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Keine Kostüme

Was hinter den Outfits der Autumn-Moon-Besucher steckt

HAMELN. Beim schaurig schönen Autumn-Moon-Festival treten über 40 Bands in Hameln auf. Für ein Wochenende wird die Stadt dann zum Treffpunkt der dunklen Szene. Nicht selten stecken hinter den Outfits der Besucher besondere Geschichten. Wir haben uns auf dem Halloween-Markt vor der Rattenfänger-Halle umgehört.

veröffentlicht am 12.10.2018 um 17:17 Uhr
aktualisiert am 12.10.2018 um 17:53 Uhr

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Muschik, Moritz

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Moritz Muschik Volontär zur Autorenseite

„So haben wir geheiratet“

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„Nina H“ nennt sich die Künstlerin mit dem schwarz-weißen Korsettkleid und dem auffälligen Irokesenschnitt. Das Sakko ihres Mannes, der ebenfalls „Iro“ trägt und mit dem sie aus Stuttgart zum Festival gekommen ist, ist farblich darauf abgestimmt. „In dem Outfit haben wir vor anderthalb Jahr auch geheiratet“, sagt sie. „Wäre ja schade, wenn wir das nur einmal anziehen könnten.“

Kleid und Anzug wurden extra von einem Schneider angefertigt. Zu besonderen Anlässen holt das Paar die Outfits wieder aus dem Schrank. Für „Nina H“ gehört zur Gothic-Szene auch das „alternative Losgelöstsein von jeglichen modischen Vorgaben“.




„Meine Alltagsklamotten“

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Der Lieblingsfilm von Ronnie Bittermann ist „The Time Machine“. Der Leipziger ist fasziniert vom späten 18. und frühen 19. Jahrhundert. Er trägt Zylinder, verspiegelte Brille, grauen Frack – und ist mit seiner Verlobten zum dritten Mal zum Autumn-Moon-Festival gekommen. Wer den 31-Jährigen fragt, was ihn an der dunklen Szene fasziniert, bekommt die Antwort: „Das ist eine Lebenseinstellung, ein Gefühl.“

Er meint das Flair, die Musik, die Gesellschaft. „Eben das ganze Drumherum.“ Und das gefällt ihm und seiner Verlobten Eileen Schlupp beim Herbstmond-Festival in Hameln besonders gut. „Eine sehr schöne Location, klein gehalten und nicht so riesig wie zum Beispiel das M’era Luna.“ Zum Vergleich: Beim Szene-Festival in Hildesheim feierten zuletzt rund 25 000 Besucher. In Hameln sprach der Veranstalter von rund 2000 vorab verkauften Tickets. „Hier ist es familiärer“, sagt Bittermann.

Von einer Verkleidung, die er trägt, möchte er nicht sprechen. „Eigentlich sind das meine Alltagsklamotten“, sagt er. Seine Freundin trägt schwarzes Kleid und Lederjacke – im Verhältnis zu anderen Outfits auf dem Autumn Moon ist das schon eher schlicht.





„Muddi schreibt man mit Doppel-D“

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Richtig bunt sieht das Outfit von Petra Sen aus, die einfach nur „Muddi“ genannt werden möchte. Die 49-Jährige steht im leicht zerfetzten Kleid vor ihrem Stand neben der Rattenfänger-Halle – und deutet auf ihren tiefen Ausschnitt: „Muddi schreibt man doch mit Doppel-D.“ Ihre Gewandung sei angelehnt an das 17. und 18. Jahrhundert. „Geschichte mag ich einfach sehr gerne“, erklärt die Verkäuferin aus Bad Bevensen.

Diese Faszination half ihr aus einer schwierigen Zeit in ihrem Leben. „Ich hatte vor einigen Jahren Burn-out, nichts ging mehr“, erzählt sie ganz offen. Sie habe eine Führungsposition im Einzelhandel gehabt – und danach kaum noch einkaufen können. Dann aber fing sie an, Schmuck mit Perlen zu gestalten. Sie traute sich auf Kunsthandwerkermärkte, kam so auch zu Mittelaltermärkten. Auf dem „Mystic Halloween Market“ in Hameln verkauft sie Merchandise für eine Band, läuft barfuß über die Wiese an der Weserpromenade. Sie sagt: „Hier kann ich atmen.“



„Mit Schwarz sieht man immer schick aus“

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Ingo Klemens spielt selbst in einer Band. Er kommt aus Paderborn und ist Gründungsmitglied der Musikgruppe „The Escape“. Dieses Jahr ist er zum ersten Mal beim Autumn Moon in Hameln, freut sich besonders auf „Fields of the Nephilim“, „Covenant“, „Diary of Dreams“ und „The Breath of Life“. Insgesamt spielen über 40 Bands am Freitag und Samstag an verschiedenen Standorten – unter anderem in der Rattenfänger-Halle und der Sumpfblume.

Zusammen mit seiner Frau, seiner Tochter und zwei weiteren Freundinnen ist er nicht zum ersten Mal auf einem Szene-Festival unterwegs. „Ich habe fast nur schwarze Anziehsachen“, sagt Klemens. „Wer sich in der Szene auskennt, sieht mir schon an, dass ich auch aus der Szene komme“, meint er. Die Frau neben ihm, die sich „Mallory Murdock“ nennt, fügt hinzu: „Mit Schwarz sieht man immer schick aus.“ Ihre Haare sind auf der einen Seite blond, auf der anderen Seite – natürlich – schwarz.

Festival-Seite: autumn-moon.de



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