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Hamelner hat App mitentwickelt

Wenn das Handy vor Raketen warnt

Hameln. „Eiserne Kuppel“ – so heißt übersetzt Israels Raketenabwehrsystem ‚Iron Dome‘, das die israelische Bevölkerung vor dem Beschuss durch Raketen aus dem Gazastreifen schützen soll und einen Großteil der Hamas-Geschosse bereits im Anflug zerstört. In Anlehnung an diese Bezeichnung gibt es seit ein paar Tagen auch eine kostenlose ‚iRon Dome‘-App. Sie informiert den Nutzer über Sirenenalarm auf israelischem Gebiet und warnt ihn mit ohrenbetäubendem Alarm, sollte er sich im berechneten potenziellen Einschlagradius einer Rakete aufhalten.

veröffentlicht am 04.08.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 20:21 Uhr

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Autor:

Sabine Brakhan
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Nichts weiter als eine Randnotiz zum politischen und humanitären Drama in Nahost? Aus Hamelner Sicht rückt die App den Krieg ein Stück näher: Denn programmiert wurde diese Anwendung für Smartphones und Tablet-PCs in New York – und in Hameln. Sie stieß bereits international auf Medieninteresse.

„Wir haben die App innerhalb von nur vier Tagen entwickelt. Durch die Zeitverschiebung konnte ich arbeiten, während mein Kollege Ben Honig in New York schlief und umgekehrt“, beschreibt Arik Sosman die optimale Arbeitsteilung über den großen Teich hinweg. Mittlerweile hat die Anwendung seit dem Start am 20. Juli bereits über 3000 Nutzer und erfasste 13 000 Sirenenalarme in ganz Israel. Bis zu 57 Anfragen pro Sekunde erreichen den Server, wie der Hamelner auf einer Grafik am Computer verfolgen kann.

Arik Sosman ist 19 Jahre alt. Er wurde in Tel Aviv geboren und lebt seit dem Jahrtausendwechsel in Hameln. Berufliche Gründe veranlassten die Eltern zur Auswanderung. Ein echtes Turbo-Abitur legte Arik vor zwei Jahren am Hamelner Schiller-Gymnasium hin – mit 17 und der Traumnote 1,0. Mittlerweile studiert er im vierten Semester an der Leibniz-Universität in Hannover Mathematik mit dem Anwendungsfach Informatik. Seine Hobbys sind neben dem Lesen und Klavierspielen – wie könnte es anders sein – Software-Entwicklung. Und auf diesem Gebiet ist der Hamelner richtig erfolgreich: Sowohl im letzten als auch in diesem Jahr konnte er sich über eines von weltweit 150 Apple-Stipendien freuen. Um zur World Wide Developers Conference (WWDC) eingeladen zu werden, musste er innerhalb einer Woche eine App über den eigenen Lebenslauf entwickeln.

„Die WWDC ist eine von Apple in Kalifornien veranstaltete Konferenz. Hier treffen sich jedes Jahr 5000 Software-Entwickler. 150 sind über ein Stipendium dabei, für alle anderen kostet die Teilnahme 1600 Dollar. Die Konferenz beginnt mit einer Keynote, die Apple dazu nutzt, um zukünftige Produkte vorzustellen. Anschließend finden Vorträge und Workshops statt“, berichtet Arik über seine beiden Aufenthalte im Moscone Center in San Francisco.

In Amerika wurde er auch erstmals Zeuge eines Schusswechsels. „Der Anschlag auf den Boston-Marathon war gerade vier Wochen her, und während ich voller Angst Deckung suchte, zückten andere im Schutz der nächsten Ecke ihr Handy und nahmen die Schießerei auf“, berichtet der Hamelner. Für so ein leichtsinniges Verhalten hat Arik wenig Verständnis.

Auch viele seiner Landsleute in Israel setzen all ihr Vertrauen in das Raketenabwehrsystem und missachten Warnungen. „Sie haben eine Apathie entwickelt, ignorieren die Sirenen und werden leichtsinnig“, weiß er aus Berichten seiner Freunde und Verwandten von der Lage vor Ort. Mit seiner App möchte er dazu beitragen, dass die Menschen in Israel die Möglichkeit haben, sich vor einer Gefahr durch Raketenbeschuss optisch und akustisch eindringlich warnen zu lassen. „Take cover!“ fordert das Display begleitet von ohrenbetäubendem Alarm den Nutzer auf, sich in Sicherheit zu bringen.

Für eine hannoversche Firma arbeitet Arik neben seinem Studium an der Entwicklung von Software, welche die Sicherheit mobiler Datenübertragungen analysiert. Einen ganz großen Traum musste der Hamelner allerdings in diesem Jahr aufgeben: Er hatte die Möglichkeit, sich für zwei Monate als Gaststudent an der amerikanischen Eliteuniversität Stanford einzuschreiben. „Leider scheiterte es an den Studiengebühren in Höhe von 14 000 Dollar“, gesteht Arik. Auch bei der Entwicklung von Apps ist der junge Programmierer auf Spenden und Einnahmen aus Werbung angewiesen, um die Anwendung den Nutzern kostenlos zur Verfügung stellen zu können. Und während er am Abend am Klavier sitzt und „La Cumparsita“ spielt, blendet sein i-Pad neben den Noten des vom uruguayischen Musiker und Komponisten Gerardo Matos Rodríguez geschriebenen Musikstücks parallel auch den nächsten Raketenbeschuss auf Israel ein …

Mit seiner App „iRon Dome“ möchte Sosman dazu beitragen, dass sich Menschen in Israel vor Raketen in Sicherheit bringen können. Die App ist abzurufen unter http://bit.ly/iRonDomeApp



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