weather-image
10°

Mehrere Millionen Euro für den Bau einer Kindertagesstätte – und warum „privat“ günstiger bauen kann

Was macht den Bau einer Kita so teuer?

HAMELN. Fünf Millionen Euro? Die Summe für eine geplante Kita in der Nordstadt schockte manchen, als sie zum ersten Mal auf den Tisch kam. Darin inbegriffen sind jedoch auch Räume, die von der Lebenshilfe für heilpädagogische Gruppen genutzt und gemietet werden könnten. Zwar strebt der Hamelner Rat inzwischen an, dass nicht die Stadt selbst als Bauherr auftritt, sondern ein freier Träger. Trotzdem bleibt die Frage: Was macht eine Kita so teuer?

veröffentlicht am 19.12.2017 um 15:16 Uhr

Eine „Modul-Kita“ in Frankfurt am Main – sechs Kitas sind in dieser Art entstanden, wodurch die Stadt mehrere Millionen Euro sparen konnte. Geplant wurden sie vom Architekten Frank Heinen. F: Heinen
Birte Hansen

Autor

Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Fünf Millionen Euro? Die Summe für eine geplante Kita in der Nordstadt schockte manchen, als sie zum ersten Mal auf den Tisch kam. Darin inbegriffen sind jedoch auch Räume, die von der Lebenshilfe für heilpädagogische Gruppen genutzt und gemietet werden könnten und die strengere Anforderungen erfüllen müssten als Regelgruppen. Diese ausgenommen, landet die Verwaltung bei anderen Kosten: Für drei Gruppen bei 2 Millionen Euro, für vier Gruppen bei 2,7 Millionen Euro. Zwar strebt der Hamelner Rat inzwischen an, dass nicht die Stadt selbst als Bauherr auftritt, sondern ein freier Träger. Trotzdem bleibt die Frage: Was macht eine Kita so teuer? Sobald Kosten in Richtung „Millionen“ gehen, denken Privatleute schnell an Prachtbauten mit Schnickschnack. Hamelns Stadtbaurat Hermann Aden stand Rede und Antwort.

Anders als bei privaten Bauvorhaben, müssen für eine Kita Vorgaben eingehalten werden, die zum einen in Niedersachsen in der „Verordnung über Mindestanforderungen an Kindertagesstätten“ festgeschrieben, zum anderen mittels zig DIN- und Unfallverhütungsvorschriften sowie im Baurecht geregelt sind. Dazu zählen Mindestraumgrößen, Anzahl von Räumen, Arten von Räumen oder Größe des Außengeländes. So müssen beispielsweise pro Kind im Gruppenraum mindestens zwei Quadratmeter Bodenfläche zur Verfügung stehen; im Außenbereich mindestens zwölf Quadratmeter zum Spielen pro Kind, das gleichzeitig mit anderen betreut wird.

Vorhanden sein muss außerdem entweder ein Kleingruppenraum oder eine Spielnische im Gruppenraum und bei Ganztagsbetreuung ein Ruheraum oder ein -bereich zum Ausruhen im Gruppenraum. Es muss eine Küche geben, einen Arbeitsraum für die Fachkräfte, einen Sanitärräum, … Vorgaben kommen seitens des Gesundheitsamtes, der Brandschutzbehörde, der Landesschulbehörde – alles in allem landet die Stadt bei Mindestanforderungen für eine Kita mit vier Gruppen, die in der Zahl „840 Quadratmeter Bruttogeschossfläche“ münden. „Das ist die Grundlage für die Ermittlung der Baukosten“, sagt Hermann Aden.

3214 Euro pro Quadratmeter inklusive Grunderwerb für die Kita

Dafür wird der sogenannte BKI herangezogen. Dahinter steht das „Baukosteninformationszentrum Deutscher Architektenkammern“, das eine umfassende Sammlung von Baupreisen und Software für die Berechnung herausgibt. Laut Aden sind das verlässliche Zahlen auf Basis bereits abgerechneter Bauvorhaben. Untergliedert nach verschiedenen Standards – I, II und III. Die Summen, die daraus abgelesen werden – ohne dass es bereits eine Zeichnung gäbe oder die Höhe eines Gebäudes benannt wäre – bilden die Grundlage für den kommunalen Haushalt. . In diesem Fall waren es 2,7 Millionen Euro von der Herrichtung des Grundstückes, des Bauwerks und seiner technischen Anlagen, der Ausstattung, der Außenanlagen und der Nebenkosten, was einem Quadratmeterpreis von 3214 Euro entspricht, exklusive Grunderwerb. Für einen Vergleich zieht Aden einen Geschosswohnungsbau heran, für den der Quadratmeterpreis in Hameln auch bereits bei 2200 bis 2400 Euro liege, und „wenn ein Einfamilienhaus gebaut wird, kann der bei 2700 bis 3000 Euro liegen“.

