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Fehlinformation rückt Hameln in fragwürdiges Licht

Website über Novemberpogrome sorgt für Verwirrung

HAMELN. Für Verwirrung hat dieser Tage ein Satz auf einer neuen Website gesorgt, welche von den Novemberpogromen von 1938 in Niedersachsen und Bremen handelt. Dort war zu lesen, dass die Stadt Hameln der jüdischen Gemeinde ihr Grundstück in der Bürenstraße nie zurückerstattet habe, sodass die heutige Gemeinde gezwungen sei, das Areal zu pachten. Inzwischen ist dieser Satz von der Internetseite verschwunden. Was war geschehen?

veröffentlicht am 09.11.2018 um 09:35 Uhr

Um 2001 hat die Jüdische Gemeinde Hameln das Grundstück ihrer Vorgänger-Gemeinde der Stadt abgekauft. Foto: Dana
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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Im Wortlaut hieß es auf der Website (pogrome1938-niedersachsen.de/hameln/) zunächst: „Außerdem ist anzumerken, dass die Stadt Hameln bis heute der jüdischen Gemeinde das Grundstück in der Bürenstraße nicht zurückerstattet hat. Bis heute muss die Gemeinde das Grundstück von der Stadt gegen Geld pachten.“ Auf Anfrage der Dewezet stellt Stadtsprecher Thomas Wahmes klar: „Das Grundstück, auf dem sich heute die Synagoge befindet, ist nicht in Besitz der Stadt, sondern gehört der liberalen Jüdischen Gemeinde.“ Tags darauf, am Mittwoch, war der Satz von der Website verschwunden.

Dr. Jens Binner von der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, welche die Website betreibt, bestätigt auf Anfrage der Dewezet, dass an dem Hameln-Abschnitt inzwischen Korrekturen vorgenommen wurden. „Anlass dafür war ein Telefonat mit der Jüdischen Gemeinde Hameln ,Beitenu‘, die uns darauf hingewiesen hat, dass einige Angaben nicht stimmen“, so Binner. Dies habe zum einen die Finanzierung des Synagogenneubaus, zum anderen die Besitzverhältnisse am Synagogengrundstück betroffen.

Die Stiftung gehe nun der Frage nach, woher die sich als falsch erwiesenen Informationen überhaupt stammen. „Wenn wir diese Auskunft haben, werden wir abschließend bewerten, ob die Sätze – eventuell in einer abgeänderten Form – wieder aufgenommen werden“, sagt Binner.

Die Jüdische Gemeinde Hameln war bis Redaktionsschluss zwar nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Doch wie aus einem Dewezet-Artikel vom 10. November 2001 hervorgeht, stellte der damalige Oberbürgermeister Klaus Arnecke seinerzeit in Aussicht, das Grundstück an der Bürenstraße der Jüdischen Gemeinde zu einem „sehr fairen Preis“ zu überlassen. „Dem Vernehmen nach soll sich der Kaufpreis an der Summe orientieren, die die Stadt der früheren Gemeinde im Gefolge der Reichspogromnacht (9. November ’38) als ,Entschädigung‘ für die von Nationalsozialisten in Brand gesteckte Synagoge zahlte – und von der sie sich damals auch noch die Kosten für den Abriss der Ruine abzog“, hieß es in der Dewezet. „Die damalige ,Entschädigung‘ war ein Pappenstiel.“

2011 wurde das Gemeindezentrum „Beitenu“ (deutsch: unser Haus) der Jüdischen Gemeinde Hameln samt Synagoge eingeweiht – als erste Reform-Synagoge in Deutschland seit 1945.



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