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Von Hutträgern und Amphibien

Welliehausen wird Naturschutzgebiet - aber wer will den Schießstand?

Im Sommer 2014 haben sich die Briten mit einer feierlichen Parade aus Hameln verabschiedet – aus Sicht der Stadtplaner eine große Chance. Nur selten bietet sich die Gelegenheit, teils mitten in der Stadt riesige Flächen neu zu überplanen und sie den Menschen oder der Natur zurückzugeben. Drei Jahre nach dem Abzug blicken wir auf die zehn Areale, zeigen auf, was dort passieren soll und wie weit die Planungen vorangeschritten sind. Heute: Schießstand Holtensen und Welliehausen.

veröffentlicht am 24.07.2017 um 18:19 Uhr

Das Gelände bei Welliehausen soll als Naturschutzgebiet ausgewiesen werden. Foto: dana
Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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HOLTENSEN/WELLIEHAUSEN. Betonmauern auf grüner Wiese, von der Holtenser Landstraße gut zu sehen, einige Gebäude – das ist der Schießstand Holtensen. Das Gelände umfasst etwa 5,4 Hektar und hat eine ungewisse Zukunft. Es ist prädestiniert für eine entsprechende Folgenutzung durch Sicherheitsunternehmen, Jägerschaft, Schießsportvereine, und es hat laut Stadtbaurat Hermann Aden auch etliche Interessenten gegeben. Doch es habe sich in letzter Konsequenz bisher noch „kein Hutträger“ gefunden, sie Aden sagt, also keiner, der bereit ist, Geld in die Hand zu nehmen, um die nicht benötigten Bauten abreißen und entsorgen zu lassen.

Auf ihrer Internetseite erklärt die Stadt, dass ein „stadtverträgliches Nutzungskonzept“ entwickelt werden müsste. Nicht möglich seien auf diesem Gelände Tontaubenschießen oder auch die Nutzung als Paintballanlage „an diesem sensiblen Standort“. Adens Schlussfolgerung, wenn sich kein Käufer findet: „Dann wird’s erst mal so bleiben.“ Ein Umstand, der ihm missfällt, wie er sagt.

Ebenfalls im Sünteltal befindet sich die 27 Hektar große Fläche, die in den Konversionsplänen immer nur „Welliehausen“ genannt wird. Noch bevor die Briten Hameln verlassen hatten, war die Stadtverwaltung zusammen mit der Kreisverwaltung tätig geworden und haben alles in die Wege geleitet, um aus diesem Gebiet ein Naturschutzgebiet werden zu lassen. Der Schulterschluss ist notwendig, weil ein Teil der Fläche auf Stadtgebiet liegen, der weitaus größere auf Hessisch Oldendorfer. 8000 Quadratmeter hat die Stadt Hameln gekauft für etwa 10 400 Euro, – auch Fläche, die in Privatbesitz war. Der Landkreis hat 26 000 Quadratmeter für etwa 32 000 Euro übernommen. Eine sogenannte Sicherstellungsverordnung wurde von Hamelns damaliger Oberbürgermeisterin Susanne Lippmann und Landrat Tjark Bartels unterzeichnet. Diese sollte eben sicherstellen, dass das Gebiet nicht anderweitig genutzt wird.

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Sicherheitsunternehmen, Jägerschaft, Schießsportvereine? Wer übernimmt den ehemaligen Schießstand der Briten bei Holtensen. Foto: dana
  • Sicherheitsunternehmen, Jägerschaft, Schießsportvereine? Wer übernimmt den ehemaligen Schießstand der Briten bei Holtensen. Foto: dana

In der Verwaltungsvorlage heißt es: „Zielsetzung aus naturschutzfachlicher Sicht ist der Erhalt der Gesamtfläche mit kleinräumigem Wechsel von Ruderalfluren, Gebüschen und Stillgewässern sowie blütenreichen Brachflächen.“ Dabei sei die Sicherung der temporären Stillgewässer als Lebensräume für Amphibien von herausragender Bedeutung – vor allem die vom Aussterben bedrohte Gelbbauchunke. Diese Stillgewässer entstehen in den alten Spuren, die Panzer und andere schwere Fahrzeuge auf dem Gelände hinterlassen haben.

Inzwischen ist mit dem Schutzgebietsverfahren begonnen worden. Laut Sandra Lummitsch, Sprecherin des Landkreises hat die dafür nötige Verordnung als Entwurf bis zum 9. Juni öffentlich ausgelegen. Jetzt würden die eingegangenen Stellungnahmen derzeit bearbeitet und gegebenenfalls in die Verordnung eingearbeitet. Die Ausweisung werde schließlich öffentlich bekannt gegeben. Einen genauen Zeitplan gebe es nicht, „wir gehen momentan davon aus, dass die Ausweisung bis Ende des Jahres erfolgt sein könnte“.

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