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Emotionales Gespräch zur Pflege

„Was macht ihr eigentlich als Gesetzgeber?“

Hameln. Gisela Michalik von der Initiative „Pflege am Boden“ ist den Tränen nahe. „Wir sind fertig, wir können nicht mehr. Uns fehlt die Zeit, uns fehlt das Personal. Schluss mit dem Blablabla. Es ist fünf nach 12, macht endlich was!“ Auch ihre Nachbarin klagt mit bewegter Stimme: „Die Pflege wird runtergefahren, Ärztestellen und Profite steigen. Das heißt innere Emigration. Was macht ihr eigentlich als Gesetzgeber?“

veröffentlicht am 16.04.2015 um 15:13 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 20:41 Uhr

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Autor:

Ernst August Wolf
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Sorgen und Nöte, denen sich die vier von der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di eingeladenen Bundestagsabgeordneten auf dem Podium in der Aula des Schiller-Gymnasiums stellen mussten.

Nach Angaben der Gewerkschaft fehlen in der Pflege und in den Krankenhäusern bundesweit rund 162 000 Stellen, 70 000 allein in der Pflege. Die Folgen seien dramatisch: Ständige Überstunden, kurzfristiges Einspringen wenig qualifizierter Ersatzkräfte und steigende Überlastung sowie schlechte Bezahlung gefährden die Qualität der Arbeit. „Wir fordern eine gesetzliche Personalbemessung, und zwar sofort“, so die ver.di-Gewerkschaftssekretärin Brigitte Horn, die das Podium moderierte. „Geredet wird viel, aber es ist keine Zeit mehr zu diskutieren. Warum gibt es keine Umsetzung in konkretes Handeln?“

„Besser geht immer, es ist schon viel passiert. Das erste Pflegestärkungsgesetz ist noch nicht das Ende, aber bitte eins nach dem anderen“, so CDU-MdB Michael Vietz. Sein Rezept: mehr Geld ins System, weniger Bürokratie. Trotzdem, so Vietz, bleibe „die Härte des Jobs“.

Lösekrug-Möller

spricht sich für Mindeststandards aus

Die fortschreitende Privatisierung im Gesundheitswesen sei der falsche Weg, ein „Löhne runter, dann läuft’s schon wieder“ funktioniere nicht, so die Linken-Abgeordnete Jutta Krellmann.

Für den grünen Bundestagsabgeordneten Sven-Christian Kindler ist die Bürgerversicherung die denkbare Lösung. Privatisierung von Lebensrisiken? „Geht nicht“, so der Haushaltsexperte.

Auch die Parlamentarische Staatssekretärin im Arbeits- und Sozialministerium, Gabriele Lösekrug-Möller, sprach sich für Mindestpersonalstandards aus. Feste Quoten aber werde es bis 2017 nicht überall geben. Ein neuer Pflegebegriff müsse her. Aber auch eine Bürgerversicherung sei Thema, doch in der Großen Koalition nicht zu realisieren.

„Soziales Pflichtjahr für alle“, forderte Wolfgang Hartmann, der als Zuhörer gekommen war, vehement. „Wir brauchen keine Amateure, sondern qualifizierte Kräfte, und die ordentlich bezahlt“ – zumindest darin waren sich Podium und viele Gäste einig. „Gesundheit braucht genug Personal“, lautet auch die ver.di-Forderung.

Ständige Überstunden, kurzfristiges Einspringen wenig qualifizierter Ersatzkräfte und steigende Überlastung – das sind laut ver.di die Folgen chronischer Unterbesetzung. In der Pflege fehlen nach Gewerkschaftsangaben bundesweit allein 70 000 Stellen.

dpa



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