„Im Wohnungsbau ist aber normalerweise die Haustechnik nicht so komplex, wir aber müssen darauf achten, dass Brandmelder miteinander vernetzt sind, die Be- und Entlüftung für die größere Personenzahl ausgelegt ist. Im Privathaus darf es auch mal stumpf endende Wasserleitungen geben, wir müssen verhindern, dass sich Legionellen bilden können“, beginnt Aden, wesentliche Unterschiede aufzulisten zwischen einem Privatbau und einem Kindergarten, in dem an die 60 Kinder und mehrere Erwachsene herumwuseln. Mal tropfnass, wenn sie in Regenklamotten reinstiefeln, die im Garderobenbereich trocknen müssen, die liebend gerne laut und nicht gerade zimperlich mit Wänden und Mobiliar sind – „das ist einfach viel komplexer“.

30 Prozent der Gesamtkosten entfallen allein auf die Planung

„So was baue ich euch für 1,8“ – so einen Satz habe er auch schon mal gehört, erzählt Aden, um gleich die Frage in den Raum zu werfen: „Was ist dann mit der Langlebigkeit?“ Leichtbauwand versus doppelt beplankter (mit Verweis auf tobende Kinder), glatte Fliesen versus solcher in kindgerechter Rutschklasse … Im weiteren Verlauf – nach der Entwurfs- und Genehmigungsplanung folgt die Ausführungsplanung – werden die Angaben dessen, was die Stadt von den späteren Auftragnehmern verlangt, immer genauer. In dieser Phase werden die Akutkosten immer wieder den Unterhaltungskosten gegenübergestellt. Einfaches Beispiel: Teurere Fenster, die am Ende energiesparender und somit günstiger sein können. Dadurch, dass bereits bei der Erstellung der Ausschreibungsunterlagen genaue Angaben gemacht werden, kann hinterher der Anbieter mit dem niedrigsten Angebot ausgewählt werden. Ansonsten müssten die Verwaltungsmitarbeiter oder externen Berater in dieser Phase die Angebote noch einmal genauestens auf Wirtschaftlichkeit überprüfen.

An Meilensteinen würden die Kosten kontrolliert – generell erfolge aber eine dauerhafte Kostenkontrolle, „um sofort gegensteuern zu können, wenn absehbar ist, dass es zu einer Kostenüberschreitung kommen könnte“, sagt Aden. Und weist daraufhin, dass die Stadt „in den letzten Jahren kein Bauvorhaben realisiert hat, dass tatsächlich teurer wurde als zum Zeitpunkt der Ausführungsplanung errechnet“. Weder am Schiller-Gymnasium, noch am Vikilu, der Sporthalle Nord oder der Feuerwehr in Afferde. Einen erheblichen Kostenblock machten bereits die reinen Planungskosten aus: 30 Prozent. Darin enthalten sind sowohl die Kosten für den Architekten als auch die Fachplanungen für beispielsweise „die umfangreiche Gebäudetechnik oder notwendige Gutachten“.

Wird in der Planungsphase nicht genau genug gearbeitet, kann es zu unliebsamen Überraschungen hinsichtlich der Kosten kommen. Auch nachträgliche Zusatz- oder Änderungswünsche vor allem während der Bauphase lassen Kosten in die Höhe schnellen. Wovon Aden aber wenig hält: „Kostendeckelungen durch die Ratsgremien.“ So zuletzt geschehen bei den Feuerwehrhäusern im Sinne von „das muss man doch für 800 000 Euro bauen können“. Bestimmte Bauten gebe es nur zu einem bestimmten Preis und nicht darunter, argumentiert Aden sinngemäß und man müsse immer genau hinsehen, über welche Kosten man denn spreche – zum Beispiel, ob die Rede nur von den reinen Baukosten ist.

Wenn private Unternehmen oder freie Träger günstiger bauen können als eine Kommune, liegt dies laut Aden vor allem an ihrer besseren Verhandlungsposition: Sie können nach- und so die Preise runterhandeln. Der Stadt sind diesbezüglich die Hände gebunden, sie hat Ausschreibungsergebnisse so zu akzeptieren, wie sie eingehen.

Günstiger wird es übrigens auch, wenn man, wie die Stadt Frankfurt am Main auf „Wiederholung“ und modulare Bauweise setzt. Dort wurde sechsmal eine annähernd gleiche Kita gebaut, wie die FAZ berichtet hat. So kostet eine Kita „nur“ noch 3,6 und nicht, wie zunächst geplant, 5,5 Millionen Euro.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt