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Elisabeth-Selbert-Schule weiß nicht, wie sie „Feuerwehrkräfte“ bezahlen soll

Weniger Überschüsse für Berufsschulen

HAMELN. Weil die Überschüsse in den Schulbudgets in Niedersachsen stärker verbraucht werden als in den Vorjahren, fällt das Budget, das Berufsschulen zur freien Verfügung haben, kleiner aus. Für die Elisabeth-Selbert-Schule ist das eine Herausforderung.

veröffentlicht am 09.01.2019 um 13:37 Uhr
aktualisiert am 09.01.2019 um 19:20 Uhr

Die Elisabeth-Selbert-Schule muss mit einem kleineren Budget über die Runden kommen. FOTO: DANA
Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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Die Elisabeth-Selbert-Schule steht vor einem Problem: Weil sie etwaige Überschüsse aus ihrem Budget nicht mehr in vollem Umfang für ihre Zwecke verwenden darf, blickt die Schulleiterin Gisela Grimme auf Lücken im Lehrerzimmer, die sich dort ab Mai auftun. Ihre Schule sei besonders von der neuen Regelung auf Landesebene betroffen, erklärt Grimme, „weil wir eine Schule mit sehr vielen jungen Kolleginnen sind“, die schwanger werden, in Mutterschutz und in Elternzeit gehen und jetzt nicht mehr aus eigenen Mitteln mit sogenannten Feuerwehrkräften ersetzt werden können.

Laut niedersächsischem Kultusministerium wird das Budget der Schulen jedoch nicht gekürzt (wir berichteten), sondern es würden Überschusse abgeschmolzen. Für die Elisabeth-Selbert-Schule bedeutet das unterm Strich trotzdem: erheblich weniger Geld, das sie für Fortbildungen oder eben Lehrkräfte, die nicht als Beamte beschäftigt, sondern mit einem zeitlich befristeten Vertrag angestellt werden, ausgeben kann. Die geplante Zuweisung für das Schuljahr beträgt nach Grimmes Aussage 130 000 Euro. „Das Geld ist schon weg“, erklärt sie, nämlich für die Verträge, die noch zu erfüllen sind. Der Vergleich mit den Vorjahren macht die finanzielle Lücke, die sich auftut, deutlich: 2018 habe die ESS noch 360 000 Euro zur Verfügung gehabt, 2017 seien es 508 000 Euro gewesen.

Schon 2018 habe das Geld nicht mehr gereicht und die Ausgaben nicht mehr decken können, sodass 65 000 Euro hinzugenommen wurden von anderen Schulen, die ihre Budgets nicht in Gänze brauchten. Ab Mai dieses Jahres würden vier junge, schwangere Kolleginnen der Schule nicht mehr als Lehrer zur Verfügung stehen – ein Ersatz ist nicht in Sicht. Der Landesschulbehörde habe sie diesen Umstand gemeldet, sagt Grimme, eine Aussage dazu gebe es bisher nicht.

Sie bedauere, dass die Schule mit einem kleineren Budget, das auf Basis sogenannter Lehrer-Soll-Stunden berechnet wird und unter anderem von der Schülerzahl abhängt, nicht mehr so flexibel auf neue Herausforderungen reagieren kann. Als Beispiel nennt sie die Phase, in der viele Flüchtlinge an die Schule kamen und sie damals dank des eigenen Budgets schnell Lehrkräfte anstellen konnte, die Deutsch unterrichtet haben. „Wir bilden Berufe aus, die die Welt braucht“, beschreibt Grimme einige Lehrinhalte an der ESS – Altenpflege und Erzieher beziehungsweise Sozialassistenten sind zwei Beispielbereiche – „und bekommen das Geld nicht, das wir brauchen.“

Für die Handelslehranstalt und die Eugen-Reintjes-Schule sieht es dagegen besser aus. Die HLA muss laut Oberstudiendirektor Bernd Strahler keine Lehrer als Feuerwehrkräfte extra anstellen, sondern findet auf dem Markt ausreichend Personal, das ins Beamtenverhältnis übernommen wird. „Wir haben immer recht viel“, sagt Strahler über das zugewiesene Budget. So viel, dass seine Schule zu jenen zählt, die Geld an andere Einrichtungen wie die ESS abgeben.

Auch an der Eugen-Reintjes-Schule hält sich die Aufregung angesichts der Umverteilung der Mittel in Grenzen. „Wir haben noch einigermaßen Glück“, sagt Oberstudiendirektor Johannes Stolle. Zum einen sei der Großteil der Lehrkräfte männlich – wegen Schwangerschaften fällt von ihnen also keiner und wegen Elternzeit kaum einer aus. Zum anderen sei die Verfügbarkeit von Lehrkräften auf dem Markt für die technischen Berufe weniger angespannt als für die ESS. „Aber auch wir können nicht alle Fächer und Fachrichtungen abdecken und suchen Lehrkräfte“, bedauert Stolle die chronische Unterdeckung mit Stellen. Sein Eindruck sei, dass berufsbildende Schulen als weniger wichtig erachtet werden als allgemeinbildende.

Das Kultusministerium erklärt auf Anfrage, dass bisherige Budgetüberschüsse in Höhe eines mehrstelligen Millionenbetrages, sogenannte Ausgabereste, nur deshalb entstanden seien, „da aufgrund der prekären Lage auf dem Lehrerarbeitsmarkt sehr viele Lehrerstellen an BBS nicht besetzt werden konnten“. Für das Jahr 2018 sah das anders aus, das Geld sei „schlicht ausgegeben worden“. Das bedeute, dass „nicht mehr so viel Geld zum Beispiel für befristete Verträge zur Verfügung steht wie in den letzten Jahren, dafür aber mehr Lehrkräfte fest eingestellt worden sind“ – und dass eine Unterrichtsversorgung, die an vielen BBS häufig unbefriedigend ist und im Schuljahr 2016/17 nur 88,1 Prozent betrug, im laufenden Schuljahr nach ersten Erkenntnissen von 90 Prozent erwartet werden könne. „Das gilt auch für die Elisabeth-Selbert-Schule“, heißt es aus Hannover. Diese Tendenz sei positiv, aber noch nicht zufriedenstellend, für 2019 und 2020 würden erneut mehr Stellen und mehr Mittel beantragt.



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