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Nicht alles, was heute in der Kirche gelesen und gesungen wird, ist für jeden verständlich

Weihnachtsgottesdienst für Anfänger

Hameln. Heute wird es voll in den Kirchen – richtig voll. „Aber draußen bleiben musste bei uns noch nie jemand“, beruhigt Pastor Thomas Risel, bevor er in die Marktkirche verschwindet – um zusätzliche Stühle aufzustellen. So nehmen heute wieder viele in Kirchenbänken (oder -stühlen) Platz, die sonst nicht den Gottesdienst besuchen. Der eine oder andere Lied- oder Lesungstext dürfte aber nicht nur in den Ohren dieser Feiertags-Gläubigen klingen wie eine magische Formel: schön, aber nicht wirklich verständlich. Wir bemühen uns um Aufklärung.

veröffentlicht am 24.12.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 09:41 Uhr

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Frank Henke

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Frank Henke Redaktionsleiter zur Autorenseite
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Beginnen wir ganz einfach: mit der Weihnachtsgeschichte: „Es begab sich aber zu der Zeit …“ Die berühmten Worte leiten das zweite Kapitel des Lukas-Evangeliums ein. Was folgt, ist eigentlich hinlänglich bekannt: die Herbergssuche, das Kind in der Krippe, die Hirten auf dem Feld, der Engel. Vers 1 bis 20 sind zum Fest unzählige Male in Kirchen und daheim zu hören. Wer genauer hinhört, findet vielleicht trotzdem Überraschendes. Zum Beispiel: „Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge“, heißt es (Lk, 2, 7). Wir fassen zusammen: Von einer Krippe ist die Rede, aber nicht von „Behtlehems Stall“. Wo die Krippe stand, wird in der Bibel nirgends erwähnt. Vielleicht handelte es sich schlicht um eine Höhle, und die Krippe war nichts weiter als eine Wandnische. Dies würde – sagen Fachleute – zumindest eher in die Landschaft um Bethlehem vor 2000 Jahren passen als die schmucken, soliden Ställe, die bei uns als Krippen unter dem Weihnachtsbaum stehen. Wer die Weisen aus dem Morgenland in der Weihnachtsgeschichte vermisst, muss in der Bibel zurückblättern. Sie tauchen im zweiten Kapitel des Matthäusevangeliums auf. Dies wird Weihnachten in der Kirche ebenfalls gelesen, tendenziell aber erst am späteren Abend – in der Christmette.

Zeitlich ein ganzes Stück vorher anzusiedeln sind die Prophezeiungen: Sie sind es im Grunde, die das Kind im Stall zum Heiland machen. Also dürfen auch sie im Weihnachtsgottesdienst nicht fehlen. Im Alten Testament verkündet etwa Jesaja etwa 700 Jahre vor Christi Geburt: „Darum wird euch der HERR selbst ein Zeichen geben: Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie nennen Immanuel.“ (Jesaja, 7, 14). Evangelist Matthäus bezieht diese Stelle auf Jesus. Immanuel (übersetzt: „Mit uns ist Gott“) wird Jesus ansonsten allerdings nirgends in der Bibel genannt.

Die Texte von Kirchenliedern sind wohl ein steter Quell von Un- oder Missverständnissen. Da wäre dann etwa die Sache mit „Gottes Sohn Owi“. Schließlich heißt es im Text von „Stille Nacht“: „Gottes Sohn Owi lacht.“ Pastor Risel kennt solche Kalauer und kann darüber schmunzeln. Bei anderen Liedern geht es nicht um so simple Verhörer („o wie lacht“ heißt es natürlich), sondern eher um Poesie und Fremdsprachen.

Da wäre zum Beispiel die Maria im Dornwald. Was macht sie nur dort? Davon ist in der Weihnachtsgeschichte doch gar nicht die Rede! Eigentlich war „Maria durch ein Dornwald ging“ mal kein Advents- sondern ein Wallfahrtslied. Seine Wurzeln reichen mindestens zurück bis an den Anfang des 17. Jahrhunderts, heißt es. Der Text – in der heutigen Fassung auch schon über 100 Jahre alt – bezieht sich auf Marias Besuch bei Elisabeth, der Mutter von Johannes dem Täufer. Auf dem Weg dorthin geht die schwangere Maria nun – eine poetische Idee des Lieddichters – durch einen abgestorbenen Dornwald, hier ein Sinnbild für Unfruchtbarkeit und Tod. Als Maria vorübergeht, beginnt das Dornengestrüpp zu blühen: Leben, Liebe, Hoffnung! Doch was bedeutet das wiederkehrende „Kyrie eleison“? Diese griechische Formel wird oft zur Eröffnung von Gottesdiensten gesprochen. Sie bedeutet: „Herr, erbarme dich!“

Noch einen Hauch mehr fremdsprachigen Anteil hat ein anderes beliebtes Weihnachtslied zu bieten: „Hört der Engel helle Lieder“ heißt es offiziell. Besser bekannt ist es aber wohl als „Gloria (in excelsis Deo)“. Das Lied stammt aus Frankreich, der Text ist im Grunde leicht verständlich. Die Hirten auf dem Feld erfahren von der Geburt des Jesuskindes. Die Verkündigung der Engel, von der die Lukas-Weihnachtsgeschichte spricht, frei nachgedichtet. Aber was ist das im Refrain? „Gloria in excelsis Deo“? Eigentlich ganz einfach: Die lateinische Formel bedeutet: Ehre sei Gott in der Höhe.

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