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Forderung aus der Politik kommt dort nicht gut an

Weg mit der Praxisgebühr? Ärzte und Kassen lehnen ab

Hameln (bha). Seit acht Jahren gehört der Begriff zum Wortschatz eines Deutschen, ebenso lange ist die Praxisgebühr umstritten. In wenigen Tagen ist es wieder so weit: mit dem April beginnt ein neues Quartal, für das die Patienten wieder zehn Euro zahlen müssen, wenn sie zum Arzt gehen. Dann dauert die Betreuung eines jeden Patienten am Tresen wieder einige Minuten länger, bis alle Formalitäten erledigt sind. Vor wenigen Tagen wurde einmal mehr die Forderung nach Abschaffung der Gebühr laut. Die FDP will sie nicht mehr, die Linke nicht, die SPD nicht, die Grünen nicht. Nur die CDU/CSU hält an ihr fest. Doch selbst die Ärzteschaft in Hameln spricht sich nicht uneingeschränkt gegen die Gebühr aus.

veröffentlicht am 29.03.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 17:41 Uhr

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Vor acht Jahren war der Aufschrei groß. Der Verwaltungsaufwand in den Arztpraxen stieg mit Einführung der Praxisgebühr sprunghaft an. Die Anzahl der Arztbesuche ging im ersten Jahr der Gebühr stark zurück. Doch dieser Effekt war nur kurzfristiger Natur. Und auch an den Verwaltungsaufwand haben sich die Ärzte offenbar gewöhnt, wie Dr. Markus Hedemann, Sprecher der Kassenärzte in Hameln, schildert. „Es würde uns zwar organisatorisch entlasten“, sagt er über die Option „Abschaffen“, doch andererseits „klappt’s jetzt auch“ reibungslos mit der Abrechnung. Und letztlich säßen die Ärzte diesbezüglich auch mit den Krankenkassen in einem Boot, will heißen: Wenn dann, nach Abschaffung der Praxisgebühr, „das Argument käme, dass jetzt kein Geld mehr da ist“ und Ärzten das Budget gekürzt würde – dann doch lieber die Praxisgebühr beibehalten und den Verwaltungsaufwand in Kauf nehmen, beschreibt Hedemann die Zwickmühle. Nach seiner Erfahrung hätten sich aber auch die Patienten mittlerweile an das Prozedere und die Ausgabe gewöhnt. Viele seien ohnehin von der Gebühr befreit. „Es gibt kein Murren mehr“, sagt Hedemann.

Etwa zwei Milliarden Euro nehmen die gesetzlichen Krankenkassen jährlich über die Gebühr ein. Rund 50 Millionen Euro sind es laut Carsten Sievers bei der AOK Niedersachsen. „Wir sehen nicht die Möglichkeit, sie abzuschaffen“, sagt der AOK-Sprecher. Zwar mache die Gebühr nur einen kleinen Teil des Haushaltes der AOK Niedersachsen von knapp sieben Milliarden Euro aus, aber die Gebühr sei eben eine Säule der Finanzierung. Zudem rechneten die Kassen nach den satten Überschüssen im vergangenen Jahr von etwa 20 Milliarden Euro für 2013 schon wieder mit einer Unterdeckung im System der gesetzlichen Krankenversicherungen durch einen bevorstehenden Anstieg der Ausgaben im Gesundheitswesen. Ziel sei eine solide Finanzplanung „ohne Fahrstuhleffekt“.

Einen positiven Effekt habe die Gebühr jedenfalls gehabt, den auch die Ärzte begrüßen: Der überweisende Hausarzt hat mehr als zuvor einen Überblick über die Schritte des Patienten und erhält über die Berichte der Fachärzte wichtige Informationen über den Gesundheitszustand seiner Patienten.

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  • Hedemann
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  • Sievers


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