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Hamelner Straßennamen erklärt

Was die Adolfstraße mit Hitler zu tun hat …

So wie in alten Gemäuern Geschichten stecken, so sind auch in Straßennamen Erzählungen verborgen. In einer neuen Reihe spürt die Dewezet-Redaktion diesen Geschichten in unregelmäßigen Abständen nach. Den Anfang macht die Adolfstraße.

veröffentlicht am 03.04.2018 um 08:37 Uhr

Die Adolfstraße mit der Eckkneipe Reichsadler. Foto: pk
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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HAMELN. Es ist nicht so, wie es aussieht. Auch wenn die Namenskombination es auf den ersten Blick nahelegen mag, so hat weder die Adolfstraße im Klütviertel etwas mit Adolf Hitler zu tun noch die auf der Ecke Adolfstraße/Breiter Weg gelegene Kneipe Reichsadler etwas mit dem Nationalsozialismus. Befeuert worden sein mag diese unglückselige Assoziationskette dadurch, dass das Klütviertel Anfang der 1990er Jahre das Zuhause einer rechtsradikalen Skinhead-Szene war. Das ist zwar lange vorbei. Dennoch fassen sich ob dieser unglückseligen Verknüpfung von Namen bis heute immer Hamelner – ganz zu schweigen von Besuchern – an den Kopf und fragen sich: „Wie kann das sein?!“ Dabei ist alles ganz anders.

Erstmals erwähnt wurde die Adolfstraße bereits 1897. Da war Hitler gerade mal acht Jahre alt. „Das Gelände, auf dem die Straße angelegt wurde, gehörte der Familie Mävers“, schreibt Gerhard Pieper in seinem 2005 beim CW Niemeyer Verlag erschienenen Buch „Hamelner Straßen – Eine Stadtgeschichte im Spiegel ihrer Straßennamen“. Die Mävers betrieben in der Wendenstraße eine Kupferschmiede. Familienoberhaupt war Adolf Mävers (1848-1898), von 1893 bis 1896 war er Ratsherr. „Nach ihm wurde die Straße benannt“, schreibt Pieper. Mit Adolf Hitler hat die Adolfstraße also nichts zu tun.

Und der Reichsadler? Der war schon vor der NS-Zeit ein Hoheitszeichen des Deutschen Reichs. Unter den Nazis wurde der Reichsadler dann häufig mit dem Hakenkreuz kombiniert. Doch den Reichsadler im Klütviertel gab es schon lange vor den Nazis. Zumal die Anschrift des Reichsadlers nicht die Adolfstraße, sondern der Breite Weg ist. Die Hausnummer der Eckkneipe änderte sich im Laufe der Jahre. Wie aus einem Adressbuch hervorgeht, war die Ecke 1899 noch unbebaut. Das änderte sich im Folgejahr. 1901 betrieb dort dann ein Oswin Richter, Gastwirt und beeidigter Auktionator, das Restaurant Zum Reichsadler am Breiten Weg 21a. „Specialausschank des Herzogl. Hofbräuhauses Carl Wolters & Co., Braunschweig, Pilsener Tafelbier, Culmb. Exportbier, Flaschenbier in Originalabfüllung der Brauerei“, ist in einer Annonce des Reichsadlers von damals zu lesen. So auch, dass die Dewezet als Zeitung auslag. Allerdings gab Richter den Betrieb schon 1902 wieder ab: an den Schlachtermeister Hermann Roskam, wie im Stadtarchiv in der Konzessionsurkunde aus jenem Jahr nachzulesen ist.

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Nach dem Tod von Roskam betrieb dessen Witwe den Reichsadler weiter. Bis 1939. Damals wurde die Gastwirtschaft, nunmehr mit der Hausnummer 12, von Kellner Willy Eckhardt übernommen. Das Stadtverwaltungsgericht gab Eckhardts Antrag auf Übernahme der Konzession statt: „Seit langen Jahrzehnten wird die Gastwirtschaft dortselbst betrieben und ist unter allen Umständen auch gerade in dieser Gegend ein Bedürfnis anzuerkennen“, heißt es in einem städtischen Schreiben. „Der Antrag kann daher unsererseits nur befürwortet werden.“

79 Jahre später ist der Reichsadler, inzwischen unter Wirt Rainer „Teddy“ Chudoba, immer noch beziehungsweise wieder eine gefragte Adresse. Und die Frage nach der unglückseligen Kombination von Straßen- und Kneipennamen sorgt bis heute zumindest für Gesprächsstoff.

Hinweis: Anregungen sowie Fragen zum Thema nimmt Redakteur Philipp Killmann gern unter 0 5151 / 200-431 und per E-Mail, p.killmann@dewezet.de, entgegen.



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