weather-image
Vorlesung für junge Gäste in der Hochschule Weserbergland: Technik-Professor macht Physik greifbar

Wenn Kinder zu Elektronen werden

Hameln. Die Studenten, die an diesem Tag den Vorlesungssaal der Hochschule Weserbergland betreten, sind kleiner als sonst. Auch Martin Kesting, Professor für Elektro- und Energietechnik, beginnt seine Vorlesung heute mal ganz anders. „Möchtest du ein Plus oder ein Minus?“, fragt er jeden seiner „Mini-Studenten“ und malt mit Tusche das gewünschte Symbol auf die Wange.

veröffentlicht am 20.06.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 18:41 Uhr

270_008_6422744_hm201_2006.jpg

Autor:

VON ANDREA TIEDEMANN
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Wo normalerweise junge Erwachsene Platz nehmen, sitzen heute rund 30 Kinder. Die Vorlesung ist Teil der Kinderuni, die vom Netzwerk Familie im Zentrum organisiert wird. „Früher wurde das technische Interesse im Alltagsleben geweckt“, sagt Kesting, das fehle heute. Kinder mit Experimenten zu faszinieren, das sei seine Welt. Bei seinen eigenen Töchtern stieß er damit allerdings nicht nur auf Begeisterung. „Die hatten nach fünf Minuten keine Lust mehr.“

Ganz anders Juliana. Die Zehnjährige hört aufmerksam zu, während Kesting über elektrische Ladungen und Blitze spricht. Immer wieder schnellt ihr Finger nach oben, wenn der Professor etwas fragt. „Vielleicht möchte ich später einen technischen Beruf haben“, sagt sie, ganz sicher sei sie aber nicht. Juliana geht in die vierte Klasse, ab nächstem Jahr fängt der Physikunterricht an. „Technisches Wissen brauche ich aber auch jetzt schon“, sagt sie selbstbewusst, schließlich habe sie schon ein ferngesteuertes Auto.

„Warum bewegt sich denn das ferngesteuerte Auto?“, fragt Kesting seine kleinen Studenten. „Weil da Strom drin ist“, schallt es zurück. Und dann wird es ganz praktisch. Die Kinder sollen eine Batterie szenisch nachspielen. Das heißt: Alle positiven Elektronen, also die Kinder mit einem Plus-Zeichen, gehen in die eine Ecke des Raumes – alle „negativen Elektronen“ sammeln sich in der gegenüberliegenden Ecke. Dann müssen sich zwei Elektronen zusammentun. Ganz zaghaft haken sich zwei Mädchen unter. „Jetzt fährt das Auto“, sagt Kesting, „und wenn alle eingehakt sind, dann ist die Batterie leer.“ Ein besonders ehrgeiziger Junge will gleich wissen, wie das mit dem Wiederaufladen der Batterie ist. „Da werden die beiden Elektronen wieder voneinander getrennt“, erklärt Kesting.

Rund eine Stunde lang dauert die Vorlesung. Es blitzt und knarzt, wenn Kesting mit 30 000 Volt Spannung einen Lichtbogen herstellt. Die Kinder lachen und staunen. „Das bitte nicht nachmachen“, sagt Kesting in mahnendem Ton. Während Juliana die meisten Sachen schon kennt, staunen der siebenjährige Nunu und der achtjährige Alexander nicht schlecht. „Das hat mir gut gefallen“, sagt Alexander. Auf die Frage, ob die beiden später auch mal Technik-Professor werden möchten, gibt es allerdings eine klare Absage. „Wir wollen beide Pilot werden.“

Was bei den großen Studenten Theorie ist, ist bei der Kinderuni das Experiment. „Es muss immer ein Geräusch oder eine Bewegung geben“, sagt Kesting. Er wünscht sich, dass schon in der Grundschule das Interesse für Technik mehr geweckt würde. Und auch die Eltern seien gefordert. „Mit Haushaltsmitteln kann man schöne Experimente machen“, sagt er. Schließlich seien vor allem Elektrotechnik und das Ingenieurwesen die gewinnbringenden Branchen in Deutschland. Doch Druck gebe es für die kleinen Studenten der Kinderuni nicht. „Die Kinder müssen nicht kommen, sondern sie wollen“, sagt Kesting.

Als Belohnung gibt es am Ende der Vorlesung noch ein ganz besonderes Experiment. Auf der Wiese vor der Rattenfängerhalle startet Kesting einen ferngesteuerten Mini-Hubschrauber, Quadrokopter genannt. Mit einer Videobrille können die Kinder die Bilder, die der Quadrokopter aus der Luft macht, verfolgen. „Wie im Kino!“ ruft ein Junge, der gerade die Brille auf der Nase hat. Und dann bittet er Kesting mit aufgeregter Stimme: „Kannst du mal etwas tiefer fliegen? Dann kann ich mich selber sehen.“

Professor Kesting macht deutlich, welche Kraft elektrische Spannung haben kann. pr



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt