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Die Päpstin und ihr Geheimnis: Petra Gerster spürt der weiblichen Seite der Geschichte nach

Wenn Frauen Grenzen überschreiten …

Hameln/Mainz. Kaiser, Könige, Päpste, Feldherren, Forscher, Erfinder und Künstler – die Geschichte ist voll von großen Männern. „Wo aber waren die Frauen?“, fragt Petra Gerster. Es könne nicht sein, dass sie jahrhundertelang nur als züchtige Hausfrauen und Mütter ihr Leben zwischen Küche und Kindbett fristeten. Und so war es auch nicht, stellt die Journalistin fest: „Immer schon gab es Frauen, denen die ihnen gesteckten Grenzen zu eng wurden, die ihre Fesseln sprengten und geschickt versuchten, neue Wege zu gehen: im Mittelalter oft mithilfe des Glaubens und der Spiritualität.“ Jeanne d’Arc oder Hildegard von Bingen sind gute Beispiele. Oder die Päpstin.

veröffentlicht am 03.04.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 16:41 Uhr

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Autor:

Karin Rohr
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Johanna, die 855 Papst Leo IV. auf den Heiligen Stuhl gefolgt sein soll, fesselt und beschäftigt auch nach über 1000 Jahren die Menschen. Als Buch. Als Film. Und als Musical, das vom 18. August bis 16. September das Highlight des Münster-Jubiläumsjahres in Hameln ist. Moderatorin Petra Gerster begibt sich bereits Ostermontag um 19.30 Uhr in der ZDF-Dokumentation „Das Geheimnis der Päpstin“ auf Spurensuche nach der mittelalterlichen Päpstin Johanna, die in so vielen Chroniken erwähnt, deren Existenz aber von der offiziellen Kirchengeschichte bis heute bestritten wird. Neben der Frage „Wahrheit oder Legende?“ geht es der Journalistin vor allem um die Rolle der Frau in der katholischen Kirche und das Bedürfnis nach weiblicher Spiritualität.

„Für die Kirche existiert Johanna nicht, auch wenn 500 Chroniken von ihr erzählen“, sagt Petra Gerster: „Viele Spuren wurden aber sicher auch verfälscht oder vernichtet, denn Geschichte wird immer von den Mächtigen geschrieben. Und für die war – und ist bis heute – eine Frau an der Spitze der Kirche ganz und gar undenkbar.“ Zwar würde ein weiblicher Papst vermutlich auch nicht die Welt verändern, aber doch zumindest die Kirche beziehungsweise die selbstherrliche Männerwelt darin, meint die Journalistin: „Und ich vermute, es wäre unter einer Päpstin oder zumindest unter und mit vielen gleichberechtigten Priesterinnen und Bischöfinnen nicht zu einem Missbrauchsskandal solchen Ausmaßes gekommen, wie wir es zuletzt erlebt haben.“

Worte, die dem männlich dominierten katholischen Klerus nicht gefallen dürften, und Zündstoff für so manch heiße Diskussion. Einfacher ist es, die Existenz einer Päpstin Johanna zu ignorieren. Und tatsächlich hat sie trotz der vielen Hinweise in den Chroniken wohl nie in Fleisch und Blut existiert, sondern war lediglich ein Wunschtraum, die Projektion einer Lichtgestalt, nach der sich nicht nur das Volk, sondern auch viele Kirchenkritiker sehnten. Genau dies aber macht Johanna für konservative Katholiken so gefährlich, rüttelt sie doch an Traditionen, mit denen der Klerus auch heute noch nicht brechen will. Die Tabuisierung des Themas ist die bequemste Methode , jegliche Diskussion über Frauen in katholischen Ämtern zu ersticken.

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  • Stationen aus Johannas Leben werden spielfilmartig aufbereitet: Szene aus der ZDF-Dokumentation „Das Geheimnis der Päpstin“ mit Victoria Deutschmann als Johanna. Foto: ZDF/Roland Breitschuh

Petra Gester jedenfalls fesselt bei ihrer Spurensuche für die ZDF-Dokumentation vor allem die weibliche Seite der Geschichte: „Ich finde es außerordentlich spannend, dass solche Grenzen überschreitenden Frauen inzwischen wieder neu entdeckt werden.“ Johanna sei nur eine von unzähligen Frauen, die in Männerkleidung versuchten, sich Zugang zu Wissen und Macht zu erkämpfen – bis ins 19. Jahrhundert hinein.

Dass eine Päpstin allerdings – im Gegensatz zu Forscherinnen, Erfinderinnen, Künstlerinnen oder Königinnen – für die katholische Kirche nach wie vor tabu ist, macht Johannas Geschichte selbst im aufgeklärten 21. Jahrhundert noch zum „heißen Eisen“ und skandalträchtig.



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