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So könnte die Stadt die Hafenpromenade schützen

Wenn das Jahrhundert-Hochwasser kommt

veröffentlicht am 12.08.2016 um 16:58 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:25 Uhr

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Wenn Wetterexperten von einem HQ100 sprechen, meinen sie ein so heftiges Hochwasser, dass es statistisch nur alle 100 Jahre vorkommt. Vor so einer Welle will sich auch die Stadt Hameln schützen. Denn sollte es irgendwann einmal so kommen, würde das Wasser nach aktuellem Stand einen Schaden von mehr als 90 Millionen Euro anrichten.

Zu dem Ergebnis kommt zumindest das Ingenieurbüro „Sönnichsen & Partner“ aus Minden bei Hannover. Im Auftrag der Verwaltung haben die dortigen Spezialisten für Wasserbau und Wasserwirtschaft die aktuelle Hamelner Situation analysiert und Varianten zum Hochwasserschutz erstellt. Sollte es zu einem solchen Hochwasser kommen, seien vor allem die Bereiche entlang der Ruthenstraße, Senator-Meyer-Weg, Kuhbrückenstraße und Ohnser Straße betroffen. Aufgrund der Höhe des 100er-Hochwassers würden Deiche und Hafenbecken überströmt. Die Einschätzung geht davon aus, dass eine Fläche von rund 37 Hektar überstaut und etwa 190 Objekte betroffen sind. Dabei handele es sich vor allem um Industrie- und Gewerbeobjekte, weshalb auch die potenzielle Schadenssumme so hoch ausfällt. Am Ende hat sich das Büro für zwei Lösungsvarianten entschieden, die in Hameln sinnvoll wären. Wobei eine von ihnen nur den Objektschutz berücksichtigt. Die zuständigen Fachbereiche der Verwaltung haben sich aber klar für einen größeren Schutz ausgesprochen und ihn jetzt in die politische Diskussion gebracht.

Demnach soll der vorhandene und sich in einem schlechten Zustand befindliche Wall am Hafen durch eine platzsparend und 1,5 Meter hohen Schutzmauer ersetzt werden. Sie soll am Ende des Senator-Meyer-Weges beginnen und sich am Hafen entlang bis zum Wall an den Gebäuden der Kampffmeyer-Mühlen entlang der Promenade durchziehen. Zwischen den Gebäuden sollen mobile Schutzwände zum Einsatz kommen. Dabei werden auf eine feste Mauer, je nach Bedarf, weitere Elemente aufgesetzt, um den Schutz zu erhöhen. Zudem soll die Kaimauer abgeböscht werden, um einen städtebaulichen Spielraum zu erhalten. Um die Sicht nicht zu behindern, bleibt es bei einem Meter Mauerhöhe. Im Bereich der Ruthenstraße soll entlang der Gleise eine Schutzmauer errichtet werden. Sie wird dabei für Durchfahrten und -Gänge an mehreren Stellen unterbrochen. Diese Lücken sollen ebenfalls durch mobile Schutzelemente geschlossen werden. Im Bereich der ehemaligen Jugendwerkstatt liegt die Mauerhöhe knapp unter der Fensterkante. Direkt vor der Terrasse soll eine Öffnung den freien Blick in Richtung Hafen ermöglichen. Sie wird später ebenfalls mit mobilen Elementen geschlossen. Im Bereich der Gastronomie ist eine Erhöhung im Vergleich zur vorhandenen Mauer nur unwesentlich nötig. An seinem höchsten Punkt ragt die Mauer zukünftig fast zwei Meter in den Himmel. Den Vorschlag der Verwaltung hat der Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz nun auch an dem Rat empfohlen. Kosten soll die ausgesuchte Variante etwa 1,9 Millionen Euro. Hinzu kommen Kosten für die Lagerung der mobilen Mauerelemente. Die müssen auch mindestens einmal im Jahr getestet und regelmäßig gewartet werden. Bei der Planung für den Hochwasserschutz drückt die Stadtverwaltung aufs Tempo. Ziel ist es, noch rechtzeitig die geeigneten Fördermittel zu ergattern. Immerhin sind bis zu 70 Prozent Unterstützung möglich. Aus den aktuellen Planungen ausgeklammert bleibt vorerst das Hafenbecken. Zwar wurden auch hierzu Varianten aufgezeigt, eine Entscheidung oder Empfehlung dafür oder dagegen wurde allerdings noch nicht ausgesprochen. Aktuelle Überlegungen sehen demnach vor, einen Teil des Hafenbeckens aufzufüllen, statt bloß eine Mauer zu errichten. Bei der Planung sind laut Bauamtsleiter Ralf Wilde auch die Unternehmer und Vereine am Hafen sprichwörtlich mit ins Boot geholt worden. „Es wird miteinander diskutiert“, sagt Wilde.

Über den Schutz des Restes der Stadt macht sich die Verwaltung derzeit ebenfalls schon Gedanken – von denen ist allerdings noch keiner so weit wie dieser. Wie realistisch so ein Jahrhundert-Hochwasser für Hameln am Ende ist, bleibt außen vor. Sollten sich die Planer aber nicht an diesem Richtwert orientieren, geht der Griff zu den Fördertöpfen ins Leere, betonen Verwaltung und Ingenieur-Büro. Übrigens: Zuletzt erreiche ein mit HQ100 vergleichbares Hochwasser die Stadt im Jahr 1946.



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