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Vortrag zu Depressionen bei Migranten

Wenn es an der Leber zieht...

Hameln. „Ich habe meinen Kopf gegessen“ – wer in Deutschland aufgewachsen ist, weiß mit so einer Formulierung erst einmal wenig anzufangen. Dr. Hamit Ince, niedergelassener Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie aus Hannover, kann ihn einordnen: Menschen mit türkischem Migrationshintergrund drücken damit aus, dass sie durcheinander sind. Dass sprachliche Barrieren bei der Therapie sogar auf falsche Fährten lenken können, macht er an einem anderen Beispiel deutlich: Türkische Erwachsene würden ihre Symptome häufig blumiger beschreiben als deutsche. Sage ein Patient, ihm „zieht es an der Leber“, würde ein deutscher Arzt vielleicht die Leberwerte checken – dabei bedeutet es bloß „ich leide“.

veröffentlicht am 26.03.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 18:21 Uhr

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Autor:

VON ANDREA TIEDEMANN
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Morgen referiert Ince gemeinsam mit seiner Frau Türksen Tezcek-Ince, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie -und Psychotherapie, in Hameln. Dabei soll es vor allem um Depressionen bei Migranten und das Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom (ADHS) bei Kindern gehen. In ihrer Praxis arbeiten die beiden in einem Team mit Psychologen und Ergotherapeuten zusammen – und decken so mehrere Sprachen ab. Das Problem ist laut Ince, dass viele Migranten gar nicht zur Therapie kämen. Von zehn Migranten mit psychischen Problemen gingen nur etwa zwei zum Therapeuten – unter deutschen Patienten sind es eher fünf bis sechs. Doch was sind die häufigsten Gründe dafür, dass Migranten depressiv werden? „Die Migration selber gilt zwar nicht als Krankheit“, so Ince, „wirkt aber als Verstärker“. Denn wirtschaftlich schwierige Situationen sowie zwei aufeinanderprallende Kulturen könnten Anpassungsschwierigkeiten verschlimmern. Auch die Therapie von Migranten laufe häufig etwas anders ab. „Man muss möglichst immer die Familie miteinbeziehen“, sagt Ince. Denn das Familiensystem wirke etwa gerade bei türkischen Migranten viel stärker auf den einzelnen ein.

Der Vortrag findet am Donnerstag, 27. März, von 9.30 Uhr bis 11.30 Uhr im FiZ, Osterstraße 46, statt. Anmeldungen werden persönlich oder unter der Telefonnummer 05151/ 202-3456 entgegengenommen. Für Kinderbetreuung in dieser Zeit ist gesorgt. Der Vortrag kann bei Bedarf auch auf Türkisch übersetzt werden.

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  • T. Tezcek-Ince
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