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An der Ruthenstraße sorgen zwei zerstörte Kesselwaggons für Aufsehen

Was hat die Stahlkolosse zerdrückt?

Hameln. Auf einem Gleis neben der Ruthenstraße stehen zwei Stahlkolosse auf vier Achsen. Die beiden Kesselwaggons sie eingedrückt wie Bierdosen. Ein Rätsel. Nein, ein seltener Fehler ist schuld.

veröffentlicht am 21.12.2015 um 17:04 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 15:07 Uhr

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Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Die 85 000-Liter-Kessel der französischen Waggons sind unterschiedlich stark zerdrückt. Es sieht fast so aus, als habe jemand mit seiner Hand eine Getränkedose zerquetscht. Wer an den vier Meter hohen Güterwaggons, mit denen einmal Biodiesel transportiert wurde, vorbeifährt, fragt sich unweigerlich: Welche Kräfte haben auf die Riesenbehälter aus sechs Millimeter dickem Baustahl gewirkt, dass sie dermaßen stark beschädigt wurden? Sind die Tankwagen bei einem Zugunglück umgekippt?

Karsten Elstner, Geschäftsführer der 1921 in Hameln gegründeten „Franz Kaminski Waggonbau GmbH“ kennt die Antworten auf die Fragen. Um es vorwegzunehmen: Die Kessel der Waggons wurden nicht bei einem Eisenbahnunfall zerstört. Die Tanks sind innerhalb von Millisekunden mehr oder weniger in sich zusammengefallen. Sie sind implodiert.

„Das kommt nicht häufig vor, aber es passiert“, sagt der Experte. Dann zum Beispiel, wenn der Tank falsch entladen wird oder Sicherheitsmechanismen versagen. Wird der Inhalt zu schnell abgepumpt, kann sich im Behälter ein zerstörerischer Unterdruck bilden. Möglich auch, dass die sogenannte Gaspendelleitung, mit der der Innendruck ausgeglichen wird, falsch angeschlossen wurde. Der Effekt ist immer der gleiche: Der Kesselaufbau fällt schlagartig in sich zusammen. Eigentlich sollen Unterdruck- oder Tankbelüftungsventile so etwas verhindern. „Man muss sich das so vorstellen: Der Luftdruck beträgt etwa 1 bar. Wenn so ein Behälter falsch entleert wird, kann er je nach Bauart bei einem Unterdruck von 0,5 bis 1 bar zusammenklappen“, erklärt Elstner.

Die Firma „Franz Kaminski Waggonbau GmbH“ hat bis 2005 selbst Kesselwaggons gefertigt. Inzwischen hat sich das Unternehmen auf die Reparatur, die Inspektion und die Reinigung von Eisenbahn-Tankwagen spezialisiert. Neben Hameln gibt es Werke in Frankreich, Ungarn und Polen. Unfälle beim Entladen sind selten – deshalb kommt es nicht häufig vor, dass Kesselwaggons mit Implosionsschäden ins Stammwerk rollen. „In Hameln werden sie gemeinsam mit dem Kunden und einem Versicherungsexperten begutachtet und dann von uns gereinigt“, erklärt Elstner. Reparieren könne man solche Kessel nicht. Oftmals werden die kaputten Stahlkolosse jahrelang bei Kaminiski geparkt – gegen Gebühr versteht sich. Nicht selten warten die Halter darauf, dass der Schrottpreis steigt.



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