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In der Szene wird die städtische Einrichtung durchaus kritisch gesehen

Was macht eigentlich das Kulturbüro?

Hameln (ni). Was tut der Durchschnittsbürger, wenn das Geld plötzlich knapp wird? Er macht Kassensturz; er setzt sich hin, rechnet die fixen Kosten zusammen und guckt, was dann noch zum Leben übrig bleibt. Wenn er klug ist, passt er seinen Lebensstil der frei verfügbaren Geldmenge an: wenn nicht, lebt er auf Pump und klammert sich an die Hoffnung, durch irgendeine glückliche Fügung werde sich der wachsende Schuldenberg schon wieder in Wohlgefallen auflösen. Die Rechnung geht selten auf, denn satte Gehaltserhöhungen oder lukrative Erbschaften sind rar. Und taugen darum als Pfand für die Behebung der privaten Finanzmisere genauso wenig wie die eindringlichen Appelle der Kommunen an Bund und Land, doch bitte einen ordentlichen Batzen Geld für die Sanierung der öffentlichen Haushalte lockerzumachen. Den Städten und Gemeinden bleibt also gar nichts anderes übrig, als ihren Lebensstil den veränderten Verhältnissen anzupassen. Vor diesem Hintergrund sind Politik und Verwaltung auch in Hameln gefordert, sich immer wieder die Frage zu stellen: Welche freiwilligen Leistungen des Rathauses wären verzichtbar, ohne dass das soziale und kulturelle Leben der Stadt allzu viel Schaden nimmt? Ein kritischer Blick auf das städtische „Kulturbüro“ könnte vielleicht einen Schritt weiterhelfen.

veröffentlicht am 01.12.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 13:21 Uhr

„Kultur in den Höfen“ (hier in der Goethestraße) wird von dem Kulturbüro und der Sumpfblume organisiert. Foto: Wal
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Ausgestattet mit fünf Mitarbeitern auf 4,5 Planstellen, schlägt das Kulturbüro jährlich mit 190 000 Euro Personalkosten zu Buche. Fragt man Politiker, welche Aufgaben das Team wahrnimmt, erschöpft sich die Antwort meist in einem wortlosen Achselzucken. Die wortreiche Aufgabenbeschreibung im städtischen Haushaltsbuch hilft auch nicht recht weiter. Da steht: „Entwicklung, Organisation und Durchführung eines Veranstaltungsangebots in ausgewählten Bereichen entsprechend der kulturpolitischen Zielsetzung, Nachfrage bzw. entsprechend dem Zeitgeist. Organisatorische, finanzielle, ideelle und personelle Unterstützung von Vereinen und Gruppen bei der Durchführung eigener kultureller Aktivitäten von öffentlichem Interesse; Projektförderung; Beratung und Förderung von Künstlern; Beratung und Information der Bürger über Kulturangebote, Selbstorganisation und kulturelles Engagement; Angebot eines zentralen Terminpools.“ Das klingt erst mal nach viel und vor allem nach hohem Anspruch. Doch was verbirgt sich tatsächlich hinter dem aufgeblähten Text? Konkret ist das Kulturbüro zuständig für die Pflege des Veranstaltungskalenders und für alles Organisatorische rund um den Rattenfänger-Literaturpreis, der allerdings nur alle zwei Jahre vergeben wird. Außerdem zeichnet es verantwortlich für die jährlich 20 bis 25 Veranstaltungen im Rahmen des Hamelner Forums und in Kooperation mit der Sumpfblume für „Kultur in den Höfen“. Darüber hinaus versteht es sich als Ansprechpartner und Dienstleister für die Hamelner Kulturszene und bearbeitet die von dieser Seite gestellten Anträge auf einen städtischen Zuschuss. Wobei der Etat, der dem Kulturbüro dafür zur Verfügung steht, mit nur 70 000 Euro eher bescheiden ausfällt und schnell erschöpft sein dürfte, zumal allein die Sumpfblume schon 45 000 Euro erhält. Hin und wieder fordern auch andere Abteilungen des Rathauses die Zuarbeit des Büros.

Ob die fünf Mitarbeiter mit diesem Pensum tatsächlich ausgelastet sind, vermag kein Außenstehender zu beurteilen. Kenner der Szene bezweifeln es aber und sehen in dem Kulturbüro vor allem das „krampfhafte Bemühen, sich wichtigzumachen“. Oder auch „eine aufgeblasene Bürokratisierung des Ehrenamtes“, die der Vielfalt des kulturellen Angebotes eher hinderlich als zuträglich sei. Statt so viel Geld für die Verwaltung von Kultur auszugeben, heißt es bei den Kritikern, könnte mit der Hälfte der Summe doppelt so viel Kultur stattfinden – vorausgesetzt, diese Hälfte käme den freien Kulturträgern in der Stadt direkt zugute.

Für die öffentliche Hand preiswerter und für die Bürger trotzdem nicht ärmer könnte das kulturelle Leben vermutlich auch werden, wenn Stadt und Landkreis in diesem Bereich kooperieren. Was spricht eigentlich dagegen, aus Kulturbüro und Landschaftsverband eine Einheit zu bilden, die der Kulturszene beratend zur Seite steht? Und ansonsten darauf zu vertrauen, dass dieser Kreis zumeist kreativer Köpfe genug eigene Ideen produziert, wie er sich seinem Publikum präsentieren könnte.

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