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Was ist dran an den Vorwürfen gegen Jösten?

veröffentlicht am 08.03.2011 um 09:34 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:36 Uhr

Hameln (CK). Die evangelisch-lutherische Landeskirche in Hannover hält nach wie vor hinter dem Berg mit den Vorwürfen, die sie Klaus-Dieter Jösten, dem Leiter der Jugendwerkstatt Hameln, macht. Wie bereits berichtet, war Jösten am vergangenen Freitag von seinem Amt als Leiter dieser diakonischen Einrichtung des Kirchenkreises Hameln-Pyrmont suspendiert worden, nachdem bei einer Prüfung der Werkstatt seitens einer externen Firma „Unregelmäßigkeiten“ festgestellt worden waren.

Wie Superintendent Philipp Meyer als oberster Dienstvorgesetzter sagt, habe Jösten keineswegs „unter Aufsicht“ seinen Schreibtisch räumen müssen. Vielmehr sei ihm in den Räumlichkeiten der Superintendentur in Hameln angeboten worden, persönliche Sachen aus seinem Büro abzuholen und sich dabei von Mitgliedern des Kirchenkreisvorstandes begleiten zu lassen. Das aber habe Jösten abgelehnt; er habe seine Schlüssel abgegeben.

Nach wie vor aber schweigt die Kirche sich aus über das, was dem seit 22 Jahren als Leiter der Jugendwerkstatt fungierenden Diakon zur Last gelegt wird. „Wir befinden uns noch in der Prüfungsphase, und da ist es sehr schwierig, etwas zu sagen, zumal die äußere Regie bei der Landeskirche liegt“, so Meyer. In Hameln kursierende Gerüchte, wonach man Jösten unter anderem zur Last legt, für die Schnittchen nicht bezahlt zu haben, zu denen er einen Kreis von Gratulanten nach der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes vor einem Jahr ins Expo-Café der Jugendwerkstatt eingeladen hatte. Dr. Johannes Neukirch, Pressesprecher der evangelisch-lutherischen Landeskirche, wollte dies nicht bestätigen, allerdings auch nicht dementieren.

Aber auch über weitere Details hüllt er sich weitgehend in Schweigen. „Wir können noch nichts Konkretes sagen, denn die Wirtschaftsprüfer werden vermutlich erst Freitag oder Samstag dieser Woche ihre Arbeit beenden“, wirbt Neukirch um Verständnis. Die Suspendierung, so glaubt er, sei durchaus im Interesse von Jösten gewesen. „Nur so gibt es einen Freiraum für ordentliche Untersuchungen und die notwendige Transparenz“, sagt er und möchte so dem möglichen Vorwurf der „Mauschelei“ begegnen. Die Kirche als Arbeitgeber habe gar nicht anders handeln können, schließlich gehe es unter anderem um Kirchensteuergelder.

Die externen Berater sind nach den Worten von Superintendent Philipp Meyer übrigens bereits vor rund neun Monaten und mit Wissen von Jösten installiert worden, um die Jugendwerkstatt Hameln und ihre hohen Defizite unter die Lupe zu nehmen – das Minus betrug etwa im Jahr 2009 nach seinen Worten bereits 270 000 Euro. Keinesfalls aber sei es Absicht des Kirchenkreises, seine diakonische Einrichtung Jugendwerkstatt zugunsten benachteiligter Jugendlicher zu schließen, im Gegenteil: „Sie hat für uns eine hohe Priorität.“

Gestern sind die Mitarbeiter der Jugendwerkstatt über die veränderten Verhältnisse informiert worden; als Leiterin der Einrichtung fungiert ab sofort Jöstens bisherige Stellvertreterin Gudrun Müller. Sie war „urlaubsbedingt“ für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Jösten selbst hat die Kirche Gelegenheit gegeben, sich bis zum kommenden Freitag zwölf Uhr zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen zu äußern. Die allerdings waren gestern noch nicht, wie zugesagt, bei seinem Anwalt Günter Pawelz in Hannover eingegangen. Insofern wollte auch der Jurist vorerst keine neue Stellungnahme abgeben.



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