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Zuckerbäckern aus Dörentrup über die Schulter geschaut / Familienbetrieb exportiert Lutscher auch nach Israel und Dubai

Was haben Kojak und die Lipper gemein? Den Lolli

Dörentrup. Wer hätte es gedacht – die Lipper haben ihn exklusiv für Deutschland und Österreich hergestellt: den Kojak-Lolli. In den 70er Jahren erwarben Zuckerbäcker aus Dörentrup die Lizenz für diesen Namen. Der Familienbetrieb Küfa ist eine der ältesten Lutscher- und Bonbonfabriken Deutschlands. Sogar Scheichs schätzen Produkte aus Lippe.

veröffentlicht am 29.05.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 11.11.2016 um 19:41 Uhr

Bunt und süß: Die Kreisel-Lollis sind das Wahrzeichen und eine E

Autor:

Sabine Brakhan
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Wer träumt nicht ab und zu vom legendären, farbenfrohen Schlaraffenland, wo nicht die Berge aus Steinen, sondern aus bunten Bonbons und Lollis bestehen und süße Schokoladenflüsse fließen. Dann werden die Naschkatzen wieder wach, die nostalgischen Erinnerungen an verführerisch bunte Kreisel-Lollis und hübsch eingewickelte Bonbons aus Kindertagen. Und man fragt angesichts der Kalorienaufdrucke auf den modernen Süßwarenverpackungen: Wo sind sie geblieben, die rot-weißen Pfefferminzkissen mit der leckeren Schokoladenfüllung, bei denen der Anblick und der Duft schon das Wasser im Mund zusammenlaufen ließen, oder die bunt marmorierten Kreisel-Lollis mit der Sammelfigur als Stiel. Wie oft hieß es dann, wenn von der süßen Zuckermasse lediglich klebrige Spuren um den Mund herum übrig geblieben waren: „Tauscht Du das Flugzeug gegen den Cowboy?“ Und schon hat uns wieder einmal die Nostalgie- und Retrowelle hoffnungslos mitgerissen – sagen wir mal, wir haben uns bereitwillig mitreißen lassen, denn schließlich ist Naschen zumindest für die Seele gesund – und lässt uns jenseits der nordrhein-westfälischen Landesgrenze im Nachbarlandkreis Lippe stranden. In Dörentrup produziert die Zuckerwarenfabrik Küfa, eine der ältesten Lutscher- und Bonbonfabriken Deutschlands, noch heute ihre Spezialitäten wie Jahrmarktbonbons nach Rezepten aus Großmutters Zeiten sowie firmeneigene Erfindungen, wie beispielsweise der bei Generationen beliebte Kreisel-Lutscher und die berühmten kleinen Kirschen-Lollis.

Den ersten Sack Zucker holte der Chef per Rad

Küfa – dass steht für „Küstermann Fabrikate“ und wurde im Laufe von fast 80 Jahren zum Inbegriff von Bonbons und Lollis. 1930 gründete Paul Küstermann in Schötmar eine Bonbonfabrik. Aus der Firmenhistorie ist zu erfahren, dass der Firmengründer seinen ersten Sack Zucker persönlich mit dem Fahrrad aus der zehn Kilometer entfernten Zuckerfabrik in Lage holte. Diese Zeiten sind längst vorbei. Der Zucker wird heute selbstverständlich angeliefert und seit 1961 produziert die Firma, die sich noch immer im Familienbesitz befindet, in Dörentrup ihre Süßwaren. Mitte der 1940er Jahre hat die Firma Küfa den Lutscher in ihre Produktion aufgenommen und die Angebotspalette durch ein umfangreiches Lolli-Sortiment erweitert. „Lutscher entstanden aus dem Bedürfnis der Menschen, ein buntes Bonbon aus dem Mund nehmen zu können und zu betrachten. Bis heute legt Küfa großen Wert darauf, dass die Lutscher nicht nur ein Gaumengenuss sind, sondern auch das Auge erfreuen“, erklärt der Seniorchef Dieter Ullrich. Das erfordert viel handwerkliches Geschick von den Süßwarentechnikern. Bei der Firma Küfa sind noch echte „Zuckerbäcker“ am Werk, die traditioneller mit viel Handarbeit die süßen Versuchungen erschaffen.

