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Verwaltung zeigt Möglichkeiten zur Nachnutzung auf

Was wird aus dem Wienerwald?

HAMELN. Wie geht es weiter mit dem ehemaligen Wienerwald-Restaurant am Bürgergarten? Der Plan vom Bau eines „Hauses der Wirtschaft“ am selben Standort hat sich zerschlagen; konkrete Alternativen zur Nachnutzung von Gebäude und Grundstück gibt es im Moment noch nicht. Doch die Diskussionen um das Hamelner Filetstück gehen weiter.

veröffentlicht am 19.04.2017 um 19:09 Uhr

Tristesse im ehemaligen Biergarten: So sieht es aktuell vor dem „Wienerwald“ aus. Foto: Dana
Lars Lindhorst

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Lars Lindhorst Reporter zur Autorenseite
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Spätestens am kommenden Mittwoch im Ausschuss für Stadtentwicklung könnte der Wienerwald für politische Kontroversen sorgen.

Die Stadtverwaltung schlägt dem Ausschuss vor, für den Bereich der ehemaligen Gaststätte einen Bebauungsplan aufzustellen. Dieser wäre nötig, um den Weg frei zu machen für einen Abriss des Gebäudes und vor allem für die Festlegung der künftigen Gestaltung des Areals am Rande des Bürgergartens. Ob dieser Beschlussvorschlag eine Mehrheit findet, ist ungewiss.

Das Hamelner Rathaus sieht indes weitere Alternativen für die Nutzung des Geländes. Nachdem sich der Arbeitgeberverband AdU und die Kreishandwerkerschaft von einem „Haus der Wirtschaft“ verabschiedet haben und darüber hinaus der Abriss per Ratsbeschluss ausgeschlossen wurde, stehen nunmehr wieder drei grundsätzliche Varianten zur Debatte:
Erhalt und Sanierung: Hierfür ist kein Bebauungsplan erforderlich. Allerdings steht eine Verpachtung im jetzigen Zustand außer Frage. Die Verwaltung rechnet inzwischen mit Sanierungskosten in Höhe von 1,5 Millionen Euro, damit hier beispielsweise ein Gastronom wieder einziehen könnte. Das war bis zuletzt eine Variante, die sich die rot-rot-grüne Gruppe im Hamelner Stadtrat gut vorstellen konnte. Sie hatte den Vorschlag gemacht, im sanierten Wienerwald ein inklusives Café einzurichten.

Erste Option: Abriss und Neubau. Foto: wal
  • Erste Option: Abriss und Neubau. Foto: wal
Zweite Option: Abriss und Grünfläche. Foto: wal
  • Zweite Option: Abriss und Grünfläche. Foto: wal
Dritte Option: die Sanierung. Foto: wal
  • Dritte Option: die Sanierung. Foto: wal

Bezahlen muss die Sanierung zunächst die Stadt; später könnte sie Gebäude und Grundstück verpachten. Doch laut einer Berechnung, die die Stadt angestellt hat, lohnt sich das nicht. Die Pachteinnahmen würden „die durch die Sanierung des Gebäudes entstehenden Kosten nicht decken“, heißt es.

Könnte noch ein finanzkräftiger Partner als Pächter ins Boot geholt werden: Dieser müsste sich verpflichten, die Sanierung auf eigene Rechnung durchzuführen. Doch die Stadt rät davon ab: Umbau und Sanierung eines Dritten müssten den „städtischen Zielen“ entsprechen. Es dürfte nicht dazu kommen, dass das Objekt nach Beendigung des Pachtverhältnisses nicht mehr genutzt werden kann. Das ist eine Lehre aus den Erfahrungen mit dem Hochzeitshaus und der gescheiterten Erlebniswelt Weserrenaissance (EWR).
Verkauf des bebauten Grundstücks: Auf dem Areal liegt ein Vorkaufsrecht zugunsten aller Miteigentümer des Bellevue-Centers, der Seniorenresidenz und des Mercure-Hotels. Ein Käufer hätte das Problem, sich mit allen Beteiligten ins Benehmen zu setzen. Das frisst Zeit. Die Miteigentümer des Bellevue-Center – rund 100 – könnten auch ihren Verzicht auf das Vorkaufsrecht erklären. Ein Notar müsste eingeschaltet werden. Laut Verwaltungspapier könnte sich dieses Verfahren „über mehrere Jahre hinziehen“. Klagen vor Gericht nicht ausgeschlossen. Auch hierbei sieht die Stadt Nachteile im Hinblick auf die selbst gesteckten städtebaulichen Ziele. Sollte es eine Ausschreibung für einen Verkauf geben, müsste der Rat die genauen Vertragsbedingungen im Vorfeld festlegen.
Abriss des Gebäudes und Erweiterung des Bürgergartens: Die Grundstücksfläche des ehemaligen Wienerwalds von rund 1500 Quadratmetern könnte eine Ergänzung des Bürgergartens werden. Laut Verwaltung könnte die hinzugewonnene Fläche nach Abriss „die bisher aus Platzgründen nicht realisierten Wünsche“ berücksichtigen. Unter anderem bringt die Verwaltung hier eine weitere Boule-Bahn, Schachfläche sowie einen Park mit Outdoor-Fitness-Geräten als Beispiele an. Ein Abriss des Gebäudes und die Zuordnung der Fläche zum Bürgergarten könnte laut Verwaltungsvorlage „den Erholungsbereich nahe der Altstadt attraktivieren und bereichern“.

Über kurz oder lang wird die Politik sich für eine dieser Möglichkeiten entscheiden müssen. „Es ist gut, dass die Verwaltung nun alle Optionen für die Nachnutzung aufzeigt“, urteilt Ratsherr Peter Kurbjuweit (Linke). Rot-Rot-Grün will dennoch weiter an der Idee eines offenen, integrativen Cafés festhalten. Nach wie vor gebe es dafür einen potenziellen Interessenten. Kurbjuweit rechnet damit, dass dieser auch eine Bewerbung bei der Stadt einreichen werde.

Für den politisch korrekten Sprachgebrauch übrigens will die rot-rot-grüne Gruppe nicht mehr von „Wienerwald“ reden. „Café am Ring“ sei die richtige Begrifflichkeit, wenn es künftig um das 1949 erbaute Haus am Bürgergarten geht, sagt Kurbjuweit. Die Linie wird deutlich: Zurück zu den Wurzeln, zu den Anfangsjahren, als der „Wienerwald“ noch „Café am Ring“ hieß.

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