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Sechste Komische Nacht gerät zum Lach-Marathon.

Waschlappen mit Beziehungsproblemen

Hameln. Sieben Comedy-Künstler traten auf sieben Hamelner Bühnen auf. Wer sich für einen Ort entschied, konnte bei der Komischen Nacht immerhin fünf der Humorakrobaten im Laufe des Abends genießen.

veröffentlicht am 15.04.2016 um 10:29 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 13:48 Uhr

Komische Nacht in Hameln_Daniel Reinsberg2.jpg

Autor:

Stefan Gliwitzki
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Hameln. Für diesen Abend brauchen die Gäste ein CNS - Comedy Navigation System. "Wo muss ich hin, wenn ich den Reinsberg sehen will, ach nein, lieber den Krämer, aber wann...?" Sieben Künstler treten sieben Locations auf, aber nicht jeder überall, und sie wechseln auch noch ständig. Wer sich für einen Ort entscheidet, kann aber immerhin fünf der Humorakrobaten im Laufe des Abends genießen. Also Sumpfblume, Mexcal, Gasthof Finkenborn, Monopol, Lalu Traumfabrik, Museumscafe oder Grand Café Täglich? In unserem Fall bleibt der Würfel am Stockhof liegen, wo der ausverkauft Saal der Sumpfblume auf die Matadore des Comedy-Marathons wartet. Und der Saal hat an diesem Abend etwas sehr Besonderes, "erinnert mit der schönen Beleuchtung, den langen Tischen, an denen die Gäste essen und trinken an Orte, an denen Varieté zu Hause ist", wie es Zuschauer Rainer Dulas ausdrückt, der bereits das dritte Mal dabei ist.

Und dann geht es los. Den Anfang übernimmt Daniel Reinsberg und begrüßt besonders die Zuschauer "vorn auf den Mitmachplätzen", die sogleich unruhig auf den Stühlen hin- und her rutschen. Der Mann ist ein Multitalent, singt zur Musik von "Don´t worry be happy" eine Satire auf die gegen alles versicherten Deutschen, karikiert hilflose Bahnkunden am Ticketschalter, bringt mal eben einhändig einen Zauberwürfel in die Nullstellung und spricht als Bauchredner mit einem Waschlappen, der eine Beziehung zu einem halben Handtuch hat. Das Shampoo lässt ihn mit "Wash and Go!" abblitzen, und eigentlich ist er ja auch eh "für den Arsch".

Das Eis ist schon gebrochen, als der Hamburger Marcel Kösling mit einem fröhlichen "Moin, Moin" die Bühne betritt. Sein Thema: "Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit". Seine Vergleiche zwischen der handylosen, freien, aber nie unfallfreien Kindheit zu D-Mark-Zeiten und der von Übermüttern gesteuerten Überwachungskindheit, die in Tupperburgen auf alle Kinderbedürfnisse vorbereitet die Spielplätze dominieren, sind herrlich überzogen - oder nicht? Man sieht sie vor sich, die Helikoptermütter, links das Smartphone, rechts die Zigarette zwischen Zeigefinger und Daumen, mit den übrigen Fingern den Kaffeebecher von Starbucks umklammernd und das nie reagierende Kind anbrüllen, "hast Du Hunger, hast Du Durst?" Wie schön war es doch, als Kinder auf von der Sonne heißgebrannten Rutschen ihre Haut lassen durften. "Und hat es uns geschadet?" "Nein", ruft das Publikum.

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Benny Stark kennt die dramatischen Szenen, die sich bei Herrenausstattern abspielen. Foto: Stefan Gliwitzki

Den Staffelstab übernimmt nun Benny Stark aus Lübeck, der sich als ehemaliger Verkäufer in der Herrenausstattungsabteilung von Peek & Cloppenburg über die klassischen Situationen hermacht, die sich dort täglich abspielen. Mann braucht Anzug, Frau sucht aus. Wer sich dabei wieder erkennt, ist selbst schuld. "Liebling, geh doch mal in die Knie, spannt die Hose im Schritt?" Eine völlig alltägliche Situation im Leben eines Anzuges. Stark legt ein hohes Tempo vor, gleitet aber am Ende doch allzu tief und etwas platt unter die Gürtellinie.

Dann Sebastian Krämer, der an diesem Abend den Preis des meisterhaften Hintersinns gewinnt. Seinen herrlichen Blödsinn zu beschreiben, kann kaum gelingen. Zwar kämpft er mit einem defekten Stativ, auf dem er sein Keyboard mit der linken Hand festhalten muss, das aber fällt kaum ins Gewicht, als er "Tschuldigung, ich muss jetzt zum Flötenunterricht" oder den "Goldmedaillen-Reggae" singt. Sein Programm werde oft fälschlicherweise als für ein Kabarettpublikum gemacht gehalten, das aber am Eingang schon aussortiert werden sollte, was leider nicht immer klappe.

Den Schlusspunkt setzt Jens Heinrich Classen aus Münster, Deutschlands einziger bewohnter Tatortkulisse, dessen größtes Thema, gut sichtbar, das Schwitzen ist. Der Arme muss im Winter hinter sich streuen, damit andere nicht ausrutschen. Die schweißtreibende Suche nach einer Frau, oder auch Mann, egal, ist der rote Faden seines Programms, mit dem er dem Publikum als bekennender Fettwanst richtig was zumutet.



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