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Es dreht sich noch – aber nicht mehr auf dem Hamelner Weihnachtsmarkt

Was wurde aus dem alten Karussell?

HAMELN. Es dreht sich noch das alte Kinderkarussell, das bei vielen, kleinen wie großen, Besuchern des Weihnachtsmarkts beliebt war – nur nicht mehr in Hameln. Doch wieso eigentlich nicht? Und wo ist es überhaupt abgeblieben? Eine Spurensuche.

veröffentlicht am 12.12.2017 um 18:04 Uhr
aktualisiert am 12.12.2017 um 20:00 Uhr

Das Hängekarussell der Schaustellerfamilie Eick aus Nienburg im Dezember 1993 auf dem Hamelner Weihnachtsmarkt . Foto: Stadtarchiv Hameln/pr
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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Das Karussell, ein sogenanntes Hängekarussell, wirkt ein wenig wie aus der Zeit gefallen: auffällig bunt, ja, aber nicht schrill. Es sind warme Farben, mit denen das Karussell vor langer Zeit aufwendig bemalt worden ist. Die einzelnen „Kabinen“ stellen Schwäne, Löwen oder Zebras dar. Jahrzehntelang war das Karussell der Schaustellerfamilie Eick ein fester Bestandteil des Hamelner Weihnachtsmarktes. Es gibt wohl nicht allzu viele Hamelner, die als Kind keine Runde mit dem Karussell gedreht haben. Zum letzten Mal auf dem Weihnachtsmarkt des Jahres 2009. Ein Jahr später war das beliebte Kinderkarussell nicht mehr da.

Seit einiger Zeit dreht das Karussell in Neustadt am Rübenberge, unweit des Steinhuder Meeres, seine Runden. Michael Eick (35), der die Geschäfte und damit das Karussell von seinem Vater Klaus-Dieter Eick, nach dessen Tod übernommen hatte, entschied sich damals für Neustadt. Ihren Sitz haben die Eicks in Nienburg, das nur wenige Kilometer von Neustadt entfernt liegt. Ausschlaggebend für den Weihnachtsmarktwechsel soll Michael Eick zufolge jedoch etwas anderes gewesen sein.

Laut Eick habe die Stadt damals ein „Punktesystem“ eingeführt und die Standgebühr um ein Fünffaches erhöht. Seinem Vater sei für sein Karussell von der Stadt eine „schriftliche Absage“ erteilt worden. „Die Stadt wollte uns nicht mehr“, meint Michael Eick. Der Hamelner Weihnachtsmarkt habe damals „größer, moderner, neuer“ werden sollen. Für das laut Eick um 1938 erbaute und mit Salzwasser betriebene Kinderkarussell seines Vaters habe es da keinen Bedarf mehr gegeben. Dabei hätten sein Großvater August Eick und dessen Frau schon zu den ersten Beschickern des Hamelner Weihnachtsmarkts gezählt. „Allein mein Vater kam mit seinem Geschäft 38 Jahre lang nach Hameln“, sagt der Schausteller. „Schade, dass alles so gekommen ist.“

Das Karussell dreht sich noch. Nur nicht mehr in Hameln. Seit einigen Jahren bereichert es den Weihnachtsmarkt in Neustadt am Rübenberge. Foto: Michael Eick/pr
  • Das Karussell dreht sich noch. Nur nicht mehr in Hameln. Seit einigen Jahren bereichert es den Weihnachtsmarkt in Neustadt am Rübenberge. Foto: Michael Eick/pr

Die Stadtverwaltung sieht den Sachverhalt deutlich anders, wie Stadtsprecher Thomas Wahmes auf Anfrage mitteilt. Demnach habe sich Klaus Dieter Eick 2010 plötzlich nicht mehr mit seinem Kinderkarussell für den Weihnachtsmarkt beworben. Stattdessen habe er ein Fahrgeschäft für Ältere, „Twister“, anmelden wollen. „Das haben wir abgelehnt“, sagt Wahmes. Der Weihnachtsmarkt solle ja nicht den Charakter eines Jahrmarkts bekommen. Bei dem Punktesystem habe es sich um ein Vergabekriterium für Stände gehandelt, Karussells seien davon nicht betroffen gewesen. Die Anhebung der Standgebühr ab dem Jahr 2012 sei mit einer Erhöhung von 2,90 pro Quadratmeter und Tag auf 3,33 pro Quadratmeter „moderat“ gewesen, sagt Wahmes. Sie hätten sich nicht um ein Vielfaches erhöht. Zumal der Schaustellerbetrieb Eick in den Jahren 2012 und 2013 ja durchaus noch am Hamelner Weihnachtsmarkt teilgenommen habe: mit einem Crêpe-Stand.

Dabei, betont Wahmes, würde sich die Stadt Hameln freuen, wenn sich Michael Eick wieder bewerben würde. „Wir suchen händeringend ein altes Kinderkarussell wie das der Eicks“, sagt Wahmes. Es wäre eine Bereicherung für den Hamelner Weihnachtsmarkt.

Doch die Fronten scheinen verhärtet. „Ich habe kein Interesse mehr zurückzukommen“, sagt Eick.



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