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Neben jungen Frauen erkranken vermehrt über 40-Jährige an Essstörungen

Wenn Essen zum Horror wird

HAMELN. Das Risiko, an einer Essstörung zu erkranken, ist für Mädchen und Frauen erheblich höher als für Männer. Das zeigt eine aktuelle Datenauswertung der KKH Kaufmännische Krankenkasse. Demnach waren allein im vergangenen Jahr 83 Prozent der betroffenen Versicherten weiblich.

veröffentlicht am 30.11.2017 um 13:26 Uhr
aktualisiert am 30.11.2017 um 13:58 Uhr

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Essstörungen zählen zu den psychosomatischen Erkrankungen. Sie nehmen seit einigen Jahrzehnten stark zu. Dabei leiden vor allem Mädchen und junge Frauen darunter. So hat sich die Zahl der 14- bis 17-jährigen Betroffenen zwischen 2006 und 2016 um 50 Prozent erhöht. Doch im selben Zeitraum nahmen Essstörungen bei Frauen ab dem 40. Lebensjahr noch gravierender zu: bei den über 40-Jährigen um 74 Prozent, bei der Generation 50plus um 125 Prozent und bei den 60- bis 69-Jährigen um 95 Prozent.

Schlankheitsideale und Körperkult in TV, Kino und Werbung sind allgegenwärtig, Gewicht und Aussehen in unserer Gesellschaft maßgebliche Beurteilungsfaktoren. „Das forciert vielfach die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper und kann zur Entwicklung eines gestörten Essverhaltens beitragen“, sagt Franziska Klemm, Psychologin bei der KKH Kaufmännische Krankenkasse. Drei Formen von Essstörungen werden unterschieden:

  • die Magersucht (Anorexia nervosa), bei der sich Menschen bis hin zu einem lebensbedrohlichen Untergewicht hungern ‒ getrieben von der Angst vor einem zu dicken Körper,
  • die Ess-Brech-Sucht (Bulimia nervosa), bei der Betroffene einen starken Zwang verspüren, ihr Körpergewicht zu kontrollieren und nach Essattacken erbrechen oder Abführmittel missbrauchen, um nicht zuzunehmen,
  • die Binge-Eating-Störung, die mit wiederkehrenden, unkontrollierbaren Essattacken einhergeht und zu starkem Übergewicht oder gar Adipositas führt.

Hinter Essstörungen verbergen sich meist tiefer liegende seelische Probleme. Sie zählen zu den Tabu-Themen und werden oft verschwiegen. Angehörige und nahestehende Personen sollten bei Verdacht auf typische Symptome achten: auf eine allgemein gereizte oder gedrückte Stimmung, sozialen Rückzug und Gewichtsveränderungen sowie auf spezielle Anzeichen wie auffälliges Essverhalten (u.a. Diät als Dauerzustand, eingeschränkte Nahrungsauswahl, Verzehr großer Mengen), Erbrechen, Einnahme von Abführmitteln, exzessiven Sport oder krankhafte Angst, zu dick zu werden.

Gestörtes Essverhalten kann mit Begleiterkrankungen einhergehen wie Hormonveränderungen, Osteoporose oder auch Depressionen. Daher ist es wichtig, dass Essstörungen rechtzeitig erkannt und therapiert werden, zum Beispiel mit einer ambulanten Psychotherapie. Dann sind die Heilungsaussichten gut. „Den ersten wichtigen Schritt müssen Betroffene jedoch selbst gehen“, so Präventionsexpertin Franziska Klemm, „das heißt ihre Erkrankung eingestehen und professionelle Hilfe suchen.“

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