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Früherkennungsstelle berät bei verzögerter Entwicklung, Sprachproblemen und Behinderungen

Wenn das Kind nicht mitkommt

Hameln. Es ist ein ganz einfaches Puzzle aus Holz: ein Kreis, der in eine Kreisform passt, ein Quadrat, das in eine Quadratform passt. „Das sollte ein Kind spätestens mit zwei können“, sagt Kinderärztin Karoline Praus. Sie leitet die Früherkennungsstelle im Sana-Klinikum. Dort beraten Ärzte, Heilpädagogen, Sprachheilpädagogen, Ergotherapeuten und Physiotherapeuten die Eltern von Kindern bis sechs Jahren, die in ihrer Entwicklung verzögert oder gehandicapt sind.

veröffentlicht am 29.06.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 17:21 Uhr

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Autor:

VON ANDREA TIEDEMANN
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Doch was ist, wenn ein Kind das Puzzle zum Beispiel nicht schafft? „Dann gehen wir auf Ursachenforschung“, sagt Praus. Dafür hat ihr Team im Schnitt anderthalb Stunden Zeit – viel mehr als ein Kinderarzt bei einer routinemäßigen Pflichtuntersuchung. Ihre Erfahrung ist, dass es nicht immer eine Frage der Intelligenz ist, wenn Kinder langsamer als ihre Altersgenossen sind. „Im Fall des Puzzles etwa könnte das Kind zum Beispiel Sehschwierigkeiten haben.“ Das Problem, sagt Praus, sei die häufig späte Reaktion der Eltern. Da gebe es eine „massive Verdrängung“, denn viele wollten sich nicht eingestehen, dass ihr Kind Probleme habe.

Fünf Räume hat die Früherkennungsstelle, einen davon für die körperliche Untersuchung. Hier können kleine Fußballer auf ein aufgemaltes Tor an der Wand schießen oder auf einem Bein hüpfen. Doch während früher viele Kinder gerade bei diesem motorischen Bereich Probleme hatten, kämen nun immer mehr Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten. Nicht selten hätten die Eltern selber psychische Probleme und würden sich scheuen, sich beraten zu lassen. „Wenn man ihnen aber vermittelt, dass eine zusätzliche Förderung für das Kind wichtig ist, verstehen sie es.“

Im Schnitt kommen jährlich 280 Kinder in die Beratungsstelle, im vergangenen Jahr waren es etwas weniger. Den Grund vermutet Praus in der neuen Bleibe: Seit knapp einem Jahr ist die Früherkennungsstelle umgezogen. Das neue Gebäude befindet sich hinter dem Sana-Klinikum. Wer dort hin finden will, muss um mehrere Ecken gehen: rechts neben dem Parkdach durch die Schranke, dann dem Weg nach rechts, am Verwaltungsgebäude und dem Betriebsarzt vorbei. „Laufkundschaft“, wie früher in der Herrmannstraße, darf man hier wohl nicht erwarten. Wer die deutschsprachigen Schilder „Früherkennungsstelle“ nicht lesen kann, hat es ohnehin schwer. Wer sich aber an der Rezeption des Haupteingangs meldet, wird persönlich abgeholt. Doch die meisten Kinder kämen ohnehin über eine Empfehlung von Erzieherinnen und Kinderärzten, sagt Praus. „Im Kindergarten kommen Verhaltensauffälligkeiten häufiger zum Vorschein.“ Denn dort fehle den Kindern die intensive Aufmerksamkeit durch einen Erwachsenen. Gegenüber einem Kinderarzt bei einer Pflichtuntersuchung verhielten sich Kinder nämlich meist ganz anders, viel vernünftiger. Fällt ein Kind auf, etwa durch unsoziales Verhalten oder Sprachprobleme, gehen die Erzieher auf die Eltern zu. „Natürlich gibt es eine große Spannbreite bei der Entwicklung der Kinder“, sagt Praus, „aber wir kommen ins Spiel, wenn diese Spannbreite überschritten ist.“ Wichtig dabei: Wer sich entscheidet, mit seinem Kind zur Beratungsstelle zu kommen, tut dies aus freien Stücken. Praus geht es nicht nur darum, mit medizinischem Blick auf die Kinder zu schauen. Der Ansatz ist ganzheitlich. „Fällt es einem Kind zum Beispiel wegen des Migrationshintergrundes der Eltern schwer, sich zu verständigen, nehmen wir das auch ernst.“ Die Früherkennungsstelle ist allerdings nur dafür da, Probleme aufzuspüren. Zur Therapie werden dann die Frühförderstellen in Hameln vermittelt.

Die Früherkennungsstelle für Kinder bis sechs Jahre ist von Montag bis Mittwoch, zwischen 9 und 15 Uhr geöffnet. Die Beratung ist kostenlos. Weitere Informationen gibt es unter der Telefonnummer 05151/972118.



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