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Denkmal erinnert an Soldaten, die Aufstände in Kolonien niederschlugen

Was die Hamelner mit den Herero verbindet

HAMELN. Deutschland tut sich bis heute schwer mit seiner Kolonialgeschichte. Seit Jahrzehnten kämpfen Herero und Nama aus Namibia um Entschädigung durch die Bundesrepublik für den Völkermord, den das Deutsche Kaiserreich vor über 100 Jahren verübt hat. Nun haben sie vor einem Gericht in New York eine Klage gegen die Bundesrepublik eingereicht. Was das mit Hameln zu tun hat? Auch Hamelner waren ab 1904 als Soldaten an der Niederschlagung des Aufstands von Herero und Nama in der einstigen Kolonie Deutsch-Südwestafrika beteiligt.

veröffentlicht am 01.02.2018 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 02.02.2018 um 12:20 Uhr

Das Kolonialdenkmal am Saint-Maur-Platz wurde 1910 feierlich enthüllt. Foto: pk
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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Die Niederschlagung gipfelte in dem ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts, wie sich die meisten Historiker inzwischen einig sind. Am Saint-Maur-Platz erinnert ein 1910 errichtetes und damals feierlich enthülltes Kolonialdenkmal bis heute an die Gefallenen aus Hameln, Ottenstein, Hagenohsen und Grießem. Geziert wird es von einem in Stein gemeißelten Löwen, der „auf den Waffen der Wilden“ ruhe, wie die Dewezet damals schrieb.

Erst seit wenigen Jahren, seit 2011, wird das Denkmal durch eine zusätzlich angebrachte Info-Tafel erläutert, das vermeintliche Heldentum der deutschen Soldaten relativiert. „In beiden Kriegen hat das Deutsche Kaiserreich rücksichtslos seine kolonialen Interessen verfolgt und auf Kosten der unterworfenen Völker Weltmachtpolitik betrieben“, ist dort in einem von Historiker Bernhard Gelderblom und Heinz-Georg Schneider formulierten Text zu lesen. „In Südwestafrika verübten die Deutschen Völkermord, den nur wenige Hereros überlebten.“ Von 80 000 Herero überlebten nur etwa 15 000, von 20 000 Nama, die von Deutschen damals abwertend als „Hottentotten“ bezeichnet worden waren, nur 10 000. Auf der anderen Seite des Denkmals wird der Hamelner Opfer gedacht, die bei der Niederschlagung des sogenannten Boxeraufstands in China ums Leben kamen.

„Dieses Denkmal stand für Verherrlichung des Kolonialismus, des Imperialismus und des Herrenmenschentums“, ist auf der Tafel weiter zu lesen. „Für uns aber ist es Mahnung, uns im Einklang mit der Charta der Menschenrechte für die Gleichberechtigung aller Menschen, Völker und Rassen einzusetzen.“

Erst 2012 hatte Deutschland die in Deutsch-Südwestafrika verübten Massaker erstmals als Völkermord bezeichnet. Doch eine Entschuldigung steht bis heute aus. Zudem weigert sich Deutschland, die Klageschrift in New York anzunehmen. Das Auswärtige Amt begründet dies mit dem „Grundsatz der Staatenimmunität“. Demnach dürfe ein Staat vor ausländischen Gerichten nicht wegen ihrer hoheitlichen Tätigkeiten, etwa dem Handeln ihrer Soldaten, verklagt werden.

In der Klage der Herero und Nama geht es nicht nur um Entschädigung in Milliardenhöhe, sondern auch darum, dass die beiden Volksgruppen direkt in die Verhandlungen zwischen der deutschen und namibischen Regierung über die Anerkennung des Völkermords mit einbezogen werden wollen.

Die deutsche Kolonialherrschaft endete 1915. Seit 1990 ist Namibia unabhängig.



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