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Hameln will Qualität der Kinderbetreuung verbessern – und wird dabei von Bundesprogramm unterstützt

Was macht eine Kita zur guten Kita?

HAMELN. Kitas sind keine reinen Betreuungs-Einrichtungen, sondern Bildungseinrichtung. Geht man von diesem Fakt aus, so lassen sich die Fragen, die am Mittwochnachmittag im Hamelner FiZ diskutiert wurden, leichter verstehen: Wie kann diese frühe Bildung von Kindern verbessert werden? Was macht eine Kita eigentlich zu einer guten Kita? Und wie kann man eine gute Kita noch besser machen? Antworten möchte das Pädagogische Forum finden, ein Zusammenschluss von Lebenshilfe, DRK, Elisabeth-Selbert-Schule, Katholischer und Evangelischer Kirche, AWO und Stadt Hameln.

veröffentlicht am 09.02.2018 um 17:10 Uhr

Foto: Bilderbox
Wiebke Kanz

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Wiebke Kanz Reporterin zur Autorenseite
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Als die damalige Familienministerin Ursula von der Leyen 2007 verkündete, bis Sommer 2013 sollten für alle ein- bis dreijährigen Kinder Plätze in der außerfamiliären Kinderbetreuung geschaffen werden, ging ein Aufschrei durchs Land: Die armen Kinder! Sie brauchen doch ihre Mütter! Eine (zu) frühe Fremdbetreuung stresse Kleinkinder, hieß es von vielen Seiten, sie schade der Eltern-Kind-Bindung, befanden diverse Studien, habe ungeahnte Folgen auch für die spätere emotionale Entwicklung der Kinder.

Hinter der großen öffentlichen Empörung steckt oftmals die Vorstellung einer Kindertagesstätte als Ort, an dem Kinder praktisch „geparkt“ oder „verwahrt“ werden: in geschlossenen Räumen, unter Aufsicht zwar, aber dennoch irgendwie, ja: von den Eltern abgeschoben.

Dass das nicht der Realität entspricht, ahnt jeder, der schon einmal eine Krippe betreten hat; ganz sicher weiß es jeder, der selbst ein Kind hat, das eine Krippe besucht oder besucht hat. Nie wieder lernen Kinder so viel und so schnell wie in den ersten Lebensjahren, was eben auch bedeutet: Richtig gefördert, im sozialen Miteinander mit anderen Kindern, durch ausgebildete und speziell geschulte Erzieherinnen und Erzieher, entwickeln Kinder nie wieder so schnell neue Fähigkeiten. „Der erste Tag in der Krippe ist für Kinder reine Bildung“, sagt Lieselotte Sievert, und die muss es wissen: Sie ist Fachberaterin aller DRK-Kitas im Landkreis Hameln-Pyrmont. „Bildung“ sei in diesem Zusammenhang natürlich nicht als schulische Bildung zu verstehen; „es geht um klitzekleine Aspekte wie das Teilen von Spielzeug oder Essen mit anderen Kindern“, so Sievert weiter.

Begreift man eine Kita in diesem Sinne also nicht als reine Betreuungs-, sondern als Bildungseinrichtung, so lassen sich die Fragen, die am Mittwochnachmittag im Hamelner FiZ diskutiert wurden, leichter verstehen: Wie kann diese frühe Bildung von Kindern verbessert werden? Was macht eine Kita eigentlich zu einer guten Kita? Und wie kann man eine gute Kita noch besser machen?

Antworten möchte das Pädagogische Forum finden, ein Zusammenschluss von Lebenshilfe, DRK, Elisabeth-Selbert-Schule, Katholischer und Evangelischer Kirche, AWO und Stadt Hameln – also aller, die in Hameln irgendwie mit der Betreuung und Bildung von Kindern zu tun haben. Das Pädagogische Forum hat sich dafür um Unterstützung durch das Bundesprogramm „Qualität vor Ort“ beworben – und den Zuschlag erhalten. Es ist nun eines von bundesweit 150 Netzwerken, die von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung dabei begleitet werden, ein umfassendes Konzept für die Verbesserung und Qualitätssicherung der Kinderbetreuung zu erarbeiten und umzusetzen. Denn: Die Kinderbetreuung, so viel lässt sich festhalten, wird nicht automatisch besser, wenn es mehr Betreuungsplätze gibt. Genauso wichtig ist die Qualität in Kitas, Krippen und Tagespflegestellen.

Doch damit „alle Kinder in Deutschland unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem Wohnort oder dem Geldbeutel ihrer Eltern die Chance erhalten, ihre Potenziale voll auszuschöpfen“, wie es im Programm von „Qualität vor Ort“ heißt, braucht es zunächst vor allem eines: qualifizierte Fachkräfte. „Hier brennt es“, sagt Kerstin Jedicke von der Elisabeth-Selbert-Schule. Und deshalb steht dieser Punkt auch an erster Stelle: „Wir können nicht mehr Leute herzaubern, aber wir können dafür sorgen, dass die hier ausgebildeten Erzieherinnen und Erzieher in Hameln bleiben und nicht etwa nach Hannover abwandern.“

Die Elisabeth-Selbert-Schule, die jedes Jahr etwa 90 staatlich anerkannte Erzieherinnen und Erzieher ausbildet, arbeitet deshalb schon heute eng mit den Hamelner Kitas zusammen, vermittelt Auszubildende an Einrichtungen, sorgt dadurch beispielsweise auch dafür, dass Kita-Gruppen auch zu Zeiten großer Erkältungs- und Grippewellen nicht wegen Personalmangels schließen müssen. Geplant ist außerdem eine neue Teilzeit-Klasse an der Selbert-Schule, „für Personal, das bereits in der Kita arbeitet und sich höher qualifizieren will“, erklärt Lehrerin Annette Kessler. Der Unterricht findet zweimal wöchentlich am Nachmittag sowie im Block am Wochenende statt. Der Vorteil: Die angehenden Erzieherinnen und Erzieher können ihren Tätigkeiten während der Ausbildung weiter nachgehen – bislang für viele ein Hindernis, sich weiterzubilden.

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