaubens und deren Angehörige.
  • Ein Urnenreihengrab ist für 1200 Euro zu haben, ein Urnengrab auf einem bestimmten Grabfeld am Wehl für Personen jüdischen Glaubens und deren Angehörige kostet 2930 Euro.
  • Für eine normale Erdbestattung müssen 520 Euro bezahlt werden, für eine Urnenbestattung dagegen nur 90 Euro.
  • Die Benutzung der Kapelle kostet 250 Euro, die der Leichenhalle 120 Euro.
  • Ein Sargträger wird mit 52 Euro berechnet.
  • Für die Bearbeitung von Anträgen für Grabmale werden zwischen 175 und 265 Euro fällig.
Information

Ein Auszug aus der Friedhofsgebührensatzung

Seit 2016 gelten folgende Preise:

Eine Erdgrabstätte kostet zwischen 300 und 3153 Euro auf einem bestimmten Grabfeld am Wehl (N VII) für Personen jüdischen Glaubens und deren Angehörige.
Ein Urnenreihengrab ist für 1020 Euro zu haben, ein Urnengrab auf einem bestimmten Grabfeld am Wehl für Personen jüdischen Glaubens und deren Angehörige. 2727 Euro.
Für eine normale Erdbestattung müssen 580 Euro bezahlt werden, für eine Urnenbestattung dagegen nur 90 Euro.
Die Benutzung der Kapelle kostet 240 Euro, die der Leichenhalle 85 Euro.
Ein Sargträger wird mit 57 Euro berechnet.

Für die Bearbeitung von Anträgen für Grabmale werden zwischen 140 und 210 Euro fällig.



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