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Ein Besuch bei Hausmeister Wolfgang Wallasch – und warum er seine Schüler vermisst

Was Hausmeister während der Schulferien machen

HAMELN. Sie arbeiten, wenn die anderen Urlaub machen: In den Schulen halten Hausmeister auch während der Ferien die Stellung – es gibt viel zu tun. Ein Besuch bei Wolfgang Wallasch an der Handelslehranstalt in Hameln.

veröffentlicht am 19.04.2019 um 10:00 Uhr

Seinen Job beschreibt Wolfgang Wallasch so: „Gebäudeverwaltung mit handwerklichen Tätigkeiten.“ Foto: mir

Autor:

Michèle Rochau
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„Nein. Sonst noch Fragen?“ Diese lustige Mahnung steht auf einer roten Postkarte, die auf dem hölzernen Schreibtisch liegt. Daneben Unterlagen, Briefe, Computer. Und ein Kugelschreiber, der aussieht wie ein Pümpel. Kaffeeduft liegt in der Luft. Auf einem Stuhl in der Ecke steht ein Werkzeugkasten, ein Mann in Jeans, Pulli und Weste kramt darin herum, steckt das eine und andere in die ausgebeulten Westentaschen: Schraubendreher, Phasenprüfer, und sein Handy darf auch nicht fehlen. Ab durch die Mitte, die Gänge entlang. In den Westentaschen klappert es bei jedem Schritt. Egal. Dafür ist Hausmeister Wolfgang Wallasch immer auf alles vorbereitet. Er sorgt für Ordnung, koordiniert Bauarbeiten, repariert kleine und große Schäden. Alles, was so anfällt in einer Schule.

Wallasch schließt die Tür zu seinem Büro ab. Sein Handy klingelt. Er kramt in der Weste und fischt es heraus. Die Post liefere Pakete, sagt Wallasch und lässt den Boten herein. Die beiden begrüßen sich wie Bekannte. „Bist Du nächste Woche auch hier?“, fragt der Bote. „Nein, da bin ich im Urlaub“, antwortet Wallasch, der schon seit 18 Jahren Schulhausmeister an der Handelslehranstalt in Hameln ist. Da kennt man sich.

Wallasch hat an jeder Ecke der Schule eine Geschichte zu erzählen, wenn man mit ihm durch die langen Gänge läuft. So berichtet er von einer Grundreinigung, als das Reinigungspersonal auf seine Anweisung hin die Toiletten mal mit einer Schaumkanone eingeschäumt und gereinigt habe. Er habe aber auch viele private Erinnerungen, da das Schulhaus nun schon seit fast 20 Jahren sein Zuhause sei, erzählt Wallasch.

„Ich mach das wirklich gern“, sagt er mit einem strahlenden Lächeln im Gesicht. Wenn er über seinen Beruf und die Schüler spricht, wird schnell klar: Dieser Mann arbeitet leidenschaftlich gern an seiner Schule. „Ein Schulhausmeister gehört einfach zur Schule“, sagt der 61-Jährige. Seine Aufgaben in den Ferien seien anders, als es sich die meisten Leute vorstellten, erzählt Wallasch. In den Ferien sei eben doch viel zu tun. Er habe eine klassische Arbeitswoche, und in der Schulzeit dann auch noch Bereitschaftsdienste, erklärt der gelernte Maler und Lackierer.

Allein das Öffnen und Schließen der Schule dauere über zwei Stunden, sagt Wallasch. Der Hausmeister hat die Schule im Griff, das ist klar. Da ist es kein Wunder, dass er die Quadratmeterzahl seiner Schule direkt parat hat. 14 400 Quadratmeter. Irgendwie sind das auch seine. Seinen Job beschreibt der Hausmeister so: „Gebäudeverwaltung mit handwerklichen Tätigkeiten.“ Jetzt in den Ferien empfängt er viele Handwerker. In der Schulzeit würden die den Unterricht stören.

Wallasch koordiniert die Bauarbeiter, einer muss ja den Überblick behalten. Das sei manchmal gar nicht so einfach, sagt er, einmal seien bis zu elf Firmen gleichzeitig in der Schule gewesen. Dieser Tage seien die Bauarbeiter in einer Herrentoilette am Gange, so Wallasch. Es gäbe Probleme mit dem Abwasser. „Wasser ist der größte Feind eines Hausmeisters“, lautet Wallaschs Theorie. Egal, in welcher Form: Abwasser, Frischwasser, Regen oder Schnee. Wasser beschaffe jedem Hausmeister regelmäßig Arbeit.

Große Bestellungen erledige ein Hausmeister ebenfalls gerne in den Ferien. Toilettenpapier bestellt er palettenweise. Er habe schon einen Vorrat, der bis zu den Sommerferien reichen werde, sagt Wallasch – und öffnet die Tore eines Lagers, in dem Toilettenpapier, Handtuchpapier und andere Vorräte auf Paletten lagern.

Letzte Woche war der TÜV im Haus. Die elektrische Lautsprecheranlage wurde getestet. Der Feueralarm müsse in jedem Raum in einer gewissen Lautstärke zu hören sein. Wallasch hat das in jedem einzelnen Raum überprüft. Das habe gedauert. Es hätten sich sogar besorgte Nachbarn gemeldet, weil der Feueralarm so lange geschrillt habe. Alles, was laut oder schmutzig sei, müsse aber nun mal in den Ferien erledigt werden. Denn der Schulalltag dürfe nicht gestört werden, sagt Wallasch.

Aber es fallen auch viele Reparaturen an. Stühle leimen. Seifenspender auswechseln. Bodenbelag erneuern. „Dafür braucht man diese Ferienzeit, da kriegt man alles wieder in Gang.“ Aber es gibt ein Aber: In der Ferienzeit vermisst der Hausmeister den Schulbetrieb. „Ich bin glücklicher, wenn alle da sind“, sagt Wallasch. „Ich habe Schüler und Lehrer gern um mich.“ Die Ferienzeit habe nur ein Gutes: „In den Ferien gehört die Bude mir.“



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