Wie werden in einer traditionellen Zuckerwarenfabrik Bonbons und Lollis produziert? Demjenigen unter den Lesern, dem in diesem Moment der nostalgische Kupferkessel aus der Fernsehwerbung eines großen Mitanbieters vorm inneren Auge erscheint, dem sei gesagt, bei Küfa ist er nach wie vor in Betrieb, allerdings integriert in eine automatisch arbeitende Hochdruckanlage, in der Zucker und Glukosesirup mit Wasser gelöst und bei 150 Grad gekocht wird. Glukose ist eine Pflanzenstärke, die verhindert, dass die Bonbonmasse auskristallisiert. „Im Vakuum wird der Wassergehalt auf etwa ein bis zwei Prozent reduziert. So gelingt es uns, Lollis und Bonbons mit einer besonders geringen Klebeneigung zu produzieren“, erklärt Produktionsleiter Marcus-Oliver Minolts. Der Zuckermasse werden anschließend je nach Rezeptur Fruchtsäuren, natürliche und naturidentische Aromen sowie ätherische Öle und Farbstoffe zugesetzt. Immer wieder walken und ziehen die Zuckerbäcker die zähe Masse auf den Kühltischen, die dafür sorgen, dass die Zuckermasse auf 70 bis 80 Grad Celsius abkühlt und sich festigt. Anschließend wird von Hand Luft eingearbeitet, was der Zuckermasse ihren seidigen Glanz verleiht. Eine heiße Angelegenheit und bei all dem Pfefferminzaroma in der Luft fällt einem prompt ein Werbespruch der Süßwarenindustrie ein: „Wer hat’s erfunden?“

Zuckerbäcker bei der Arbeit: In der Bonbon-Manufaktur: Aus diese
  • Zuckerbäcker bei der Arbeit: In der Bonbon-Manufaktur: Aus dieser rot-weißen Masse werden Bonbons gedreht (links). Geschmäcker sind verschieden: Hier werden Salmiak-Lutscher mit Schokolade übergossen.
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Zuckerbäcker bei der Arbeit: In der Bonbon-Manufaktur: Aus diese
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Bei Küfa lassen sich nicht nur die erfahrenen Süßwarentechniker neue Kreationen einfallen. Der Lutscher mit der Kaugummikugel war beispielsweise die Idee eines Betriebsschlossers, weiß Thomas Ullrich zu berichten. In der Zwischenzeit sind die Zuckerbäcker damit beschäftigt, verschiedenfarbige Zuckermassen zusammenzusetzen und den Schokokern in der Mitte des „40-Kilogramm-Riesenbonbons“ zu platzieren. Anschließend wird mithilfe eines Kegelrollers aus der „Kalorienbombe“ ein Strang geformt, der an eine überdimensionale rot-weiße Lutschstange erinnert. Von diesem immer dünner werdenden Strang schneidet anschließend eine Maschine die einzelnen kleinen rot-weiß gestreiften Pfefferminzkissen ab, damit diese später auf der Zunge der Genießer ihre insgesamt drei Schichten inklusive Schokokern preisgeben können.

Savalas hätte sie lieber Telly’s Pop genannt

„Für die Lutscherproduktion werden die geschmacklich verschiedenen Zuckermassen ebenfalls zu einem dünnen Strang gerollt. Eine Fertigungsanlage prägt oder walzt dann die Lollis und versieht sie mit einem Stiel“, erklärt Thomas Ullrich die Arbeitsschritte der Maschine. Mit einer Ausnahme: Bei den bunten Kreisel-Lollis werden die kleinen Sammelfiguren einzeln von Hand in die ausgeformten, noch warmen Kreisel gesteckt. An eine Anekdote aus der langen Firmengeschichte kann sich der Seniorchef noch ganz genau erinnern: „1975 brachten wir den Kojak-Lolli auf den Markt. Der glatzköpfige, lollilutschende Ganovenjäger der Fernsehserie „Einsatz in Manhattan“ hatte den Lutscher damals zum Kultobjekt für Erwachsene gemacht, und wir hatten Schwierigkeiten, die starke Nachfrage zu bedienen. Auf der Internationalen Süßwarenmesse sorgte damals ein täuschend echt aussehender Kojak–Doppelgänger für großes Aufsehen“, so Dieter Ullrich schmunzelnd. Kojak, verrät Ullrich, hätte den Lolli lieber „Telly’s Pop“ genannt.

Auch in diesem Jahr haben die Lipper Zuckerbäcker auf der Messe in Köln Neuheiten aus dem über 30 verschieden Lutscher- und Lolli-Sorten sowie 40 Sorten traditionelle Bonbons umfassenden Sortiment etwas neues Altes, aber aber auch aktuelle Kreationen vorgestellt. Die „Minis“ sind traditionelle Kirsch-Lutscher in einer farbenfrohen und fruchtigen Mischung, ein Sahne-Lolli mit Nugatfüllung , wird als „Praline zum Lutschen“ angepriesen.

Viel Handarbeit ist bei der Produktion der Pfefferminzkissen notwendig, bis die kleinen Bonbons fertig ist.

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