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Mystica Hamelon feiert das Mittelalter – doch wie lebten die Menschen damals wirklich?

Wenig Platz für Romantik

Hameln. Geprägt von Rittern und Burgfräulein, Edelmut und Romantik – oder doch eher finster, blutrünstig und von Pest und Armut verfinstert? Das Leben im Mittelalter fasziniert bis heute. Doch entsprechen diese Vorstellungen wirklich dem alltäglichen Leben von Bauern, Kaufleuten und Adel?

veröffentlicht am 01.03.2016 um 19:50 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 17:41 Uhr

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Autor:

Sabrina Kleinertz
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Hameln. Geprägt von Rittern und Burgfräulein, Edelmut und Romantik – oder doch eher finster, blutrünstig und von Pest und Armut verfinstert? Das Leben im Mittelalter – also zwischen dem 4. und 15. Jahrhundert – fasziniert bis heute. Mittelaltermärkte, so wie am kommenden Wochenende Mystica Hamelon, locken kleine und große Zeitreisende. Für ein paar Stunden altes Handwerk erleben, Roben, Rüstungen und Waffen bestaunen, vielleicht wie ein Ritter an einer Tafel speisen – gelebte Mittelalternostalgie. Doch entsprechen diese Vorstellungen wirklich dem alltäglichen Leben von Bauern, Kaufleuten und Adel?

Schlüssel war ein Statussymbol

„Ich würde dieses Zeitalter als spannende, dunkle Zeit mit vielen Parallelen zu heute beschreiben“, fasst Iris Stumpe zusammen, die als Museumspädagogin regelmäßig Führungen durch das Hamelner Museum anbietet. Sogar Kinder kommen mit ihren Geburtstagsgästen zu ihr, um spielerisch das Mittelalter zu erleben. „Ich denke, dass die Menschen schon damals Sehnsucht nach einer Familie und Heimat hatten“, so Stumpe weiter. Hunger und Armut seien jedoch ein ständiges Problem gewesen, allerdings hatten im Feudalsystem damit natürlich die einfachen Leute wie Bauern zu kämpfen, den Rittern ging es besser. Tugenden wie Höflichkeit, Pünktlichkeit und Gehorsam zeichneten die Ritter im Optimalfall aus. Doch Mut und Tugendhaftigkeit hin oder her: Wer mit der schweren Rüstung in den Krieg zog (siehe „Kinderleicht“), war auf helfende Hände angewiesen. „Da man sich als Ritter alleine weder an- noch entkleiden konnte und auch nach einem Sturz in voller Ausstattung nicht wieder aus eigener Kraft auf die Füße kam, brauchte man Knappen“, erklärt Stumpe.

Und wie lebten Familien in den Städten? „Ein Haustürschlüssel, wie wir ihn noch heute kennen und benutzten, war früher auch ein Symbol und Kennzeichen“, erklärt Iris Stumpe, „wer einen Schlüssel besaß, der hatte ein richtiges zu Hause und nicht nur eine kleine Hütte.“ Dass die Frauen dabei die Schlüsselgewalt hatten, ergab sich aus ganz praktischen Gründen. „Da Männer oft als Bauern, Kaufleute oder Handwerker unterwegs waren, trugen die Frauen den Schlüssel an ihrer Schürze“, so Stumpe.

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Ratten waren da nicht fern...

Auch ein Löffel war von kaum überschätzbarem Wert. „Jeder hatte seinen eigenen Löffel und vergaß man den zu einer Mahlzeit, hatte man schlichtweg Pech gehabt.“ Kein Wunder also, dass das Besteck vererbt wurde, man also nicht nur in übertragenem Sinne „den Löffel abgab“.

Weniger Gedanken machten sich die mittelalterlichen Hamelner hingegen über die heute so wichtige Mülltrennung. „Schlimmer noch – man warf Abfälle einfach aus dem Fenster“, beschreibt Iris Stumpe. Ratten und anderes Ungeziefer ließen da nicht lange auf sich warten. „Allein in Hameln – im Mittelalter übrigens eine Mühlenstadt – gab es sechs bis sieben Rattenfänger, die Fallen und andere Hilfsmittel gegen die ungeliebten Nager einsetzten.“ Die Pestwelle, auch als „der Schwarze Tod“ bekannt, kostete Millionen Menschen das Leben.

Hätten Mittelaltermärkte also so manche historische Korrektur nötig? „Ich finde es gut, wie man solche Märkte und Feste gestaltet“, sagt die Museumspädagogin und ergänzt: „Das umfangreiche Hintergrundwissen kann man ja dann zusätzlich im Museum bekommen.“

Termin: Im Rahmen von Mystica Hamelon (4. bis 6. März) veranstaltet das Museum eine besondere Führung. Am Samstag, 5. März, ab 18 Uhr können Gäste im abgedunkelten Museum hören und sehen, was sich im Mittelalter in Hameln zugetragen hat. Treffen um 17.45 Uhr.

Mittelalter-Spuren in Museum und Stadt: Der Getreidehandel (li.) war auch in der Mühlenstadt Hameln wichtig. Ratten waren da nicht fern – und brachten die Pest (2. v. li.). Das Schmutzwasser floss damals aus Wasserspeiern auf die Straße (re.).fn/Wal



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