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Hameln sucht Lösungen für die B1 / Stationäre Blitzer umstritten

Was kann die Raser ausbremsen?

HAMELN. Irgendwann freitagabends oder am frühen Samstagmorgen geht es los, von Samstag auf Sonntag das gleiche Spektakel noch einmal: in den Abend- und Nachtstunden ist auf der B1 zwischen Wangelist und Groß Berkel wenig genug Verkehr, um mal so richtig Gas zu geben – finden einige. Das nervt, finden andere.

veröffentlicht am 16.08.2018 um 16:10 Uhr
aktualisiert am 21.08.2018 um 10:33 Uhr

Würden Blitzer nächtliches Rasen auf der B1 beenden? Foto: Wal
Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite

Immer wieder regen sich Anwohner auf beiden Seiten der Bundesstraße über diese Lärmbelästigung und Gefahr auf. Und immer mal wieder beschäftigt sich die Politik damit. Vor drei Jahren hatten die Ratsfrauen und -herren der Verwaltung den Auftrag erteilt, gemeinsam mit der Polizei und dem Landkreis ein Konzept zu erstellen, um Antworten auf die zentrale Frage zu erhalten: Wie lässt sich der Raserei dort Einhalt gebieten?

Bis heute liegt dieses Konzept nicht vor. Nicht etwa, weil sich das Problem in Luft aufgelöst hat. Zu schnell gefahren wird auf der Wangelister Straße nach wie vor, wie die Ergebnisse der jüngsten Geschwindigkeitskontrolle zeigen (wir berichteten): 59 Verstöße, davon waren 9 Fahrer so schnell, dass sie mehrere Wochen auf ihren Führerschein verzichten und ein Bußgeld zahlen müssen, 27 erhalten einen Bußgeldbescheid, und 23 kommen mit einem Verwarngeld davon . Spitzenwert bei der Messung am Wochenende vom 4. August: 99 Stundenkilometer statt 50.

Dass es zwischen der Pyrmonter Straße und Groß Berkel nachts ein Problem mit Schnellfahrern gibt, sieht auch die Stadt so. Doch „der Politik konnte bisher kein vollständiges Konzept empfohlen werden, das dem erwähnten Prüfauftrag besser gerecht werden könnte als das bisherige Verfahren in Absprache mit der Polizei und Landkreis“, erklärt Thomas Wahmes, Pressesprecher im Rathaus. Derzeit befürwortet die Stadt diese „konzertierten Aktionen“ von Landkreis und Polizei, bei denen, „anders als beim anonymen Blitzen Fahrzeuge auch sofort stillgelegt werden könnten“, wenn unzulässige Modifikationen vorgenommen worden sind.

Seit jeher setzen sich in Hameln und im Landkreis die Gegner der stationären Blitzer an der B1 (und generell) durch. Als Hauptgrund wird genannt: Dort liege kein Unfallschwerpunkt vor. Zweites Argument: Stationäre Blitzer schreckten Raser nicht ab, sondern führten dazu, dass kurz vorher abgebremst und danach wieder Gas gegeben würde, was Lärm verursache, und führten zu Gewöhnungseffekten. „Mittlerweile haben viele Autofahrer die rechtlich zweifelhaften Blitzer-Apps, oder die Blitzerhinweise auf stationäre Blitzer sind sogar in die Autonavigation integriert“ führt die Stadtverwaltung in Hameln aus. Sie verweist auf Hannover, wo „auch die illegalen Rennen auf der Vahrenwalder Straße nicht durch stationäre Blitzer, sondern durch Polizeipräsenz beendet“ worden seien.

In der Stadt Lübeck dagegen wurden offenbar auch andere Erfahrungen gemacht. Dort lautet ein Ergebnis einer Studie durch die Fachhochschule Lübeck im Jahr 2013, dass das Abbremsen und Gasgeben „nur einzelne Autofahrer machen“, wie der Leiter der Studie in den Lübecker Nachrichten zitiert wird. Lübeck hatte 2010 an einer viel befahrenen vierspurigen Straße fünf Blitzer installiert, was ihr den Namen „Blitzer-Allee“ bescherte. Seither soll die Lärmbelästigung laut Studie abgenommen haben. Auch im Nachbarlandkreis Holzminden kommen fünf stationäre Blitzer zum Einsatz. Dort war 2012 mit einem kontinuierlichen Rückgang der Einnahmen gerechnet worden, doch das ist nicht eingetreten: Nach 250 000 Euro im Jahr 2011 waren es 2012 zwar 50 000 Euro weniger, doch 2016 betrugen sie durch die stationäre Messung wiederum fast 212 000 Euro. Dass im vergangenen Jahr nur 130 000 Euro eingenommen wurden, hängt laut Kreissprecherin Marie-Luise Niegel damit zusammen, dass es mit zwei Geräten Probleme geben habe.

Trotz der grundsätzlich eher ablehnenden Haltung der Hamelner Stadtverwaltung zu eigenen Geschwindigkeitsmessungen und stationären Blitzern an der B1, hat sie sich Angebote von mobilen und stationären Geräten eingeholt. Außerdem würden derzeit Verkehrsunfallberichte der Polizei und Ergebnisse aus den Kontrollen von 2016 bis 2018 ausgewertet. Anfang des kommenden Jahres sollen dann die Politiker in den Gremien darüber informiert werden. Welche Entscheidungen dann getroffen werden, hängt auch von dem Bericht ab, der aktuell bei der Polizei erstellt wird. Bevor die Öffentlichkeit über die Medien davon erfährt, sollen erst die Politiker über dessen Inhalt in Kenntnis gesetzt werden, heißt es dort.

Mein Standpunkt
Birte Hansen
Von Birte Hansen-Höche

Wenn nach den Kontrollen zumindest für eine gewisse Zeit Ruhe (und mehr Sicherheit) herrschte, könnten sie ja als Erfolg verbucht werden – herrscht es aber nicht. Dann rasen am nächsten Wochenende eben andere auf der Bundesstraße, die noch nicht erwischt wurden. Vielleicht doch stationäre Blitzer?



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