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Höhere Ökostrom-Umlage trifft besonders Verbraucher – und die ärmeren unter ihnen noch härter

Wenn bei der Energiewende etwas schiefläuft

Hameln. „Das ist bitter“, sagt Marianne Fiebig und deutet auf den Artikel in der Zeitung. Der Strom in Deutschland wird teurer, im kommenden Jahr wohl so teuer wie nie. Das liegt – unter anderem – an der Ökostrom-Umlage. Diese soll helfen, die Kosten für den Ausbau der erneuerbaren Energien zu verteilen. Die Umlage steigt zum Jahreswechsel von rund 3,6 Cent auf etwa 5,3 Cent je Kilowattstunde. Hinzu kommt die Mehrwertsteuer, so dass es am Ende knapp 6,3 Cent sind.

veröffentlicht am 16.10.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 09:41 Uhr

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Autor:

Robert Michalla
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Fiebig sitzt an ihrem Wohnzimmertisch, die Sonne versteckt sich hinter den Wolken, das Licht an der Zimmerdecke aber bleibt aus. Fiebig arbeitet 30 Stunden die Woche in einem Supermarkt, dazu erhält sie Geld aus einer Witwenrente. In ihrem zweiten Haus nebenan wohnen noch ihre Tochter sowie ihre pflegebedürftige Schwester. Eigentlich, sagt Fiebig, unterstütze sie die Energiewende ja. Sie beziehe Ökostrom, außerdem engagiere sie sich bei Greenpeace. Die Häuser saniere sie nach und nach, mal lasse sie neue Fenster einbauen, mal lasse sie ein Haus dämmen, um Energiekosten zu sparen. Am Ende des Monats muss Fiebig nach eigenen Worten 400 Euro für Strom und Gas an ihren Versorger überweisen. Um etwas auf die hohe Kante zu legen, fehle ihr das Geld, gesteht sie. Und jetzt steigt noch die Umlage.

Strom aus Sonne oder Wind zu gewinnen, ist teurer als die Produktion mit Kohle oder Atomkraft. Damit die erneuerbaren Energien sich durchsetzen, werden sie gefördert. Für jede Kilowattstunde, die ins Netz gelangt, erhält der Produzent einen festen Betrag, eine Einspeisevergütung. Je mehr Strom aus Erneuerbaren stammt, umso günstiger wird er. Weil den Produzenten aber eine Summe zugesichert ist, steigt die Umlage. Und weil sich Unternehmen teilweise von der Zahlung befreien lassen, müssen die Verbraucher ran.

Wie Fiebig gehe es vielen, sagt Thomas Kuper, der im „Natur- und Umweltschutzzentrum“ (NUZ) am Berliner Platz arbeitet. Er berät Menschen, die Strom sparen wollen – oder müssen. Denn, so Kuper, gerade diejenigen, die schon wenig Geld hätten, zum Beispiel Rentner oder Hartz-IV-Empfänger, treffe die höhere Umlage um einiges härter. 374 Euro erhält ein alleinstehender Hartz-IV-Empfänger pro Monat. Laut Gesetz acht Prozent davon, also rund 30 Euro, sind unter anderem für Energiekosten gedacht. Doch das reiche oft nicht aus, sagt Kuper. Denn gerade Hartz-IV-Empfänger oder Rentner hielten sich täglich länger in ihrer Wohnung auf als diejenigen, die morgens zur Arbeit führen. Die Folge: Das Licht brennt länger, der Fernseher läuft öfter, die Stromrechnung steigt. Auch neuere Kühlschränke, die weniger Strom verbrauchen, können sich Hartz-IV-Empfänger kaum leisten. Laut einem Bericht des ARD-Politikmagazins „Report Mainz“ wurde 200 000 Hartz-IV-Empfängern im vergangenen Jahr der Strom ganz abgestellt – vielen fehlte das Geld für die Stromnachzahlung.

Den Regelsatz für Hartz-IV-Empfänger kann Kuper zwar nicht erhöhen. Er kann aber an anderer Stelle helfen: „Ich wünsche mir eine Schulung für Hartz-IV-Empfänger“, sagt er. Viele wüssten gar nicht, dass ein Flachbild-Fernseher mehr Strom verbrauche als das alte Röhrenmodell. „Ich fahre auch zu den Leuten raus“, fügt Kuper hinzu. Ein Anruf unter 05151/ 13671 reiche aus.

Auch Marianne Fiebig hat sich Hilfe geholt. Morgen kommt der nächste Berater und durchkämmt ihr Haus nach Stromfressern. „Ich bin für solche Tipps immer sehr dankbar“, sagt sie. „Man will es ja auch komfortabel haben.“ Dass manche Menschen, aus welchen Gründen auch immer, ganz ohne Strom leben, mag sie sich lieber nicht vorstellen. Sie selbst kann ihre Rechnungen bezahlen. Doch das Geld, das sie auf die Stromrechnung oben drauflege, fehle eben an anderer Stelle, und sei es nur für ein neues Paar Schuhe.

„Man will es ja auch komfortabel haben“: Marianne Fiebig steht vor ihrem Haus. Auf dem Dach hat sie bereits vor Jahren eine Solarthermie-Anlage installieren lassen. Seither erhitzt die Sonne einen Teil des Wassers. Das hilft, die Energiekosten zu senken. Foto: rom



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