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SB-Markt in der Stadt-Galerie entspricht nicht mehr den Ansprüchen der Konzernführung

Was wird aus dem Hamelner Real?

HAMELN. Edeka, Rewe, Lidl und sogar Aldi – überall werden Filialen aufgehübscht. Anders sieht das bei Real im Untergeschoss der Stadt-Galerie aus. Das SB-Warenhaus fristet dort ein eher tristes Dasein. Dabei klingen die Ansprüche der Konzernführung an ihre Märkte ganz anders.

veröffentlicht am 29.10.2017 um 12:30 Uhr
aktualisiert am 29.10.2017 um 14:32 Uhr

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Marc Fisser

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Marc Fisser Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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Edeka, Rewe, Lidl und sogar Aldi – der Einzelhandel versucht, auf die Zeichen der Zeit zu reagieren. Überall werden Filialen aufgehübscht, die Waren einladender präsentiert, der Kundenservice ausgebaut. Ziel ist es, die Menschen auch in Zeiten des Online-Shoppens in die Läden vor Ort zu locken. So wirbt das Unternehmen Real, seine „Einkaufswelten lassen eine einzigartige Atmosphäre entstehen, durch die Ihr Einkauf zum Erlebnis wird. Eine angenehme Beleuchtung, großzügige Flächen sowie eine ansprechende Ladendekoration tragen dazu bei, Ihren Einkauf stressfrei und entspannt zu erledigen. Das ausgeklügelte Farbleitsystem hilft, die Produkte von Ihrem Einkaufszettel schnell und ohne Mühe zu finden.“ Die Hamelner Kunden des SB-Warenhauses werden sich verwundert die Augen reiben: Real im Untergeschoss der Stadt-Galerie fristet ein eher tristes Dasein, spiegelt diese Ansprüche ganz und gar nicht wider: Der Laden wirkt unmodern und unübersichtlich, der Investitionsstau ist unübersehbar. Wie sehen also die Planungen für den Standort aus?

In der Real-Zentrale in Mönchengladbach gibt man sich unerwartet wortkarg. „Wir haben in Hameln einen langfristigen Mietvertrag“, sagt eine Unternehmenssprecherin. Darüber hinaus äußere man sich nicht zu der Anfrage. Somit bleibt für die Kundschaft offen, ob Real wirklich zu dem Standort im Stadtzentrum steht oder ihn nur noch notgedrungen am Leben hält, wie sich die Umsätze entwickelt haben. SB-Warenhäuser haben ganz allgemein das Problem, jenseits der Nahrungsmittel immer weniger Absatz zu machen. Das ist auch bei Real zu beobachten: Zwar ist das Geschäft vollgestellt mit Fernsehern und Fahrrädern, Drogerieartikeln und Kleidung, Spielzeug und Sportsachen – aber in den Einkaufskörben landen ganz überwiegend Ess- und Trinkbares. Große Flächen des Marktes sind selbst während der Haupteinkaufszeiten fast verwaist. Das Konzept „Einmal hin, alles drin“, der eingängige Werbespruch des Unternehmens, scheint immer weniger zu ziehen. Viele Käufer bevorzugen die breite Auswahl und fachkundige Beratung in den Fachmärkten – wenn sie sich nicht gleich durchs Internet surfen. In Hameln kommt für das Unternehmen des Metrokonzerns erschwerend hinzu, dass Großeinkäufer den Weg vom Keller bis zum Auto auf dem Dach als unpraktisch empfinden, gerade auch, wenn der Andrang zur Stadt-Galerie so groß ist, dass sich die Autos auf der Zufahrt stauen. Abgesehen davon kostet das Parken auch Geld, anders als bei der zahlreich vorhandenen Konkurrenz außerhalb der Innenstadt. Welche Rolle spielt der „Ankermieter“ im Untergeschoss für die Stadt-Galerie noch? Center-Managerin Vivien Wilmers betont: „Wir sind mit Real wie auch den anderen Mietern grundsätzlich im Gespräch, um die Konzepte auf einem modernen Stand zu halten.“

Real hat zwischen 2013 und 2015 nach eigenen Angaben 17 seiner 310 Filialen geschlossen. Die übrigen sollen modernisiert und umstrukturiert werden, hieß es. Rund 900 der knapp 37 000 Arbeitsplätze in Deutschland fielen in dieser Zeit weg. Im Herbst des vorigen Jahres kündigte Real an, 2017 deutschlandweit bis zu 500 Stellen in der Verwaltung zu streichen. Bisher waren rund 1500 Verwaltungsangestellte auf die Standorte in Hannover, Mönchengladbach, Düsseldorf und Wörrstadt verteilt, fortan ist die Verwaltung in Düsseldorf zentralisiert. Das soll einen „niedrigen zweistelligen Millionenbetrag“ einsparen. Die Verschlankung sei nötig, um die sinkenden Umsätze auszugleichen.

„Wer nicht mit der Zeit geht, muss mit der Zeit gehen“ – diese Erfahrung hat die Aldi-Familie gemacht. Vor Jahrzehnten hat das Billigheimertum mit dem Verkauf direkt von der Palette im schmucklosen Ambiente die Massen gezogen, fast zu spät hat Aldi begonnen, das Ruder herumzureißen. Real hingegen ist eigentlich seit langem bekannt dafür, zur Zukunft des Einkaufens zu forschen und seine Märkte diesen Erkenntnissen folgend zu gestalten. In Krefeld hat Real sein Warenhaus gerade zu einer Art Markthalle umgebaut. Dort gibt es nun auch Kochkurse und Weinabende, Dosensuppen genauso wie Steaks für 200 Euro das Kilo. Ein Konzept für die Innenstadt, wie es sicherlich auch den Hamelnern gefallen könnte.

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